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Was finanzielle Abhängigkeit für Frauen bedeuten kann und wie du dich schützt

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Wir reden die ganze Zeit vom Traum der finanziellen Unabhängigkeit. Freizeit statt Arbeit, Familie statt Chef, Bali statt Bochum. Doch gerade bei uns Frauen ist der Status einer finanziellen Abhängigkeit oftmals viel tiefgreifender als bei Männern. Wir Frauen sind nicht nur vom nervigen Arbeitgeber abhängig, sondern oftmals auch vom Partner. Bei vielen Frauen geht es nicht um das Luxusproblem „zu wenig Freizeit“ und auch nicht um Armut im Alter, sondern um die blanke Existenz in der Gegenwart. Darum, nicht (absichtlich oder unabsichtlich) ausgenommen zu werden. Darum, über ihr Leben bestimmen zu können und in Würde zu leben. Ein Grundrecht. Doch vielen fehlen dafür schlicht die finanziellen Möglichkeiten.

„Mein Mann hat das immer gemacht.“

Jeden Tag erreichen mich Emails von Frauen, die sich in unmöglichen finanziellen Situationen befinden. Und besonders in meinen Seminaren erfahre ich unmittelbar womit viele Frauen zu kämpfen haben. Viele dieser Frauen haben ihre eigenen sowie die gesamten Familienfinanzen stets dem Mann überlassen. Sie haben von nichts eine Ahnung und stehen nun kurz vor der Scheidung oder sind bereits geschieden.

Ein Beispiel vom Seminar in Berlin:

  • „Hallo, ich bin Monika** aus Stuttgart.“
  • „Aus Stuttgart?! Wir geben doch im Oktober ein Seminar in München. Du hättest doch nicht extra nach Berlin kommen müssen!“
  • „Ja, ich weiß. Aber dann hätte ich ja noch länger warten müssen. Ich bin 52 Jahre alt, habe einen Sohn. Mein Mann hat sich immer um alles gekümmert. Ich kenne mich überhaupt nicht aus. Und am Dienstag ist der Scheidungstermin.“

Man würde es sich wünschen, aber solche Geschichten beschreiben wahrlich keine Einzelschicksale. Finanzielle Abhängigkeit vom Partner betrifft viele Frauen. Oft geraten Frauen durch die Art der Sozialisierung, Unwissenheit und/oder Desinteresse in die Situation, dass der Mann die Finanzen ‚regelt‘ und die Frau keinen Überblick über den Geldfluss hat. Manche schauen nicht einmal hin und wieder auf die Kontoauszüge. Bis es dann zu spät ist, die Scheidung ins Haus steht und sich alle plötzlich fragen, wo denn das ganze Geld hingeflossen ist. Welche Versicherungen habe ich eigentlich? Ist das Haus schon abbezahlt? Wie viel Miete müsste ich eigentlich alleine zahlen? Wie viel Erspartes haben wir? Höchstwahrscheinlich nicht sonderlich viel…

„Ich kann mir ein Leben alleine nicht leisten.“

Eine weitere Geschichte hat mich bei unserem Seminar in Dortmund ziemlich sprachlos gemacht. Eine Teilnehmerin sagte: ‚Tja, mein Mann hat immer unsere Finanzen geregelt. ‚Geregelt‘. Er hat alles an der Börse verzockt, süchtig nach dem Kick. Wir haben alles verloren. Das war wirklich richtig schlimm. Ich musste einen riesigen Kredit aufnehmen. Ich bin nur noch bei ihm weil ich es mir anders nicht leisten kann.“

Diese Art von Abhängigkeit beschreibt eine ganz andere Dimension des Themas finanzielle Unabhängigkeit von Frauen. Nach einer Scheidung pleite zu sein ist wirklich unschön, aber das bekommt man wieder in den Griff. In einer unglücklichen Beziehung, geprägt von absoluter Abhängigkeit, gefangen zu sein weil man sich alleine die Miete nicht leisten kann, ist jedoch vollkommen entwürdigend. Und leider kein Einzelfall. Eine aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt Erschütterndes: 28% der über 2.000 Befragten, die sich aktuell in einer Beziehung befinden, gaben an, dass finanzielle Sicherheit der Hauptgrund für den Verbleib in dieser Beziehung ist. Der überwiegende Teil dieser 28% waren Frauen. 28%! Nicht 5 oder 10%. 28! Unglaublich.

Was du tun kannst

Um solche oder ähnliche Situationen zu vermeiden, musst du deine Finanzen schleunigst vernünftig aufstellen. Die folgenden Schritte dürften einen guten Anfang darstellen:

  1. Übernimm‘ Verantwortung. Du musst dir bewusst machen, dass es keine Alternative gibt. Entweder du kümmerst dich um dein Geld oder jemand anderes tut es. Interessiere dich für dein Geld, wo es herkommt, wo es hingeht und warum.
  2. Wie viel Geld verdienst du und wo landet das Geld? Wenn du nicht genau weißt, wie viel du verdienst (was bspw. bei Freiberuflerinnen nicht selten ist) solltest du dir zu allererst darüber bewusst werden. Plus: Wo landet dieses Geld eigentlich? Beispielsweise auf einem gemeinsamen Konto?
  3. Das 3-Konten-Modell. Falls alles auf dem gemeinsamen Konto landet, solltest du dir überlegen, ob ein gemeinsames Konto wirklich der beste Weg ist. Ein Alternative wäre das 3-Konten-Modell: Jede(r) hat ein eigenes Konto, auf dem das jeweilige Gehalt landet. Beide überweisen einen Betrag X auf das gemeinsame Haushaltskonto zur Deckung gemeinsamer Kosten wie Miete, Urlaube, Benzin, Lebensmittel, Kinderkram etc. Alles andere bleibt auf dem persönlichen Konto, wo jeder mit dem Geld machen kann, was er/sie will.
  4. Sind die Ausgaben fair geteilt? Du verdienst weniger, zahlst aber 50% der Miete? Not fair. Die Höhe der Anteile an den gemeinsamen Kosten sollte sich prozentual nach dem Einkommen richten. Beispiel: Du verdienst 3.000€, er 5.000€. Macht ein Haushaltseinkommen von 8.000€. Deine 3.000€ machen 37,5% von den 8.000€ aus. Also solltest du auch 37,5% der gemeinsamen Kosten tragen.
  5. Ehevertrag! Vollkommen unromantisch, vollkommen notwendig. Bis von ein paar Jahren galt, dass nach einer längeren Ehe der Unterhaltsempfängerin durch entsprechende Zahlungen der gleiche Lebensstandard wie in der Ehe garantiert wurde. Das ist seit dem Jahr 2008 nicht mehr so. Du solltest im Ehevertrag in jedem Fall die Höhe der Unterhaltszahlungen festlegen. Ein Ehevertrag kann übrigens auch noch während der Ehe geschlossen werden. Und auch als Unverheiratete kann man mit dem Partner oder der Partnerin Verträge schließen.
  6. Dein Status Quo. Erstelle eine Übersicht deiner Vermögenswerte (Immobilien, Cash, Aktien etc.) und deiner Verbindlichkeiten (offene Rechnungen, Schulden etc.), um zu sehen, wie deine aktuelle finanzielle Lage aussieht. Eine Vorlage dafür findest du hier: http://madamemoneypenny.de/vermoegens-check-wie-reich-bin-ich/
  7. Baue dir einen Notgroschen auf. Falls du noch keins hast, eröffne ein Tagesgeldkonto (bei Cortal Consors* gibt es aktuell 0,8% Zinsen) und überweise an jedem 1. des Monat 10% deiner Einkünfte auf dieses Konto, um ein finanzielles Polster aufzubauen. Mit ein paar Tausend Euro im Rücken lässt es sich um einiges besser leben – und ggf. auch getrennte Wege gehen. Auch wenn du Schulden hast, solltest du dir parallel dieses Polster aufbauen damit du nach Abbezahlung des Kredites nicht vollkommen nackt dastehst. Dieses Geld ist deine eiserne Reserve und darf nicht verkonsumiert werden.
  8. Investiere. Investiere Geld und Zeit in dich, deine Bildung, Nebenprojekte, ein gutes Netzwerk. Beschäftige dich mit Aktien und ETFs damit sich dein Geld vermehrt und dich so Stück für Stück unabhängig(er) macht.
  9. Vernetze dich mit anderen Frauen. Wir Frauen müssen mehr über Geld reden, uns vernetzen und voneinander lernen. Dafür gibt es unter anderem die Madame Moneypenny Facebook-Gruppe.

Fazit

Wisst ihr, was ich mir wünsche? Dass ich Madame Moneypenny eines Tages aufgrund fehlender Nachfrage begraben kann. Dass irgendwann niemand mehr mein Ebook liest und zu meinen Seminaren kommt. Weil an diesem Tag X alle Frauen ihre Finanzen voll im Griff haben, unabhängig von anderen sind und ein Leben nach ihren Wünschen leben. Wenn du mitmachen möchtest, teile diesen Artikel, rede mit Frauen in deinem Umfeld über Geld, ermutige deine Frau, Schwester, Mutter und die Freundin deines Freundes auf dessen Hund deine Mama mal aufgepasst hat, sich mit ihren Finanzen zu beschäftigen. Let’s do this. 

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** Name geändert

Foto: unsplash.com

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9 Kommentare
  1. i545547 3 Monaten ago
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    Guter Artikel und ein guter Hinweis auf ein großes Problem, welches allerdings nicht nur Frauen betrifft. Ich bin durch Zufall über den Finanzwesir hierhin gelangt…

    Ich sehe ein Paar Dinge ganz anders und meine Frau und ich handhaben dies auch ganz anders:

    – Ehevertrag: Ein Ehevertrag kommt für uns nicht in Frage. Wir haben direkt vor unseren ersten Jobs geheiratet, haben unser Vermögen und unseren Besitz zusammen aufgebaut. Jeder von uns hätte nicht erreicht, was er erreicht hätte, wenn der jeweils andere nicht zu bestimmten Zeiten den Rücken freigehalten hätte. Wenn ich das Gefühl hätte, einen Ehevertrag zu brauchen, wüsste ich, dass es die falsche Frau für mich wäre. Umgekehrt gilt für meine Frau das gleiche.

    Jetzt kommen wieder alle und verweisen auf die Zeit und wieviel da passieren kann. Man formt mit seinen Entscheidungen die Zukunft. Wenn ich also die Saat des Misstrauens sähe, und nichts anderes ist ein Ehevertrag, dann ernte ich etwas anderes als wenn ich dieses Misstrauen nicht gesäht hätte.

    – Kontomodelle: Sehe ich anders. Ein gemeinsames Konto ist automatisch rechnerisch fair, da sich jeder maximal am gemeinsamen Leben beteiligt. Wir haben ein gemeinsames Gehaltskonto und ein gemeinsames Depot. Ich mache zwar zur Zeit alles, weil ich als Freiberufler tatsächlich mehr Zeit habe, aber bespreche das vorher mit meiner Frau und informiere sie. Es muss ja nicht immer der böse Mann und die arme geschiedene Frau sein, ich kann auch morgen vom Bus überfahren werden…

    – Verantwortung übernehmen, in sich investieren: Hier stimme ich vollkommen zu. Die Welt heute ist voll von Frauen und Männern, die außer körperlicher Jugend nichts weiter anzubieten haben. Wenn man so ist, kriegt man auch eine Beziehung, die so funktioniert. Man sollte sich, genau wie im Job, immer frahen: Warum sollte überhaupt jemand mit mir zusammen sein wollen? Weil ich auf eigenen Beinen stehe, stark und interessant bin, oder weil ich für 15 Jahre gut aussehen und am Ende sowieso aussehen wie Yoda 😉

    Kleine Anmerkung vom anderen Geschlecht: Der Post und auch die Kommentare beschwören einen unterschwelligen Kampf zwischen Mann und Frau. Dies lenkt die Debatte auf einen Nebenschauplatz um Enttäuschungen und schlechte Erfahrungen. Dies führt aber meines Erachtens nach nicht zum Ziel. Vielleicht interpretiere ich das auch falsch, aber es kommt für mich so rüber…

  2. Bodo 3 Monaten ago
    Antworten

    Ob man es generalisieren kann, weiß ich nicht – aber meine Partnerin WILL mit Finanzen und Versicherungen nichts zu tun haben. Sie lehnt das einfach ab. Hausarbeit, Kosten für Einkäufe und die Miete teilen wir 50:50. Obwohl meine Partnerin weniger Einkommen hat, doch auch dies ist eine Frage des Wollens (Studium? Och nöö…). Davon abgesehen verstehen wir uns aber prima 😉

    • Natascha 3 Monaten ago
      Antworten

      Hallo Bodo,

      genau darum geht es im Kern. Es ist ja nicht so, dass Frauen es nicht dürfen oder zu dumm sind. Sie interessieren sich einfach nicht dafür und wollen sich daher nicht mit ihren Finanzen beschäftigen. Und das ist unverantwortlich. Schön, dass ich euch bei allem anderen gut versteht 🙂

      Liebe Grüße
      Natascha

  3. […] Albert durfte ich auf dem Lesertreffen in Frankfurt kennen lernen. Mit den Power-Damen Gisela und Natascha hatte ich eine schöne Zeit in Budapest. Auf der Invest in Stuttgart hatte ich mit Lars Wrobbel […]

  4. Wendy 3 Monaten ago
    Antworten

    Da fällt mir noch etwas ein – ein Immobilienkauf fand mit meinem Partner statt. Und ich brachte 2/3 des Kapitals ein. Und im Grundbuch und Kaufvertrag sollte das auch so „abgebildet“ werden. Sprich – ich mit 67 % als Eigentümer eingetragen werden.

    Und der Notar schlug mir doch ernsthaft vor, die übliche 50/50 Aufteilung zu nehmen – wir wüßten doch schließlich, was wir gezahlt hätte, das könnten mein Partner und ich doch unter uns ausmachen. Ich habe ihm gegenüber da sehr klare Worte gefunden…..

    Solange so etwas (in dem Fall sicher aus Faulheit des Notars, weil dann einfach ein Mustervertrag genommen werden könnte und wirklich nur die Namen ersetzt werden konnten) ernsthaft noch vorgeschlagen wird, ist es mit der Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Frauen und Männern noch nicht weit her.

  5. Wendy 3 Monaten ago
    Antworten

    Es ist für mich nach wie vor unfaßbar, wie eigentlich intelligente, oft studierte Frauen bei der Frage nach Geld feige werden. Wenn ich – auch in Foren – empfehle, einen Ehevertrag zu machen, bekomme ich oft zu lesen, daß das ja wohl die falsche Einstellung zu Ehe ist, daß das unromantisch ist, daß man nicht weiß wie man das zur Sprache bringen soll. Und überhaupt – das klingt so gierig. Als ob eine Ehevertrag etwas unanständiges wäre.

    Ich sage nur immer – wenn man mit dem geliebten Partner in „guten Zeiten“ schon nicht über Geld reden kann – dann ist ja wohl klar, daß in „schlechten Zeiten“ erst recht nicht drüber gesprochen wird. Und wenn die Ehe den Bach runter ist, braucht man wohl kaum erwarten, daß freiwillig finanzielle Zugeständnisse kommen.

    Die Ehe meiner Eltern war nicht soll. Und in mir war – möglicherweise auch deshalb – schon als Teenager fest verankert: Ich will einen Beruf lernen, von dem ich selbst leben kann. Sehr pragmatisch. Und entgegen der Empfehlungen von Lehrern und sogar des Arbeitsamtes (das hieß noch so) habe ich mich gegen einen kreativen Beruf (mir ist heute noch nicht klar, warum ich einen kreativen Beruf ergreifen sollte – ich selbst halte mich für völlig unkreativ – vielleicht weil Frauen eher in solche Berufe geschoben werden?) für einen kaufmännischen Beruf entschieden – und während der Ausbildung auch noch festgestellt, daß das völlig meinen Neigungen entspricht. Ich mag den Zahlenkram. Abrechnungen. Sehen, was am Ende Gewinn ist.

    Und deswegen habe ich auch immer mein Geld selbst verwaltet. Und in Beziehungen auch das Geld meines Partners. Aber es ist mir nicht nur einmal auch bei Banken passiert, daß bei gemeinsamen Terminen nur der Mann angesprochen wurde und ich nur als Anhängsel wahrgenommen wurde. Bis der (mein) Mann klar gemacht hat, daß die Verhandlungen durch mich geführt werden.

    Wen ich an dieser Stelle positiv hervorheben muß, ist mein Darlehenssachbearbeiter bei meiner „Hausbank“. Der hat schon das Darlehen für meine erste Wohnung bearbeitet. Da war ich Anfang 20. Und der hat mich immer ernst genommen als kompetente Kundin. Der Mann machte Karriere – blieb aber „für mich zuständig“ bis mein letztes Darlehen bezahlt war – wir hatten noch ein paar Finanzierungen gemeinsam und ich habe mit ihm bei Darlehen um Zinsprozente gefeilscht wie auf dem Basar. Einmal bat er im Vorfeld, einen Auszubildenden bei den Verhandlungen dabei haben zu dürfen – weil ich eine der wenigen Kundinnen wäre, die bei sowas auf Kundenseite das Heft in der Hand hält, ich kam immer mit Exceltabellen an… – und der (männliche) Azubi guckte auch wie ein UFO. Und das Ende der 90er Jahre….. der hatte das noch nie erlebt!

  6. Gina Haschke 3 Monaten ago
    Antworten

    Hallo Natascha,
    ein toller und sehr wertvoller Beitrag und Aufruf. Ein Thema, auf das man nicht zu wenig, aufmerksam machen kann.
    Auch ich habe in meiner Praxis (ich bin systemische Beraterin/Therapeutin) immer wieder mit diesem Thema zu tun.
    Allerdings betrifft es verstärkt Frauen, die das alte traditionelle Familienmodell gelebt haben, weil sie selbst dies in ihrer Herkunftsfamilie kennen- und auch zu schätzen gelernt haben.
    Das bedeutet, oft wurde die eigene Berufstätigkeit mit der Geburt des ersten Kindes aufgegeben, man hielt dem Mann den Rücken für die Karriere frei, kümmerte sich um den Nachwuchs, Haus etc.
    Oft werden diese Frau erst wieder eingeschränkt berufstätig, wenn der Nachwuchs aus dem Gröbsten heraus ist und dann meistens nur auf Mini-Job-Basis. (keine Sozialabgaben, keine Rentenbeiträge). Wenn es dann zu einer Scheidung kommt, oft wenn der Nachwuchs das Haus verlässt, kommt es zum bösen Erwachen.
    Das neue Scheidungsgesetz (2008) verlangt nämlich von allen Frauen, dass sie für ihren eigenen Lebensunterhalt selbst verantwortlich sind und sorgen müssen. In der Regel nach meiner Erfahrung, möchten das auch viele Frauen… nur ist die Umsetzung unheimlich schwer.
    Hier liegt meines Erachtens eine Gesetzeslücke vor. Es hätte für jene Generation der Langzeitverheirateten eine Übergangs- und Sonderregelung geben müssen. Denn das traditionelle Familienmodell war lange Zeit keine Seltenheit. Und das Hausfrauen- und Mutterdasein wird in unserer Gesellschaft nicht wirklich anerkannt. Fakt ist aber: auch jene Frauen haben etwas geleistet und für unsere Gesellschaft getan. Jene Frauen, die oft ab Mitte 40 oder älter wieder auf den Arbeitsmarkt zurückkehren, fehlt es nicht nur an Selbstvertrauen, sondern auch an finanziellen Mitteln für die Fort- und Weiterbildung, an aktuellen Kenntnissen, an Kontakten etc. – sie gelten allgemein als schwer „vermittelbar“.
    Diese Frauen stehen nicht nur vor einem riesigen Trümmerhaufen sondern sind gezwungen oft noch einmal bei NULL anzufangen, mit dem Wissen, dass sie die Lücken niemals wieder aufholen und schließen können. Selbst wenn ihnen der Wiedereinstieg gelingt, werden sie zu 99% nicht die Gehaltsstufe erreichen, als wenn sie berufstätig geblieben wären. Aber die meisten von ihnen müssen nicht nur sich sondern damit auch den Nachwuchs, wenn er noch daheim wohnt, finanzieren. Die Unterhaltszahlungen, wenn sie denn überhaupt regelmässig erfolgen, reichen hier meistens nicht aus. Es folgt also ein (Über-) Leben am Limit, abgesehen davon, dass man sich die zweite Lebenshälfte anders vorgestellt hat.
    Die jüngeren Frauen bleiben oft nicht nur aus eigenem Interesse berufstätig, sondern müssen es oft, um den Lebensstandard halten zu können. In der Regel kann heute kaum ein Mann allein das Familieneinkommen erwirtschaften. Und das ist von der Politik auch so gewollt.
    In Zeitschriften und sonstigen Medien werden die Frauen sogar vor der Teilzeitfalle gewarnt und so sind viele hin- und hergerissen. Ich habe auch junge Frauen in meiner Praxis, die unglücklich sind, weil sie die Entwicklung ihrer Kinder kaum mitbekommen und begleiten können. Und die Weichen für eine Bindung und gesunde Entwicklung werden in den ersten Lebensjahren gestellt.
    Es müssen bei uns andere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Es muss noch viel mehr und verstärkt an der guten Vereinbarkeit von Familie (Kinder) und Beruf gearbeitet werden.
    Generell würde ich heute jeder Frau zu einem Ehevertrag raten, der genau den Ausgleich für diese Zeiten regelt. Mündliche Vereinbarungen sind nichts wert und im Falle einer Scheidung will man sich meistens auch nicht mehr daran erinnern und/oder beruft sich auf die derzeitigen Gesetze. („Ich zahle nur das, was ich gesetzlich muss!“).
    Auch rate ich dazu, sich immer ein eigenes Sparbuch (Notreserve) anzulegen bzw. nicht sein gesamtes Vermögen in den ehelichen Topf (auch nicht bei der Anschaffung einer Immobilie etc.) zu werfen. Neben der mangelnden Kommunikation zwischen den Partnern sind Geld und Sex die Hauptthemen, warum Paare eine Beratung aufsuchen.
    Auch haben viele Paare/Familien kein Testament. Sollte dann dem Haupternährer und eventl. Allein-Kontoinhaber etwas passieren, wird das Konto erst einmal gesperrt. Und die Öffnung kann sich hinziehen. Auch hier habe ich schon viele Dramen miterlebt.

    Generell gibt es keine Sicherheiten. Die Ehe hat schon seit längerer Zeit ausgesorgt. So wie der Mensch für sein körperliches und psychisches Wohlbefinden allein verantwortlich ist, ist er oder sie es auch für das finanzielle.
    Was daraus in Zukunft resultieren wird, unterliegt nur Spekulationen. Wir werden es erleben.
    Herzliche Grüße – Gina Haschke

  7. Angela 3 Monaten ago
    Antworten

    Hallo Natascha,

    oh Mann ja, ich kann dir so was von Zustimmen! Ich erlebe es jeden Tag, wie finanziell abhängig viel Frauen sind. Häufig ist das eigene Einkommen durch Mutterschaft und Erziehungszeiten eher eine nettes Taschengeld. In vielen Familien mit dem Mann als Hauptverdiener, mutieren diese Frauen zu Lakaien, die sich nur noch um Haus und Hof zu kümmern haben. Das Recht auf Weiterbildung: Fehlanzeige – kein Geld da. Der Wunsch die gemeinsamen Finanzen auf gesündere Beine zustellen: nieder geschmettert – mit Totschlagargumenten wie diesem „willst du etwa auf den jährlichen Urlaub verzichten?“ Ein kleineres Auto? Kommt nich in Frage, das entspricht doch nicht unserem Status…Eine Berufsunfähigkeitsversicherung um die Leistungen als Mutter und Hausfrau abzudecken? Brauchst du doch nicht…..

    Ich könnte noch unzählige solcher Beispiele nennen. Leider. Was mir auffällt: je länger diese Abhängigkeit dauert, desto schwieriger der Ausstieg! Dabei sollte frau meinen, dass das der Druck entsprechend hoch ist und rasches Handeln notwendig.

    Aber die Frauen stumpfen ab. Das Selbstbewusstsein leidet, weil sie nicht „durchkommen“ mit ihren Wünschen und Nöten. Ihrem Bedürfnis, sich aus der Misere zu befreien.

    Der Fehler liegt darin: dass sie versuchen die Männer für das Problem verantwortlich zu machen. Die wehren sich natürlich mit Händen und Füßen gegen diesen Vorwurf. Damit nötigen Sie die Frau selbst für sich Verantwortung zu übernehmen, wie du auch schriebst.

    Ich kann allen Frauen nur raten: FANGT AN! Und wenn es nur kleine Dinge sind wie etwa ein eigenes Konto oder den Handyvertrag wieder zurück auf den eigenen Namen zu holen. Wenn ihr das schafft, dann schafft ihr auch die größeren Dinge!

    Viel Erfolg dabei! Angela

  8. Ex-Studentin 3 Monaten ago
    Antworten

    Ein wichtiger Artikel. Mit der Abhängigkeit ist keinem geholfen. Einer muss um Geld bitten, der andere fühlt sich vielleicht irgendwann ausgenutzt. Trennt man sich oder wird der Hauptverdiener krank, steht man vor einem Scherbenhaufen.

    Dass du die prozentuale Aufteilung der gemeinsamen Kosten empfiehlst, ist interessant. Eigentlich bin ich ein Fan von 50:50, weil man Miete / Essen auch beim Alleinewohnen zahlen müsste und durch das gemeinsame Wohnen immerhin beide Einsparungen haben. Wenn einer mehr zahlt, entsteht wieder eine gewisse Abhängigkeit.

    Bei uns ist es nun so, dass wir die Miete prozentual aufteilen und alles andere 50:50.

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