passiv investieren

Passiv investieren

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Welche Strategie passt zu dir?

Da du (immer noch) hier bist, gehe ich schwer davon aus, dass es dein Ziel ist, langfristige finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Diese Unabhängigkeit kann man gleichsetzen mit einer Rente: Du arbeitest nicht, bekommst aber aus verlässlicher Quelle so viel Geld, wie du zum Leben brauchst. Gleichzeitig möchtest du das Risiko eines Verlustes naturgemäß so niedrig wie möglich halten. Auch weißt du mittlerweile, dass Transaktionskosten, die bei jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren anfallen, deine Rendite enorm schmälern – denn dies ist Geld, dass du ausgibst, anstatt es anlegen und den Zinseszinseffekt für dich arbeiten lassen zu können. Zusätzlich hast du mittlerweile verstanden wie schwierig bis unmöglich es ist, den Markt zu schlagen, sprich besser zu performen als der Index. Dies alles deutet darauf hin, dass für dich (wie für mich auch) die sogenannte „passive“ Anlagestrategie also passiv investieren die richtige Strategie ist.

Was bedeutet „passiv investieren“?

Gerd Kommer, der King des passiven Investierens, definiert selbiges wie folgt:

Passiv investieren“ ist Investieren auf der Basis einer betont langfristig ausgerichteten, strengen und disziplinierten Buy-and-Hold-Philosophie für ein systematisch und global diversifiziertes Portfolio, das ausschließlich aus kostengünstigen Indexanlagen (Indexfonds, ETFs) besteht. Das Ziel, den Markt schlagen zu wollen, wird bei dieser Strategie nicht verfolgt. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass man mit dieser Strategie langfristig 80% bis 95% aller Privatanleger hinter sich lässt.“

Lass‘ uns das kurz rekapitulieren, denn es ist essenziell die Unterschiede zu verstehen damit du später in der Umsetzung weißt, was wir warum machen.

„Passiv investieren“ bedeutet in diesem Zusammenhang, auf aktive Anlagestrategien wie Wertpapier-Picking oder Market Timing, die geringe Erfolgsauchssichten und hohes Risiko beinhalten, ganz bewusst zu verzichten. Die aufgeführten Strategien „Wertpapier-Picking“ und „Market Timing“ sind Methoden für aktive Anleger, die besser sein wollen als der Markt. Beim Wertpapier-Picking geht es darum sich Einzelaktien rauszusuchen und diese zu kaufen, in der Annahme, dass sie eigentlich mehr wert sind als ihr aktueller Kaufpreis an der Börse. Du pickst dir also einzelne Aktien heraus. Ein Bespiel wäre, wenn du dich dafür entscheiden würdest Zalando oder VW-Aktien zu kaufen. Beim Market-Timing geht es darum die vermeintlich besten Einstiegs- und Ausstiegspunkte zu finden. Sprich, du kaufst die Zalando-Aktie heute für (fiktive) 30 Euro weil du erwartest, dass sie sehr bald sehr weit steigen wird. Der Kauf kostet 4,90 Euro. Nun klettert sie innerhalb eines Monats auf 35 Euro, das wäre ein Gewinn von satten 16%. Du bildest dir ein zu wissen, dass die Aktie auch im nächsten Monat zulegen wird und verkaufst daher nicht. Nun wird Oliver Samwer (CEO von Rocket Internet, dem Hauptinvestor von Zalando) morgen vom Bus überrollt. Die Aktie stürzt auf 5 Euro ab. Du bekommst Panik und verkaufst. Dieser Verkauf kostet dich wieder 4,90 Euro. Du hast also zu 30 Euro gekauft, zu 5 Euro verkauft und dafür noch 9,80 Euro ausgegeben. Macht einen satten Verlust von 34,80 Euro. Glückwunsch!

Das würde dir natürlich nicht passieren, denn du bist ja mittlerweile sehr gebildet was Börse und Aktien angeht und weißt, wie wichtig es ist, rational und mit Plan zu investieren, um das Risiko gering zu halten. Dennoch: Die meisten privaten Anleger praktizieren tatsächlich solch eine aktive Strategie. Und die sind dann auch diejenigen, die beim Pokerabend auf die Börse schimpfen und Aktien als hochspekulative Erfindung des Teufels bezeichnen. Sie sind Spieler und zwar ohne zu wissen, dass sie sich gerade am Roulette-Tisch befinden. Du bist aber keine Spielerin ohne Überlegungen, Strategie und Wissen – du bist Anlegerin.

Also zurück zu der passiven Strategie. Das Gegenteil zu kurzfristiger Spekulation ist die sogenannte Buy-and-Hold-Philosophie. Wie der Name schon sagt: Kaufen und Halten. Und zwar nicht über 2 oder 7 sondern besser 10 oder gar 50 Jahre. Je länger desto besser, denn es ist wissenschaftlich bewiesen, dass je länger man ein Wertpapier hält, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es seine erwartete Rendite erreicht. Was auch Sinn ergibt: Wenn du eine Aktie nur zwei Wochen hast, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sie in genau den zwei Wochen eine gute Rendite abwirft. Dann müsstest du schon einen echten Glücksgriff landen und das gelingt ziemlich selten. Wenn du eine Aktie aber über 20 Jahre hältst, ist die Wahrscheinlichkeit schon recht hoch, dass sie in dieser langen Zeit die erwartete Performance hinlegt – denke an die Regression zum Mittelwert!

Wenn Kommer von „systematisch und breit diversifiziert“ spricht, meint er, dass der gesamte globale Aktienmarkt einschließlich Schwellenländern berücksichtigt wird. Über den Begriff der Diversifikation wirst du auf diesem Blog schon das ein oder andere Mal gestolpert sein (falls nicht, solltest du schleunigst diese Artikel lesen: Warum in Aktien investierenGrundwissen Aktien & Anfängerfehler ). Sie ist DAS Mittel zur Risikominimierung. Alle Eier in einen Korb zu legen ist äußerst fatal. Daher beinhaltet das passive Investieren maximale Diversifikation: global nach Regionen, nach Größe der Unternehmen und Art der Asset-Klasse. Es befinden sich also nicht nur Unternehmensaktien im Portfolio sondern eben auch die Asset-Klassen Rohstoffe, Staatsanleihen und Immobilien.

Ehrlich gesagt, befinden sich in einem Portfolio, dessen Anleger passives Investieren praktizieren gar keine Einzelwertaktien. Was dann? ETFs! Und mit genau denen werden wir uns jetzt ausführlichst beschäftigen. Das wird gut! Du bist gut! Wir sind gut!

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