Passives Einkommen

Passives Einkommen – Wer, wie, wann?

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Eva Abert, die einen sehr informativen Online-Kongress zum Thema ‚passives Einkommen‘ ins Leben gerufen hat (bei dem ich als Interviewgast dabei sein durfte), und Vincent von freakyfinance.net haben zu einer Blogparade zum Thema ‚passives Einkommen‘ aufgerufen. Da lass‘ ich mich doch nicht lange bitten.

Tatsächlich ist es mir recht schwer gefallen über passives Einkommen zu schreiben, da schon so viel zu dem Thema gesagt und geschrieben wurde. Manche sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es kein passives Einkommen gibt. Ich bin da anderer Meinung. Natürlich gibt es passives Einkommen. Denn passives Einkommen heißt nicht Geld zu bekommen ohne je etwas dafür getan zu haben. Es geht ja nicht um Geschenke. Sondern darum ein Einkommen zu beziehen, für das man aktuell nicht arbeiten muss. Es heißt ja nicht ‚passives Unternehmertum‘ oder ‚passiver Kapitalaufbau‘ sondern eben passives Einkommen. Und das ist natürlich möglich. Einkommen aus Aktien ist ein Einkommen, für das ich aktuell nichts tun muss. Eine Rente eben. Die ist doch durchaus passiv, oder nicht?! Das ist ja der Sinn hinter einer Rente – egal, welcher Art.

Was ist passives Einkommen und wer kann es erreichen?

Ein passives Einkommen zu erhalten, bedeutet, Geld zu verdienen, während Zeiteinsatz und Ertrag voneinander entkoppelt sind. Du musst also nicht aktiv arbeiten, um aus deinem Zeiteinsatz einen direkten Verdienst zu erhalten. Zudem ist ein passives Einkommen skalierbar.

Um zu verstehen, wer passives Einkommen (wie) erreichen kann, schauen wir uns zunächst die 4 Beschäftigungsarten an und schauen, ob und wie diese passives Einkommen erzielen können.

1. Die Angestellte

Die Angestellte tauscht ganz klassisch ihre Zeit gegen Geld. Sie ist an einem bestimmten Ort anwesend (Büro, Baustelle, Krankenhaus etc.) und verbringt dort eine gewisse Anzahl an Stunden mit einer bestimmten Tätigkeit. Dafür wird sie bezahlt – bspw. pro Monat. Zeiteinsatz und Ertrag sind verbunden, skalierbar ist das Einkommen nicht. Denn das Jahr hat nur 12 Monate für die die Angestellte bezahlt werden kann.

2. Die Selbständige

Auch die Selbständige tauscht ihre Zeit gegen Geld. Beispiel: Anna. Anna ist Masseurin und wird pro Stunde bezahlt. Sie hat eine Präsenzpflicht, da sie nur Geld verdient, wenn sie irgendwo (vermutlich in ihrem Massage-Studio) anwesend ist und dort vor Ort Kunden bedient. Wenn sie nicht dort ist und massiert, bekommt sie kein Geld. Zeiteinsatz und Verdienst sind also bei Anna eng miteinander verkoppelt. Der Nachteil liegt darin, dass Anna ihre (begrenzte) Zeit verkauft: Der Tag hat nur 24 Stunden. Ihr maximal möglicher Verdienst beträgt folglich Stundenlohn mal 24. Wenn Anna 1.000 Mal mehr Geld verdienen möchte, muss sie 1.000 Mal mehr Stunden arbeiten. Kurz: Anna verkauft ihre begrenzte Zeit.

3. Die Unternehmerin

Lisa dagegen ist Unternehmerin. Sie ist ebenfalls gelernte Masseurin. Nur verdient sie ihr Geld mit einem Ebook, das sie online verkauft. Sie verdient Geld ohne an einem bestimmten Ort (Studio oder beim Kunden) anwesend sein zu müssen. Egal, ob sie sich in Berlin oder auf Bali aufhält, ihr Einkommen wird davon nicht beeinflusst. Das funktioniert weil sie ein System geschaffen hat. Ihr Ebook ist stets verfügbar. Jeder kann es sich zu jeder Zeit herunterladen, egal, wo Lisa ist oder was sie gerade macht. Lisas Modell ist außerdem skalierbar. Denn es kostet sie nicht mehr Zeit oder Geld, ihr Ebook für 1.000 Menschen anstatt für 10 Menschen zur Verfügung zu stellen. Ob das Buch 10 Mal oder 1.000 Mal gekauft wird, hat keinen Einfluss auf Lisas Arbeitseinsatz. Sie hat einmal Zeit in die Erstellung des Ebooks investiert und verdient nun Geld an jedem Download. Ihr Einkommen und ihr Zeiteinsatz sind entkoppelt. Das ist ein unabhängiges und skalierbares Einkommen. Kurz: Lisa verkauft unbegrenzte Produkte.

4. Die Investorin

Auch die Investorin macht sich Systeme zu nutze. Sie nutzt Vermögenswerte, wie bspw. Immobilien oder Aktien, um ihr Geld zu vermehren. Sie bezieht ein Einkommen über Miete oder Auszahlungen aus ihren Aktieninvestments an der Börse. Genau wie die Unternehmerin muss die Investorin nicht an einem bestimmten Ort sein und bestimmte Dinge verrichten, um Einkommen zu erhalten. Um Miete zu erhalten, muss sie ja nicht im Büro sein. Die Mieter überweisen sie ihr regelmäßig. Um alle Unregelmäßigkeiten kümmert sich die Hausverwaltung. Gleiches mit Aktien: Die Ausschüttungen kommen auch an, wenn ich auf Bali im Meer plantsche.

Wie ‚passiv‘ ist dieses Einkommen wirklich?

Natürlich fällt Lisas Ebook nicht vom Himmel. Ein funktionierendes System aufzubauen ist viel Arbeit, erfordert enormen initialen Zeitaufwand. Lisa hat die Wochenenden durchgeackert, während Anna ihre Freizeit genossen hat. Lisa hat einige Euro in ihre Verkaufswebsite, Equipment und Grafiken investiert, während Anna bei ihrem Lieblingsitaliener geschlemmt hat. Und vor allem: Lisa hat sehr viel unbezahlte Arbeit in Recherche, Konzeption und Erstellung des Ebooks gesteckt während Anna in dieser Periode fleißig bares Geld verdient hat. Lisa ist folglich ein ziemliches Risiko eingegangen. Denn ob ihr Ebook Anklang finden und sie damit tatsächlich Geld verdienen würde, konnte sie ja vorab nicht wissen. Nach der Fertigstellung geht es weiter. Das Produkt muss vermarktet werden. Und auch das kostet wieder Zeit und Geld.

Auch Investitionen in Aktien oder Immobilien benötigen einen initialen Aufwand. Recherche, Einlesen, Abwägen, Entscheidungen treffen etc. kosten Zeit. Wenn dieser Zeitaufwand jedoch einmal getätigt ist und man passives Investieren betreibt, läuft alles, wie von alleine.

Passives Einkommen: Zwei Strategien

1. Direktes Kassieren

Lisas Ziel ist es, jetzt von den Ebook-Verkäufen leben zu können ohne dafür arbeiten zu müssen. Sie möchte die Gewinne direkt abschöpfen und für die Bestreitung ihres Lebensunterhaltes verwenden. Diese Strategie habe ich mal die Strategie des direkten Kassierens genannt. Um das realisieren zu können, lagert Lisa alle operativen Tätigkeiten aus. Sie hat das System erschaffen, die Dampflock angestoßen, alles in die Wege geleitet und engagiert nun jemanden, der das Daily Business macht. Anstatt selbst auf Facebook und Instagram zu posten, technische Bugs zu beheben und Kundenfragen zu beantworten, bezahlt sie jemanden, der alle operativen Aufgaben für sie übernimmt während sie ihre Zeit mit wichtigeren Dinge, zum Beispiel ihren Kindern, verbringt.

Die Frage ist jedoch, wie lange die Strategie des direkten Kassierens funktioniert. Denn Märkte ändern sich stetig. Ob und wie Menschen zukünftig Bücher lesen, weiß man nicht. Auch, ob sich Lisas Thema in ein paar Jahren noch verkaufen lässt, ist ungewiss. Früher oder später müsste Lisa also aktiv werden, um relevant zu bleiben oder ihr kleines Business würde ggf. nicht all zu lange überleben.

2. Erst wachsen, dann (richtig) kassieren

Eine zweite Strategie, die mir eingefallen ist und die ich selbst auch verfolge, habe ich ‚erst wachsen, dann (richtig) kassieren‘ getauft. Sie funktioniert recht einfach: Durch skalierbares Unternehmertum und stetiges Wachstum so viel Geld verdienen, dass man später (aber eher in 10 anstatt 40 Jahren) nur noch Investorin ist. Heißt: Anstatt die Umsätze von monatlichen 5.000 Euro sofort abzuschöpfen, um von ihnen zu leben, könnte Lisa das Geld in ihre Business reinvestieren, um bald monatlich 50.ooo Euro umzusetzen. Das Unternehmen wächst dadurch und wird zukünftig richtig große Gewinne abwerfen. Und zwar so große Gewinne, dass diese als Investition am Kapital- oder Immobilienmarkt ein passives Einkommen erzeugen.

Beide Strategien haben Vor- und Nachteile: ‚Direktes Kassieren‘ ermöglicht es einem frühzeitig seine Zeit so einzuteilen, wie man möchte. Dies ist mit Sicherheit bspw. für Eltern kleiner Kinder sehr erstrebenswert. Der Nachteil ist die Ungewissheit, wie lange der passive Einkommensstrom in Zeiten ständiger Veränderungen, Innovationen und Trends funktionieren wird. ‚Erst wachsen, dann (richtig) kassieren‘ hat den Nachteil, dass bis zum Übergang zur reinen Investorin viel Aufwand notwendig ist. Diese Phase ist also alles andere als passiv. Auch hier gibt es die Ungewissheit, ob der Plan von den großen Gewinnen aufgeht. Der Vorteil: Wenn das erforderliche Kapital erst einmal vorhanden ist, die Immobilien und ETFs gekauft sind, kann man sich entspannt zurücklehnen und braucht im Idealfall nur ein paar Mal im Jahr tätig werden.

Fazit

Wenn dein Ziel ein passives Einkommen ist, bist du als Angestellte oder Selbständige auf dem falschen Schiff. Dann musst du aktiv (!) daran arbeiten entweder Unternehmerin oder Investorin zu werden. Natürlich ist auch ein direkter Übergang von der Angestellten oder Selbständigen zur Investorin möglich: Wenn du viel sparst und investierst. So viel und lange bis genug Kapital vorhanden ist, um dein Leben komplett durch die Erträge deiner Investitionen zu finanzieren. Wie das mit Aktien funktioniert, erfährst du in diesem Artikel.

Für welchen Weg du dich auch entscheidest: Es ist viel Arbeit. Wie anfangs gesagt, reden wir hier nicht über Geschenke. Es erfordert Mut, Initiative und Durchhaltevermögen, um das Ziel passives Einkommen zu erreichen. Schwierig ist das alles nicht, aber arbeitsintensiv. Und gerade am Anfang aktiver als alles Andere. Und lohnenswerter.

Foto: visualhunt.com

 

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5 Kommentare
  1. Anna Rehm 2 Monaten ago
    Antworten

    Danke für den sehr guten Beitrag. Ich fand auch die unterschiedlichen Beschäftigungsarten sehr erhellend!

  2. Investkinx 3 Monaten ago
    Antworten

    Hallo Natascha,

    aus meiner Sicht hättest du die 4 Beschäftigungsarten nicht aufzählen müssen für dieses Thema. Was passives Einkommen ist, hast du auch so gut beschrieben.

    Das Beispiel mit dem eBook passt nicht ganz zum Unternehmertum, ansonsten wären alle Schriftsteller Unternehmer und keine Selbstständigen bzw. Freiberufler. Der Unterschied ist doch, dass ein Unternehmer im Gegensatz zum Selbstständigen nicht im Unternehmen sondern am Unternehmen arbeitet und Systeme schafft. Daher meines Erachtens für dieses Thema nicht unbedingt notwendig.

    Viele Grüße
    Chris

  3. Götz 3 Monaten ago
    Antworten

    Hi Natascha,

    ich sehe es ganz genau so. Natürlich gibt es passives Einkommen. Passives Einkommen bedeutet ja nicht, dass der Rubel rollt ohne jemals etwas dafür getan zu haben, sondern das Einkünfte ab einem gewissen Zeitpunkt ohne eigenes Zutun generiert werden. Man muss sich halt vorher überlegen, inwieweit das gewählte Business (bzw. der Bereich in dem man Einkünfte erzielen möchte) Passivität erlaubt und welche Möglichkeiten es gibt, Dinge zu automatisieren.

    Da du mir das Thema für meinen Beitrag zur Blogparade jetzt „geklaut“ hast, muss ich mir wohl einen anderen Ansatz überlegen… 🙂

    LG Götz

    • Natascha 3 Monaten ago
      Antworten

      Hallo Götz,

      na da bin ich ja beruhigt, dass ich mit meiner Meinung nicht ganz alleine dastehe. Die bisherigen Blogparadenteilnehmer vertreten ja eher die Gegenseite. Automatisierung ist ein schönes Stichwort. In diesem Zusammenhang ist ja auch immer mal wieder von virtuellen Assistenten die Rede. Diese Form des Outsourcing muss ich noch ausprobieren.

      Oh je, das wollte ich natürlich nicht – sorry. Aber je mehr Beiträge zur Existenz des passiven Einkommens desto besser, oder? 😉

      Viele Grüße und noch einen schönen Sonntag!
      Natascha

      • Götz 3 Monaten ago
        Antworten

        Kein Problem, du warst halt schneller. 🙂
        Dann beacker ich das Thema eben etwas anders. Wär doch gelacht, wenn sich da nicht finden ließe.

        LG und ein schönes Restwochenende!
        Götz

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