Was ist Crowdfunding?

Crowdfunding – was ist das eigentlich?

Vielleicht geht es dir wie mir: Den Begriff „Crowfunding“ schon mal irgendwo aufgeschnappt, aber nicht wirklich den Durchblick, was sich dahinter verbirgt. Gut, dass es Anne-Katrin von  crowdfunding-anleger.de gibt! Sie ist nämlich Expertin auf diesem Gebiet und hat sich die Zeit genommen Licht ins Dunkel zu bringen. Sie gibt uns Antworten auf die Fragen: Was ist Crowdfunding? Wo liegen die Chancen und Risiken dieser Anlageform? Worauf muss ich achten? Und sie erklärt, warum Crowdfunding eine sinnstiftende Anlageform ist.

Warum du überlegen könntest, in Crowdfunding-Projekte zu investieren.

Wir alle wissen es: Zinsen sind derzeit leider kaum zu holen. Ist man schon gut mit Aktien oder ETFs versorgt, sieht man sich daher hier und da nach Alternativen um. Dass Crowdfunding auch als Anlagemöglichkeit genutzt werden kann, wird immer öfter in den Medien gespielt. Aber ist das überhaupt etwas für mich? Wie kann ich Risiko und Renditechance grob gegeneinander stellen und wie bekomme ich ein Gefühl für den Markt? Anne-Katrin Maier von Crowdfunding-Anleger.de gibt dir den Überblick. 

Wenn du dich erstmals mit dem Thema Crowdfunding als Anlagemöglichkeit befasst, ist es sehr wahrscheinlich, dass du eine Begriffsverwirrung erleidest. Crowdfunding, Crowdlending und Crowdinvesting werden gern in einem Atemzug genannt und auch kräftig miteinander vermischt. Eine Aura hippen Startup-Dufts umgibt die Begriffe und du fragst dich, ob das nicht eine Spur zu lässig ist. Denn hipp bedeutet nicht immer seriös und hier geht es schließlich um’s Geld, nicht um Muffins! Keine Angst – so ging’s uns allen mal und wenn du dies gelesen hast, hast du schon einen Wissensvorsprung gegenüber den meisten Menschen und kannst dir selbst überlegen, ob du investierst. Fangen wir an:

Crowdfunding ist der Oberbegriff, -investing und -lending sind seine anlageorientierten Disziplinen.

Es ist ganz einfach: Crowdfunding ist der Oberbegriff. Das Wort setzt sich zusammen aus Crowd und Funding, die Allgemeinheit (Crowd) stattet also jemanden oder etwas mit Geld aus (Funding). Ist das neu? Nein, wenn ich mir die Kirche so ansehe, eher nicht. Sie finanziert sich schon ziemlich lange über Crowdfunding. Ist das hip? Momentan ja, es machen quasi wöchentlich neue Plattformen auf.

Nun hat das Crowdfunding mehrere Disziplinen, in denen die Crowd unterschiedliche Gegenleistungen für ihr finanzielles Engagement bekommt. Das kann die altruistische Sinnstiftung sein, wie zum Beispiel bei Spenden, das können Dankeschöns, Produkte oder Dienstleistungen sein oder eben Geld: Zinsen und Beteiligung. Und schon sind wir bei Crowdinvesting und Crowdlending, den anlageorientierten Disziplinen des Crowdfundings.

Crowdinvesting: Hier tummeln sich (auch) die hippen Startups.

Mit Crowdinvesting werden alle Beteiligungsformen bezeichnet, bei der die Crowd ein Nachrangdarlehen vergibt. Die Crowd leiht also einem Unternehmen Geld und stellt sich in der Rangfolge der Gläubiger hinter alle anderen Gläubiger. Das ist wichtig zu wissen, denn geht die Investition schief und das Unternehmen wird liquidiert, greift die Crowd erst nach allen anderen Gläubigern in den dann wohl leeren Reste-Topf. Dabei gibt es zusätzlich noch den qualifizierten Nachrang, bei dem sich die Crowd auf die gleiche Rangfolge wie die Eigenkapitalgeber stellt, das ist dann noch eine Stufe später und noch ein bisschen riskanter.

Der Nachrang ist natürlich ein ziemlich hohes Risiko. Schließlich geben wir einem Unternehmen unser Geld und bekommen dafür keine Garantie, dass wir es je wiedersehen. Also muss das Unternehmen uns fürstlich bezahlen, in Form von guten Zinsen oder guter Beteiligung. Gute Zinsen zu bekommen ist dabei gar nicht mal so schwer. Auf Crowdfunding-Anleger sind immer aktuelle Projekte in der Übersicht und man sieht: Gängig sind Zinsen zwischen 5% p.a. und 8% p.a. Ziehen wir noch die eventuellen Service-Gebühren der Plattformen ab, kommen wir ungefähr auf 4%-7% p.a. Ob diese Verzinsung hoch genug für das Risiko ist, muss jeder selbst entscheiden. Jüngst veröffentlichte Zahlen machen aber Mut, denn bei den bisher auf diese Weise finanzierten kleinen und mittleren Unternehmen sind lediglich 1,8% der Projekte ausgefallen. Bei den Immobilien-Projekten ist bisher sogar noch gar keins ausgefallen.

Schwieriger wird es schon bei den Startups und deren Form der Nachrangbeteiligung über partiarische Darlehen. Partiarisch bedeutet anteilsmäßig, wir werden für unsere Beteiligung also anteilsmäßig bezahlt. Meist läuft es so: Man bekommt eine niedrige Grundverzinsung (z.B. 1%) plus das partiarische Recht, im Jahr der Kündigung oder beim Exit beteiligt zu sein. Man hält also ein Recht auf einen später (meist in 5 bis 7 Jahren) erzielten Teil des Gewinns, Umsatzes oder Exiterlöses in den Händen. Wie hoch dieser anteilsmäßige Anspruch ist, bemisst sich an der Bewertung des Unternehmens zum Funding-Zeitpunkt und dem Geld, das man selbst einbringt.

Generell kann man sagen, dass beim Startup-Crowdinvesting das Ausfallrisiko ungemein hoch ist. Professionelle Anleger gehen davon aus, dass 7 bis 8 von 10 Startups scheitern, 2 bis 3 sich mit Ach und Krach durchhangeln und nur eins wirklich erfolgreich ist. Gleichzeitig besitzt aber dieses eine Startup das Potenzial, so richtig durch die Decke zu gehen. Hier sprechen wir von echter Vervielfachung des Geldeinsatzes, so könnte ein echter Volltreffer auch mal zu einer Rendite von 1500% und mehr führen. Deshalb setzen manche Anleger auf ein breit gestreutes Portfolio in dieser Anlageklasse, um an einem möglichen neuen facebook- oder twitter- oder oder uber-ähnlichen Unternehmen beteiligt zu sein. Hier findest du Erklärungen zu Chancen, Risiken und Renditefaktoren im Startup-Crowdinvesting.

Crowdlending – Zinsen für’s Geld ohne Nachrang.

Im Crowdlending verleiht die Crowd Geld gegen Zinsen, ohne dass ein Nachrang im Spiel ist. Manche nennen es auch Peer-to-Peer-Lending oder schlicht P2P Lending. Für die Plattformen wird gern das Wort Kreditmarktplatz genutzt.

Man kann auf diesen Kreditmarktplätzen Geld an Privatleute für privaten Konsum verleihen (Anmerkung Redaktion: siehe dazu den p2p Erfahrungsbericht von Marie-Luise und das Interview mit Lars) oder Firmen Kredit für ihr Wachstum oder eine schwierige Unternehmensphase leihen. Auf Crowdfunding-Anleger findest du eine Übersicht über Projekte und Plattformen. Die Renditechancen liegen dabei zwischen 0,22% und 16,61% Zinsen p.a.

Bei Privatkrediten solltest du eins beachten: Du weißt fast gar nichts über den Kreditnehmer. Dir wird zwar eine Bonitätsklasse genannt, die anzeigt, wie wahrscheinlich es ist, dass der Kreditnehmer zurückzahlt, aber diese Wahrscheinlichkeit gilt immer nur für die Gruppe von Menschen, denen dieser Kreditnehmer ähnelt. Ob diesem spezifischen Menschen gerade die Schürze brennt, kannst du nicht sagen. Du trägst also immer ein kreditnehmerspezifisches Risiko, das du bestenfalls grob erahnen kannst. Vorteilhaft sind hier also auf jeden Fall besicherte Kredite, bei denen der Kreditnehmer zum Beispiel sein Auto als Sicherheit anbietet.

Ein wenig sicherer sieht es hingegen bei Firmenkrediten aus. Hier ist die Chance groß, dass die Plattform zur Risikobewertung unternehmensspezifische Zahlen heranzieht. Sie sieht sich also zum Beispiel den Überschuldungsgrad oder den Cashflow der Firma an und bewertet daraufhin das Risiko. Du weißt also bei Firmenkrediten schon etwas mehr über die Firma.

Fazit: Nichts ist wichtiger, als breit zu streuen und den Ausfall einzukalkulieren.

Wie du schon gemerkt hast, schwingt das Thema Risiko bei allen Formen des anlageorientierten Crowdfundings erheblich mit. Es ist deutlich stärker ausgeprägt als bei anderen Anlageformen. Deshalb ist es wichtig, das Gesamtrisiko so klein wie möglich zu halten. Du hast bestimmt den Satz “Lege niemals alle Eier in einen Korb” schonmal gehört. Beim Crowdinvesting und beim Crowdlending gilt er ganz besonders. Stückele dein Portfolio so weit wie möglich auf und investiere über so viele Projekte wie möglich hinweg. Dann hast du Chancen, überdurchschnittliche Renditen einzufahren.

Wichtig ist allerdings, dass du auch immer mit dem Totalausfall rechnest. Deshalb mein persönlicher Tipp: Investiere immer nur so viel, wie du würdevoll verlieren könntest. Wäre es okay, 2.500 € zu verlieren, 3.000 € aber nicht? Dann investiere gut gestückelte 2.500 € ins Crowdinvesting und rechne mit dem Verlust. Dann tut es nicht so weh, wenn der Ausfall wirklich kommt.

Generell begeistern sich zurzeit so viele Leute für das Thema, weil es gute Renditechancen bietet. Ein weiterer Aspekt, gerade beim Startup-Crowdinvesting oder bei Umweltprojekten ist die Sinnstiftung, die diese Anlageform bietet. Es gibt vielen Menschen ein gutes Gefühl, jungen Firmen beim Aufbau zu helfen, oder Umweltprojekte zu unterstützen und dafür auch etwas zurückzubekommen. Die Mittel sind meist zweckgebunden und du kannst sicher sein, dass dein Geld eben nicht für Waffengeschäfte oder anderweitig schädliche Projekte eingesetzt wird – ein Gefühl, das du nicht bei jeder Geldanlage haben kannst. Und wenn dein Startup dann wirklich fliegt oder das Krankenhaus in Ghana seine Photovoltaik-Anlage in Betrieb nimmt, dann bist du schon ein wenig stolz auf dich. Bei welcher Geldanlage findest du das sonst?

Foto: Pexels

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