Grundwissen Börse

6 Dinge, die du über die Börse wissen musst

Wer ist überhaupt diese Börse und was hat sie mit unserer Wirtschaft zu tun?

Die Börse ist die Institution, an der Finanzprodukte gehandelt werden. Quasi wie der Fischmarkt in Hamburg, nur mit Finanzprodukten anstatt Fisch. Früher musste man tatsächlich noch zur Börse gehen um mit Aktien, Anleihen etc. zu handeln, heute geht das natürlich alles online. Über einen Broker (wie bspw. comdirect) kannst du „an der Börse“ aktiv sein, kaufen und verkaufen, ohne einmal dort gewesen zu sein. Die bekanntesten Börsen sind wahrscheinlich die Wall Street in New York, die Börsen in Frankfurt und Hongkong sowie die London Stock Exchange. 

Die Börse ist, laut dem großartigen Kostonaly, der Motor des Kapitalismus und der Wirtschaft. Die Wirtschaft, vornehmlich die Unternehmen, benötigen Kapital um wachstumsfördernde Investitionen tätigen zu können. Die Sparer haben dieses Geld auf ihren Konten rumliegen, wohl wissend, dass es sich dort tendenziell eher vermindert als vermehrt. Nun sagen die Unternehmen: „Wenn du mir dein gespartes Geld zur Verfügung stellst, indem du einen Anteil an meinem Unternehmen kaufst, beteilige ich dich an der Entwicklung, die wir dadurch erreichen!“. Die Sparer finanzieren also die Expansion von Unternehmen und werden dafür in Form von Dividenden vergütet. Die Unternehmen können somit mehr Waren produzieren und verkaufen, Arbeitsplätze schaffen, bessere Löhne zahlen und, und, und. Ohne die Börse könnte unsere Wirtschaft also nicht in dem Maße wachsen, wie sie es tut. Denn die einzige andere Alternative für Unternehmen wäre sich Geld bei Banken zu leihen. Diese Kredite sind aber natürlich nicht so leicht und schnell zu bekommen. Daher ist die Börse der Motor unserer Wirtschaft.

Wer tummelt sich an der Börse?

In Kostolanys „Börsenzoo“ gibt es grundsätzlich drei Typen von Akteuren: Spieler, Spekulant und Anleger.

Spieler:

  • hat eher kurzfristigen Erfolg
  • versucht kleinste Kursbewegungen zu nutzen: kauft bei 100 und verkauft bei 102 wieder
  • geht sofort Pleite, wenn Kurse stagnieren oder abwärts gehen
  • agiert ohne Überlegungen und Strategie
  • spielt eigentlich Roulette

Anleger:

  • ist der Marathonläufer der Börse
  • kauft strategisch und wohl überlegt und hält die Aktien über Jahrzehnte
  • Ziel: Altersvorsorge
  • lässt sich nicht verrückt machen, sitzt Einbrüche aus
  • investiert hauptsächlich in ETFs
  • wird nicht schnell Millionär, aber kann langfristig zu großem Vermögen kommen

Spekulanten:

  • Strategen auf lange Sicht
  • zwischen Spieler & Anleger
  • interessiert an Nachrichten, reagiert aber nicht direkt auf jede
  • „die Spekulation ist eine gefährliche Seefahrt zwischen Vermögen & Pleite“
  • „ein richtiger Spekulant ist nur, wer sich mindestens zwei mal an der Börse so richtig ruiniert hat“

Letztendlich haben alle Rollen ihre Berechtigung. Wichtig ist nur, dass man weiß, wann man spielt, anlegt oder spekuliert. Gefährlich wird es, wenn du etwas für deine Altersvorsorge tun willst, dich aber in Wahrheit aber am Roulette-Tisch befindest.

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Was bestimmt die Börsenkurse?

Du kennst bestimmt den Bullen und den Bären – der Bulle steht für steigende Kurse, der Bär für fallende. Aber was bestimmt die Börsenkurse? Egal, was die Experten interpretieren, die Kurse an der Börse werden durch eine einzige Sache bestimmt: Angebot und Nachfrage. Ein Kurs ist schwach weil das Angebot dieser Aktie größer als die Nachfrage ist, er ist fest weil die Nachfrage höher als das Angebot ist und er ist unverändert weil Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind. Ein Unternehmen kann noch so gute Gewinne erzielen, die Aktie steigt erst, wenn die Nachfrage nach ihr höher als ihr Angebot ist. Sprich, es kommt darauf an, ob es für die Verkäufer wichtiger und dringender ist, ihre Papiere loszuwerden, als für die Käufer, mit ihrem Geld Werte zu erwerben. Beispiel VW: Die Aktie ist nicht eingebrochen, weil das Unternehmen Verluste einfährt, die Zahlen sind ja gut. Aber der Abgasskandal hat dafür gesorgt, dass Anleger, die diese Aktie in ihrem Depot haben, erwarten, dass dieser Skandal große wirtschaftliche Folgen für den Konzern haben wird. Sie wollen also ihre Aktien so schnell wie möglich loswerden – unter der Erwartung der Kurs würde weiter fallen. Nun, damit ein anderer in diesen Zeiten und unter diesen Voraussetzungen eine VW-Aktie kauft, muss sie schon recht günstig sein um in dieser Situation ein attraktives Investment zu sein. Für die Verkäufer ist es also in dieser Situation wichtiger und dringender, ihre Papiere loszuwerden, als für die Käufer sie zu erwerben. Die Kurse fallen. Diesen Punkt aus der Kategorie „Grundwissen Börse“ haben die meisten Anleger leider schon nicht verstanden – du bist also schon jetzt schlauer!

Du hast bestimmt schon bemerkt, dass in diesem Abschnitt oft von Erwartungen die Rede war. Erwartungen sind für die Kurse an der Börse essentiell. Denn es geht nicht darum, wie gut die Zahlen eines Unternehmens sind, sondern wie gut sie erwartet wurden. Ein tolles Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist GoPro. Das Unternehmen konnte seinen Gewinn (!) im dritten Quartal 2015 um 30% (!) auf 18,8 (!) Mio Dollar steigern. Nach Bekanntgabe dieser Zahlen brach die Aktie um ganze 13% (!) ein. Warum das? Weil Anleger noch mehr erwartet haben. Ganz einfach.

Wenn wir ganz auf die Makroebene rauszoomen, können wir zwei weitere Faktoren sehen, die die Kurse an der Börse maßgeblich beeinflussen: Geld und Psychologie. Kostonaly sagt „Geld ist das Lebenselixier des Aktienmarktes“. Wenn Anleger kein Geld haben, KÖNNEN sie nicht investieren. Und wenn die Stimmung schlecht ist (Angst, Pessimismus, kein Vertrauen in Politik und Wirtschaft), WOLLEN sie nicht investieren – Psychologie. Wenn beide Faktoren positiv sind, also Geld vorhanden und die Stimmung gut ist, werden die Kurse steigen. Obwohl hier von zwei Faktoren die Rede ist, steht das Geld über der Psychologie. Denn, wenn der Faktor Geld positiv ist, wird auch der Faktor Psychologie irgendwann positiv: Erste Anleger trauen sich und sorgen für kleine Kurssteigerungen, weitere Anleger folgen, die Kurse steigen weiter, die Stimmung wird gut.

Halbzeit, noch 3 weitere, super wichtige und interessante Punkte folgen bis dein Grundwissen Börse perfekt ist!

 

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Was ist Inflation und ist sie gut oder schlecht?

Als Inflation bezeichnet man einen Zustand bzw. Prozess, in dem das Geld an Wert, also Kaufkraft verliert und das Preisniveau steigt. Du kannst dir also für einen Euro weniger Waren kaufen. Während der Hyperinflation 1923 war die Geldentwertung so extrem, dass das Porto für einen Brief 10 Milliarden Mark gekostet hat. Es gab 100-Billionen-Mark Scheine!

100 Billionen Mark 1924-02-15“ von Deutsche Reichsbank

100 Billionen Mark 1924-02-15“ von Deutsche Reichsbank

So extrem geht es natürlich aktuell bei uns nicht zu. Dennoch kann eine zu hohe Inflationsrate auch für unsere Wirtschaft fatale Folgen haben. Denn durch eine hohe Inflation kann es zu einer Lohn-Preis-Spirale und somit einer tiefen Rezension kommen. Das läuft dann ab, wie folgt:

  • es beginnt mit einer Hochkonjuktur –> es gibt zu viel Nachfrage nach Produkten und gleichzeitig zu wenig Angebot um die hohe Nachfrage bedienen zu können, die Hersteller kommen mit der Produktion nicht hinterher.
  • die Preise für Rohstoffe steigen (je knapper ein Gut, desto höher sein Preis), was die Produzenten an die Verbraucher weitergeben –> Erhöhung der Verbraucherpreise, Lebenshaltungskosten steigen
  • die Gewerkschaften fordern konsequent höhere Löhne –> mit den Löhnen steigen die Produktionskosten erneut, diesmal nicht wegen Rohstoffen sondern aufgrund der Kosten für die Mitarbeiter
  • diese zusätzlichen Kosten geben die Unternehmen erneut an die Verbraucher weiter, die Lebenshaltungskosten steigen also schon wieder und die Gewerkschaften fordern wieder höhere Löhne.

Für die Börse bedeutet dies, dass sich die Sparer in Sachwerte flüchten, also ihr Geld in Gegenstände investieren, die unabhängig von der Entwicklung des Geldwertes sind, beispielsweise Immobilien oder Kunstgegenstände. Dem Geldmarkt wird somit das Kapital entzogen, folglich fehlen der Wirtschaft die Mittel für Investitionen – der Motor der Wirtschaft gerät ins Stocken, es kommt zu Massenentlassungen und einer tiefen Krise.

Für uns „normale Menschen“ bedeutet Inflation, dass unser gespartes Geld quasi von alleine an Wert verliert. Wenn du dein gesamtes Gespartes auf einem Tagesgeldkonto liegen lässt, das dir jährlich Zinsen von 1% auszahlt und wir aber eine Inflationsrate von 3% haben, schmilzt dein Geld einfach so dahin. Die Zahlen bleiben gleich, aber der Wert der Zahlen verringert sich. Du brauchst also eine Anlagemöglichkeit, die dir mehr Zuwachs beschert als die Inflation auffrisst.

Wie kann man eine Krise verhindern? Das Stichwort lautet Zinspolitik. Und die betreiben die Notenbanken.

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Welche Rolle spielen Zinsen und die Notenbanken?

Die Notenbanken bestimmen den Zinssatz, also den Preis des Geldes, zu dem sich „normale“ Banken Geld von der Notenbank leihen können. Die Notenbank ist also eine Bank für die Banken. Die Banken geben diese Zinsen (plus die Marge, die sie erwirtschaften wollen) an ihre Kunden, also dich und mich, weiter. Sind die Zinsen gering, ist Geld also günstig zu leihen, steigt die Nachfrage nach Krediten und Konsumgütern. Genau so ist es heute bei uns ja auch: Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor, Kredite also ebenfalls, viele Leute nehmen einen Kredit auf – beispielsweise für den Erwerb einer Immobilie oder eines Autos. Die Menschen sparen ihr Geld also nicht sondern geben es aus und bescheren somit den Unternehmen gute Umsätze und Gewinne, die diese wiederum in Wachstum und neue Arbeitsplätze investieren können. Die beiden Faktoren Geld und Psychologie sind also positiv, die Sparer investieren an der Börse, die Wirtschaft wächst. Doch, wie wir oben schon gesehen haben, ist eine Hochkonjunktur, also ein Boom, Ausgangspunkt für eine tiefe Krise. Daher ist nicht nur das Ankurbeln der Wirtschaft sondern ebenso ihr Bremsen Aufgabe der Notenbanken. Das Bremsen funktioniert genau anders herum: Die Notenbanken heben die Zinsen an, das Geld wird teurer.

Was bedeutet das für dich als Anlegerin? Wenn die Zinsen fallen, muss man einsteigen und investieren, da ein wirtschaftlicher Aufschwung bevor steht. Das ist nicht meine Weisheit, sondern die eines Mannes, der es wissen muss: André Kostolany.

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Wer ist an der Börse erfolgreich?

An der Börse gibt es grob zwei Charaktertypen an Menschen: Die Zittrigen und die Hartgesottenen. Die Zittrigen sind immer nervös und anfällig für vermeintlich gute oder schlechte Nachrichten aus den Medien weil sie keine Ahnung und somit auch keine Strategie haben. Sie kaufen erst, wenn es richtig gut läuft und verkaufen sofort, wenn irgendein sogenannter Experte dazu rät. Die Hartgesottenen sind das genaue Gegenteil: Sie kaufen in der Krise und verkaufen im Boom – von und an die Zittrigen. Die Zittrigen zahlen also die Gewinne der Hartgesottenen. Du willst also zu den Hartgesottenen gehören! Wie geht das? Du brauchst eine Strategie, du musst Phantasie haben und an etwas glauben. Ich beispielsweise glaube fest daran, dass unsere Weltwirtschaft aufgrund des technologischen Fortschritts immer wachsen wird. Natürlich mit Höhen und Tiefen, aber durchschnittlich wird sie wachsen. Meine Strategie ist also sehr langfristig ausgelegt. Wenn nun morgen ein neuer Bankenskandal ausbricht, der die Weltwirtschaft in eine erneute Krise stürzt, interessiert mich das hinsichtlich meines Portfolios nicht. Denn ich plane auf die nächsten 30 anstatt die nächsten 3 Jahre. Jemand, der weder Ahnung noch Strategie hat, würde naturgemäß in Panik verfallen und spätestens übermorgen alles verkaufen. Blöd nur, dass er oder sie gekauft hat als die Preise am höchsten waren und nun verkauft, wenn sie niedrig sind. Für 10 Euro kaufen und für 1 Euro verkaufen ist… nun ja… nicht gerade ideal. Die Hartgesottenen freuen sich, wenn die Kurse runtergehen, denn dann können sie günstig nachkaufen – von den Zittrigen.

Für dich gilt also: Wissen aneignen (tust du ja bereits), eine Strategie erarbeiten (werden wir noch tun) und dann stillsitzen und durchziehen. Natürlich sind wir alle Menschen mit Emotionen, diese gilt es aber bei Geschäften an der Börse zuhause zu lassen, denn sie hindern dich daran rationale Entscheidungen zu treffen und machen dich so zu einer Zittrigen. Hier schließt sich der Kreis, denn Wissen und Strategie helfen dir dabei rationale Entscheidungen zu treffen. Du kannst auf dein Wissen und deine eigenen bewusst getroffenen Entscheidungen vertrauen anstatt auf Überschriften im „Finanzteil“ der BILD Zeitung. Ist das nicht jetzt schon ein tolles Gefühl?

Verdammte Axt! Du hast mal eben die Börse verstanden. DIE BÖRSE! Es wird Zeit, mit deinem unbändigen Wissen zu prahlen. Frag‘ doch mal deinen Arbeitskollegen, wie Aktienkurse entstehen und ob er die derzeitige Inflation eigentlich gut oder schlecht findet 😉

Grundwissen Börse completed! High 5.. äh… Daumen hoch!

 

Noch Fragen? Stell‘ sie in den Kommentaren oder in unserer Facebook-Gruppe!

Hier noch mal der Link zum Buch „Die Kunst über Geld nachzudenken“ von André Kostolany. Meiner Meinung nach gehört es zur Grundlektüre für alle, die sich für Wirtschaft und Börse interessieren und besonders mit letzterer Geld verdienen wollen.

Props fürs Titelbild gehen an: Bankenverband – Bundesverband deutscher Banken

Wichtiger Hinweis: Achte beim Kauf von Aktien und ETFs unbedingt auf die Kosten des Brokers. Hier findest du eine Übersicht, welcher Broker welche Gebühren verlangt: Die günstigsten Broker.

 

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