Karriere: Warum du wie ein Startup denken musst

Vor gut 5 Jahren habe ich das das Portal wg-suche.de gegründet. Anfang 2016 folgte Madame Moneypenny, die ebenfalls sehr bald zu einem Unternehmen wachsen soll und wird. Alle, die meinen Artikel über intelligente Risiken kennen, wissen, dass ich Unternehmertum für sicherer als eine feste Anstellung halte. Außerdem stehen die Chancen so deutlich besser viel Geld zu verdienen. Dennoch verstehe ich sehr gut, wenn sich jemand für eine feste Anstellung entscheidet. Nicht jede sollte ein Unternehmen gründen. Aber: Jede sollte wie ein Startup denken. Warum und wie?

1. Es gibt keine sicheren Jobs (mehr)

Der berufliche Werdegang von meinem Papa sieht so aus: Schule. Ausbildung bei Firma X. Feste Stelle bei Firma X. Rente bei Firma X. Der gleiche Arbeitgeber, ein ganzes Arbeitsleben lang. Dass unsere Karrieren heute einen anderen Verlauf nehmen, brauche ich dir nicht zu erzählen. Die Kräfte dahinter: Globalisierung und Technology. Aufgrund der Digitalisierung wurden und werden ganze Berufsfelder ausgelöscht (oder holst du dein Geld bei einem netten Herrn am Bankschalter ab?). Wenn dein Beruf dem technologischen Wandel (noch) nicht vor die Flinte gesprungen ist, hat zumindest die Globalisierung dafür gesorgt, dass der Wettbewerb um deinen Job intensiver geworden ist. Wenn du nichts dieser beiden Kräfte spürst, bist du entweder betäubt oder du wirst sie in den nächsten Jahren umso heftiger zu spüren bekommen. Bspw. weil es deinen jetzigen Arbeitgeber schlicht und einfach nicht mehr geben wird.

In 10 bis 20 Jahren wird kein Beruf weiterhin so ausgeführt werden, wie wir es momentan tun. Wenn es ihn überhaupt noch gibt, werden die Ansprüche steigen und der Wettbewerb ebenfalls. Das nennt sich Wandel, Bewegung, Revolution. Du hast nun zwei Möglichkeiten: 1. Du krallst dich an deinem Stuhl fest, hältst dir die Augen zu damit dich niemand sieht und wartest was passiert – und wirst samt Stuhl entsorgt. Oder 2. Du setzt dich ans Steuer, schaltest in den nächsten Gang und nutzt diesen Wandel, indem du wie ein Startup denkst.

2. Unternehmerisches Denken hilft dir zu überleben

Denkweisen und Strategien, die Gründerinnen, Unternehmerinnen und Selbständige kontinuierlich an den Tag legen damit ihr Business überlebt, können auch jeder Festangestellten helfen, sich in Zeiten des Wandels zu positionieren. Was machen Unternehmerinnen genau?

  1. Sie gehen Unsicherheiten, Risiken und Wandel aktiv an.
  2. Sie hinterfragen kontinuierlich und kritisch ihre Assets, Werte und die Marktrealitäten.
  3. Sie erstellen flexible, iterative Pläne.
  4. Sie schaffen sich ein Netzwerk innerhalb ihrer Branche und darüber hinaus.
  5. Sie suchen und kreieren aktiv (um nicht zu sagen aggressiv) Chancen.
  6. Sie investieren viel Zeit und Geld in sich und ihr Business.
  7. Sie gehen intelligente Risiken ein.

Genau diese Strategien musst du dir zu eigen machen, um in der zukünftigen Arbeitswelt zu überleben. Nummer 1 ist die Voraussetzung für alles, was die Zukunft für dich bereit hält: Du musst dich auf den Wandel einlassen und Veränderungen aktiv angehen. Ansonsten entscheiden andere darüber, was mit dir passiert… Bis auf die zweite dürften alle dieser Strategien, nach ein wenig Denkarbeit, verständlich sein. Die Erläuterung folgt sofort.

3. Du brauchst einen Wettbewerbsvorteil

Noch einmal: Verabschiede dich von dem Gedanken, dass du in 10 Jahren für genau die gleiche Aktivität wie jetzt bezahlt werden wirst. I doubt it. Um zu überleben, brauchst du das, was alle Unternehmen benötigen: Einen Wettbewerbsvorteil. Warum wurde Zalando erfolgreich? Weil ihr Kundenservice um Längen besser war als alles, was es zu der Zeit auf dem Markt gab. Während die meisten Anbieter eine 30-Tage-Rückgabefrist hatten, bot Zalando (nach dem Vorbild des amerikanischen Zappos) ein 365-Tage-Rückgaberecht – ein klarer Wettbewerbsvorteil. Du bist kein Online-Shop, du verkaufst keine Klamotten. Du verkaufst etwas wertvolleres: Dich. Deine Brain-Power, deine Fähigkeiten, deine Energie. Und du tust dies in einem Umfeld massiven Wettbewerbs. 1 Millionen anderer Menschen (bald vielleicht sogar Maschinen) könnten deinen Job machen. Was macht dich so besonders?

Du hast nur eine Möglichkeit: Du musst besser sein als die Konkurrenz. Dafür müssen drei Puzzleteile zusammenkommen: Assets, Ziele und Werte, und Marktrealitäten.

    1. Assets: Deine Assets sind das, was du hast und kannst. Die Computer-Freaks Larry Page und Sergey Brin haben Google gegründet und nicht bspw. ein Immobilienunternehmen. Es gibt zwei Typen von Assets: Weich und hart. Weiche Assets sind Dinge wie Informationen und Erfahrungen, Netzwerk, Reputation, deine Stärken. Harte Assets sind bspw. Geld, Aktien, ein Laptop. Die harten Assets sind wichtig, denn sie beeinflussen deine Risikobereitschaft. Wenn deine grundlegenden wirtschaftlichen Bedürfnisse in trockenen Tüchern sind, spielen die soften Assets die Hauptrolle. Was zählt, sind Fähigkeiten, Kontakte und Erfahrung. Das Gute: Dein Asset-Mix ist nicht festgelegt. Du kannst (solltest, musst) ihn stärken, indem du in dich investierst. Wenn du also herausfindest, dass dir etwas fehlt, das dich wettbewerbsfähiger machen würde, nutze dies nicht als Ausrede. Sondern fange an dieses Asset zu erlangen!
    2. Ziele und Werte: Deine Ziele und Werte beinhalten deine tiefsten Wünsche, Ideen, Ziele sowie deine Vision von der Zukunft. Werde dir darüber bewusst, was dir wichtig ist, was dich antreibt. Autonomie? Geld? Macht? Integrität? Eine Mission fungiert für ein Startup wie ein Polarstern und ist daher entscheidend für den Vorteil gegenüber dem Wettbewerb. Googles Zweck der Existenz „organize the world’s information“ hat bspw. dabei geholfen die schlausten Entwickler an Bord zu holen. Deine Ziele und Werte sind aus einem Grund besonders wichtig: Wenn du etwas tust, das dir etwas bedeutet, bist du in der Lage härter und besser zu arbeiten.
    3. Marktrealitäten: Du weißt jetzt, was du kannst und für was du brennst. Leider reicht das noch lange nicht aus. Denn nur, wenn es einen Markt für deine Assets sowie Ziele und Werte gibt wirst du bezahlt werden. Denn: ‚Markets that don’t exist, don’t care how smart you are‚, sagt Marc Andreessen, einer der größten VCs im Silicon Valley.  ‚Der Markt‘ ist keine abstrakte Vorstellung, sondern sehr real. Der Markt besteht aus Menschen, die Entscheidungen fällen, die dich betreffen und dessen Bedürfnisse du erfüllen musst. Wie in jedem Business! Nur, dass die Menschen von dir keine Schuhe kaufen sondern deine Zeit. Dein Arbeitgeber kauft dich. Also: Welcher ist dein Markt (gibt es überhaupt einen) und wie kannst du dich darin positionieren? Wer ist die Konkurrenz und was können die gut? Wie kannst du es besser machen?

Erst, wenn alle drei Puzzle-Teile zusammenwirken, hast du einen Wettbewerbsvorteil. Gute Skills und viel Bock, aber keine Nachfrage nach deinen Assets? Keiner wird dich bezahlen. Andersrum: Nur weil Krankenschwestern gesucht werden (Markt), heißt das nicht, dass du nun Krankenschwester werden sollst. Wenn dir die Assets fehlen, eignest du sie dir an – oder du suchst dir eine Nische. Beispiel: Basketballspieler, die für die amerikanische Liga zu schlecht sind, kommen nach Europa. Hier gehören sie zu den Besten.

Fazit

Unsere Welt verändert sich. Schnell und heftig. Um nicht unterzugehen, musst du Teil dieses Wandels werden. Du musst die Veränderungen aktiv annehmen, mitgestalten und dich anpassen. Dies kann gelingen, indem du wie ein Startup denkst und handelst. Halte die Augen offen, reflektiere, was um dich herum geschieht und positioniere dich aktiv samt Wettbewerbsvorteil. Veränderung ist etwas Gutes. Sie bringt Energie, Bewegung, Innovationen, Chancen und Möglichkeiten. Nutze sie.

In unserem Seminar erzähle ich übrigens einiges zu meinen eigenen Unternehmungen, wie ich Ideen generiere, Konzepte erstelle und umsetze. Es gibt jede Menge Raum für Fragen zu diesem Thema. Mehr zum Seminar.

 

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