P2P-Kredite – meine Bilanz nach einem Jahr

Vor circa einem Jahr habe ich 200 Euro in P2P-Kredite investiert. 100 Euro auf der Plattform Mintos und 100 Euro bei Bondora. Warum, wie genau und wie mein Zwischenfazit nach 4 Monaten lautete, liest du hier.

Nun ist ein Jahr vergangen und ich dachte mir, ich schaue mal wieder rein, was sich so ergeben hat. Tatsächlich war ich in der Zwischenzeit nicht eingeloggt und wusste folglich überhaupt nicht, was mich erwartet.

Entwicklung bei Mintos

Die P2P-Plattform Mintos bescheinigt mir eine jährliche Nettorendite von 10,73 Prozent. Dies liegt etwas unter den anfangs von Mintos prognostizierten 11,96 Prozent. Aber ich will mich über fast 11 Prozent mal nicht beschweren 😉

Allerdings sind auch einige Zahlungen in Verzug, teilweise bis zu 60 Tage. Insgesamt sind ca. 27,5 Prozent meines investierten Kapitals betroffen. Glücklicherweise stehen die Ausfälle und uneinbringlichen Forderungen bei 0 Euro. Ich habe also (noch) kein Geld verloren.

Da ich bei Mintos die Auto-Invest-Funktion nutze, werden alle Einnahmen automatisch reinvestiert. Sobald ich 10 Euro Guthaben besitze und es Kredite gibt, die zu meinen Auto-Invest-Einstellungen passen, werden die 10 Euro (das ist der Mindestbetrag für Investitionen bei Mintos) in ein Darlehen investiert. Das sieht man schön in meinen Kontoauszügen. Aktuell betragen meine verfügbaren Mittel 19,90. Es scheint also aktuell keinen für mich relevanten Kredit zu geben, in den Auto-Invest für mich investieren kann.

Mintos Auto-Invest

Bei Mintos scheint es also ganz gut zu laufen.

Entwicklung bei Bondora

Bondora schätzte meine Rendite am Anfang des Jahres auf 23,52 Prozent. Tatsächlich liegt sie aktuell bei 22,24 Prozent. Nicht schlecht!

Bondora Dashboard

Der Wert meines Kontos wird mit 474 Euro angegeben. Hö? Ich habe vor ca. einem Jahr 100 Euro eingezahlt. Sind daraus wirklich 474 Euro geworden? Woher kommen die? Meine Recherchen haben nichts ergeben, also habe ich bei Bondora angerufen und bei der netten Reelika nachgefragt.

Ihre Erklärung: In den Kontowert werden auch alle ausstehenden Tilgungen und Zinsen einberechnet. Aber woher kommt der extreme Anstieg im Vergleich zu Anfang des Jahres, als mein Kontowert bei ca. 120 Euro lag? Bondora hat kürzlich die Pforten für spanische Kreditnehmer*innen geöffnet, von denen per Gesetz exorbitant hohe Zinsen verlangt werden können. Da der automatisierte Portfoliomanager mir einige dieser spanischen Kredite ins Portfolio gelegt hat, ist mein Kontowert in die Höhe geschossen. Im Screenshot sieht man die HR (= High Risk)-Kredite aus Spanien mit Zinsen von fast 250 Prozent!

Bondora Übersicht der Investitionen

Na, ob da mal gut geht… Reelika meint: Selbst, wenn davon „nur einer durchkommt“ habe ich immer noch eine gute Rendite gemacht. Sie empfiehlt eher auf 4 – 5 Jahre zu schauen, da sich das Portfolio erst einmal setzen und reifen muss. Viele Kredite laufen ja noch ein paar Jahre.

Guter Punkt! Schauen wir doch mal, wie verlässlich das Geld aktuell reinkommt. Ein Blick in meine Investments zeigt einen Tilgungsrückstand von 6,03 Euro und Strafzinsen von 22,08 Euro. Mit den 22,08 Euro rechne ich nicht wirklich. Wenn die Leute die regulären Zinsen schon nicht zahlen, gehe ich davon aus, dass sie Strafzinsen erst recht nicht abliefern werden.

Von meinen insgesamt 226 Investments stehen 58 auf orange (überfällig) oder rot (60 Tage überfällig). Das sind ca. 25 Prozent. Wenn diese Darlehen wegfallen, sieht meine Rendite sicherlich ein wenig anders aus.

Dann ist mir dieser Kollege hier aufgefallen. Er hat noch gar keine Rate zurückgezahlt und gilt als „B“-Kreditnehmer, also relativ risikoarm (A ist der beste Wert, HR der schlechteste).

Bondora Rückzahlung „B“-Kredit

Diese Dame hingegen ist als „HR“ also High Risk klassifiziert worden und zahlt brav ihren Kredit ab. Zwar nicht immer rechtzeitig, aber das Geld kommt.

Bondora Rückzahlung High Risk

Funktioniert das Ranking der Kreditnehmer*innen etwa gar nicht?! Das wollte ich genauer wissen und habe nachgezählt.

Anzahl HRs in meinem Portfolio: 34
Davon rot/orange (= im Verzug): 21
Anteil HRs im Verzug: 61 Prozent

Meine „A“-Kredite sind alle auf grün, bis auf einen. Alle „B“-Kredite sind ebenfalls auf grün, bis auf drei. Ich hatte offensichtlich zwei Ausreißer erwischt und das Rating funktioniert wohl doch ganz gut.

Immerhin liege ich im Vergleich zu anderen Investor*innen ganz gut im Rennen. Doch auch hier mahnt Reelika zur Vorsicht: Meine Performance sei super, aber wird sicherlich in den nächsten Jahren aufgrund von Ausfällen ein wenig nach unten korrigiert werden. Die durchschnittliche Rendite läge bei Bondora bei ca. 15 Prozent, sagt sie. Immer noch nett.

Bondora: Renditevergleich

Fazit

Auch nach einem Jahr, habe ich nicht das Gefühl ein abschließendes Fazit aussprechen zu können. Die angezeigten Renditen verstehen sich immer unter der Voraussetzung, dass die Kreditnehmer*innen den Kredit auch wirklich zurückzahlen. Wie Reelika sagt: Auch bei P2P-Krediten handelt es sich um ein Langzeitinvestment. Einige Kredite werden ausfallen, dafür werden andere mit hohen Zinsen zurückgezahlt werden. Ein oder zwei Jahre sollte ich dem Ganzen wohl mindestens noch geben.

Ein wenig Bauchschmerzen machen mir die spanischen Kredite mit 250 Prozent Zinsen. Denn da stellt sich mir die Frage: Will ich das? Will ich 250 Prozent Zinsen von Menschen kassieren?

Wie siehst du das? Und wie steht es um deine P2P-Kredite?

Foto: snapwiresnaps.tumblr.com

17 Kommentare

  1. Bauchschmerzen bei den 250% sollte jeder haben. Mich wundert’s ja dass dich das ganze P2P Kredite interessiert obwohl du in deinem Vermögens-Check schreibst: „Zuerst Schulden abbezahlen!“

  2. Jasmin Behrouzi

    Hallo Natascha,
    danke für deinen Artikel. Er hat mich zum Nachdenken und Nachforschen angeregt und ich habe meine Antwort in diesem Artikel (s.u.) von Charles Eisenstein gefunden. Also – nein, ich kann mir nicht vorstellen, mein Geld so anzulegen. Ich wünsche mir ,wie alle, finanzielle Sicherheit auch in der Zukunft, aber ich wünsche mir auch eine lebenswerte Welt für uns alle und alle die nach uns kommen..
    Wie wir das mit unserem Geld untrstützen können, das interessiert mich !
    https://charleseisenstein.net/essays/dont-owe-wont-pay/
    Lieber Gruß, Jasmin

  3. Ich habe bei Bondora aufgehört. Anfangs habe ich mir die Kredite sorgfältig ausgewählt. Die Kriterien waren: 1) Die Angaben zu Einnahmen und Pflichtausgaben wurden geprüft 2) die Kreditnehmer sind nicht überschuldet 3) ein „gesundes“ Gesamtbild ( Job, Alter, ggf. Sicherheiten). Einerseits habe ich viel Zeit damit verbracht, unabhängig von der Risikoeingruppierung nach guten Angeboten zu suchen. Und die waren dünn gesäht, da eben viele Kredite den genannten Kriterien nicht entsprachen. Ein häufiges Problem war offensichtliche Überschuldung ( Wer in Estland mit 63 Jahren 900€ verdient, 500€ zum Leben braucht und gleichzeitig 150€ für ein Autoleasing, und diverse Kleinbeträge für Kreditkartenschulden und Rollbackkredite abzahlt, aber einen Kredit von 3000€ aufnimmt, der ist kein guter Schuldner, auch wenn er B geratet wurde) Andererseits können Verluste steuerlich nicht mit den Einnahmen verrechnet werden. Mein Fazit: Ich bin sehr für P2P Kredite. Voraussetzung ist, dass sie ein Win-Win für die Schuldner und mich bedeuten. Rendite durch Wucherzinsen oder von überschuldeten Menschen bedeutet ein Loose-Loose für beide Seiten, da die Schuldner das Geld offensichtlich nicht zurückzahlen können, ich das Risiko trage und nachher steuerlich Nachteile habe.

  4. Hallo,

    das ist wohl alles nicht einfach …. selbst wenn man über Platformen – wie kiva.org – zinsfrei – mit eigenem Risiko – „Geld kostenfrei abgibt“ – meint das nicht – das die Geldnehmer – nix bezahlen (die Zwischen-Organisationen wollen ja auch „leben“) … ich mache es trotzdem – es hilft trotzdem – einfach mal alles lesen :-). Einfach jeder der Einkünfte hat aus P2P einen %-Satz so verwenden – kann ja auch Hilfe bei Dir um die Ecke sein. Wer nimmt kann ja auch geben 😉

    Grüsse,
    Marcus

  5. Haferflocke

    Hallo,

    danke für den Blogeintrag. Mit der Anlagemöglichkeit von P2P habe ich mich auch schon beschäftigt. Konnte mich bisher jedoch für keine Plattform entscheiden. Heißt nicht , dass ich sonst nichts unternehme – bin gut bei ETFs und Zertifikaten dabei. P2P war für mich bisher primär Auxmoney und vor investieren in der EU war ich bisher zurückgeschreckt. Insofern war dieser Blogbeitrag sehr hilfreich für mich. Zumal schon mit einer Anlage von € 100,- investiert werden kann.
    Jetzt zu dem von Dir geschriebenen Zinssatz von 250%. Das finde ich einen Wucherzins. Alles was über 15% ist würde ich so bezeichnen. Es scheint womöglich aber legal zu sein. Auch eine Bondera unterliegt bestimmt einer Finanzmarktaufsicht.
    Ansonsten fallen mir bei den Kreditnehmern dazu nur welche von der Kategorie – schreibt man besser hier nicht – ein.

    Danke.
    Viele Grüße
    Haferflocke

  6. Hallo Natascha,

    250% Zinsen? Das würde in Deutschland sicherlich unter Wucher fallen, wofür man 3, wenn nicht gar 10 Jahre Freiheitsstrafe erwarten darf.
    Da stellen sich mir ehrlich gesagt die Nackenhaare auf.

    Grüße, Elmar

  7. 250 %? Wer so viel Zinsen zu zahlen bereit ist, ist aus guten Gründen nicht kreditwürdig oder völlig verpeilt oder beides.

    Die Plattform sitzt in Estland, also in der EU. Hier kann nicht jeder machen, was er will. Vielleicht gibt es die Plattform in einigen Jahren gar nicht mehr…

    Aber gut, Lehrgeld zahlen ist auch irgendwie ein Investment. 😉

    https://de.wikipedia.org/wiki/Zinswucher

  8. Danke. Ich höre das erste mal von solchen Krediten und den Plattformen. Ich setze es aber definitiv auf meine Info-Liste und werde mich damit mal beschäftigen.

  9. Andreas Lay

    Hallo Natascha,
    interessante Einblicke in deine P2P-Investments. Habe vor 4 Wochen ebenfalls je 800 EUR in mintos und bondora investiert, um zu sehen, wie diese Art des passiven Einkommens funktioniert. Bei mintos nutze ich die Auto-Invest-Funktion und begrenze auf je 10 EUR pro Investment. Bei bondora habe ich mittlerweile eine angepasste Auto-Invest-Funktion ebenfalls aktiviert (bei 2 EUR pro Invest und max. 4 EUR pro Darlehensnehmer und nur AA,A,B ohne Spanien). Kaufe dort ebenfalls auf dem Sekundärmarkt einige Darlehen mit max. 2 % Aufschlag. Habe dadurch viele Kredite im Bestand, aber ich verzichte lieber auf ein paar Prozente Rendite, kann dadurch aber ruhiger schlafen. Bei bondora ist mir das Rating auch nicht ganz „geheuer“. AA-Rating, Kredite über 4675 EUR, Einkommen von 500 EUR und Verbindlichkeiten von 247.72 EUR. Wovon lebt da der Darlehensnehmer? Und noch keine Zahlung geleistet. Für mich ist das kein AA-Rating. Werfe deshalb solche Kredite aus dem Bestand und kaufe lieber auf dem Zweitmarkt Kredite nach meine Kriterien. Der Aufschlag von 1-2 % frisst etwas Rendite, senkt aus meiner Sicht aber das Ausfallrisiko. Bisher läuft alles recht gut (bondora: 356 Kredite, 11.61% Zinsen, 795.52€ ausstehende Tilgung, 12.05€ bereits getilgt, 4.42€ erhaltene Zinsen, 0.65€ Tilgungsrückstand, 0.37€ aufgelaufene Strafen, mintos: 55 Kredite, 0,11 EUR Zinsen, 10,05 % Rendite). Ausfälle bisher keine (fast logisch nach der kurzen Zeit). Ich bleib dran, investiere aber lieber etwas Zeit in die Kontrolle der Kredite und damit in das Risikomanagement.
    Drück dir die Daumen für deinen weiteres Erfolg.
    Gruss Andreas

  10. Hallo Natascha,

    naja, man könnte ja auch die Kriterien für die angezeigte Berechnung anpassen – dann ist es nicht ganz so fiktiv 😉

    Grüsse,
    Marcus

  11. 250 % Zinsen?? Was sind das denn für Kredite? Da komme ich mir ja mit meinen Auxmoney-X-Krediten zu 16% plötzlich ganz bodenständig vor 😉

    Ich habe ebenfalls vor genau einem Jahr angefangen, mit einer kleinen Summe in P2P zu investieren, bisher nur in Auxmoney und nur manuell. Wobei ich ab und zu mal ein 10, 20 Euro zusätzlich einzahle und ansonsten nur alle Rückflüsse reinvestiere.
    Auxmoney gibt meine Rendite mit 13,4% an (die rechnen das glaub ich hoch), meine tatsächlich durch bereits gezahlte Zinsen erzielte Rendite bisher beträgt laut Portfolio Performance 6,15%. Damit bin ich sehr zufrieden.

    Bisher kann ich auch nur Positives berichten, es ist kein Kredit ausgefallen, nur einer kommt immer wieder mal kurz in Verzug, ein zweiter hatte im Sommer ein paar Zahlungsschwierigkeiten, aber inzwischen läuft es wieder. Einige Kredite wurden inzwischen vorzeitig abbezahlt. Schlecht für mich, gut für den Schuldner 🙂

  12. Auch wenn die 250% bei spanischen Kreditnehmern bei Bondora extrem sind

    Dir ist schon klar, dass die Kreditnehmer bei Mintos viel höhere Zinsen zahlen müssen?
    Die 11%-13% die die Anleger bei Mintos bekommen, haben nämlich nichts mit dem Zinssatz zu tun, den der kreditnehmer zahlt.
    Beispiel:
    https://www.mintos.com/de/loan-originators/idfinance/
    Zinssatz 3100% (!!!)
    Oder anders Beispiel: Getbucks, Zinssatz 1905%

  13. Mhmm da muss ich sagen, fällt mein Auxmoney Konto doch zuverlässiger aus 😉 Bisher ist keiner ganz ausgefallen, nur ab und zu zahlt einer dann nur die Tilgung und nicht die Zinsen…

    • Hallo Marie,
      wie lange bist du denn bei auxmoney dabei? Kannst du eine durchschnittliche Rendite für ein bestimmtes Risikosegment angeben? Ich überlege, hier einzusteigen und freue mich sehr über Erfahrungswerte!
      Vielen Dank im Voraus!!

  14. Julia Neuhoff

    Ups, also deine Gewissensbisse kann ich voll nachvollziehen. Vielleicht kannst du ja zum Ausgleich ein paar Mikrokredite mit guten Zinsen an benachteilige Menschen vergeben. Da gibt es ja auch entsprechende Plattformen.

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