Jubiläums-Moneytalk: Die Erfolgsstory der Moneypenny Kristina Lunz

Jubilaeums-moneytalk-blog-header Die Erfolgsgeschichte einer Moneypenny

Heute wird gefeiert, denn der Moneytalk wird 2 Jahre alt. Jeden ersten Mittwoch im Monat gehen ich live zu einem bestimmten Thema. Und weil es bei Madame Moneypenny in allererster Linie um EUCH geht, habe ich dieses Mal eine unglaublich inspirierende Gesprächspartnerin mit dabei: Kristina Lunz. Sie hat im letzten Jahr an meinem Mentoring Programm teilgenommen und ist außerdem die Gründerin der Organisation Centre for Feminist Foreign Policy, einer gemeinnützigen GmbH, die sich für eine feministische Außenpolitik, Gendergerechtigkeit und Chancengleichheit einsetzt. Wir sprechen über ihren Weg in die finanzielle Souveränität, Vermögensaufbau und was das mit ihrer Gründung im Jahr 2018 zu tun hat. Sie erzählt uns, wie man in einer gGmbH überhaupt Geld verdient und welchen Ungerechtigkeiten sie als GründerIN tagtäglich begegnet. Ich kann nur sagen, es lohnt sich!! 

Eine Sache ist mir ganz ganz wichtig. Kristina und ihr Team sind als non-profit Organisation auf Spenden angewiesen. Wenn euch also gefällt, was ihr lest, dann schaut auf ihrer Webseite vorbei und unterstützt ihre großartige Arbeit. Lust was zu bewegen? Dann kannst du hier spenden.

Du willst dir den Moneytalk lieber als Video anschauen?

Hier gibts das Interview als Podcastfolgen:

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Möchtest du dich zum Start einfach mal vorstellen? Wer ist Kristina?

K: Klar, gerne. Ich bin Kristina, 30 Jahre alt und lebe hier in Berlin. Ich selbst engagiere mich feministisch aktivistisch schon seit einigen Jahren. Nach dem Studium habe ich angefangen in internationalen Projekten mitzuwirken, ich war in der UN, in New York, Myanmar und habe eine Zeit lang in Kolumbien gearbeitet. Auf Grund von vielen Dingen, die mich verärgert haben in Bezug auf das System der internationalen Politik, habe ich mich dann entschlossen, selbst zu gründen. Das habe ich im Mai 2018 gemacht und damit  die Organisation Centre for Feminist Foreign Policy ins Leben gerufen –  das Zentrum für feministische Außenpolitik. Im Rahmen dessen war ich zum Beispiel als Beraterin für das Auswärtige Amt tätig und habe den Außenminister beim Aufbau eines feministisches Netzwerks zwischen Lateinamerika, der Karibik und Deutschland unterstützt. Kurz: Ich versuche feministisches Denken und Systemkritik in die Politik zu bringen. 

Klingt beeindruckend? Hier nochmal alles wissenswerte über Kristina zusammengefasst:

  • Forbes 30 under 30 (2019)
  • Mitbegründerin und Deutschlanddirektorin des Centre for Feminist Foreign Policy und Beraterin für das Auswärtige Amt
  • Freie Autorin und Kampagnenberaterin (Kund*innen sind u.a. GoFundMe und Purpose)
  • kommt aus einem Dorf mit 80 Einwohnern – Sie ist die einzige Uniabsolventin in ihrer Familie 
  • Master der School of Public Policy des University College London
  • Master als Vollstipendiatin des Oxford Department of International Development der University of Oxford in ‚MSc Global Governance and Diplomacy‘
  • Atlantik Brücke Young Leader, Ashoka Fellow
  • Gründerin der “Initiative Augenhöhe” – bekämpft Bildungsungerechtigkeit durch Aktivismus und Mentorship
  • Spricht 4 Sprachen (Deutsch, Englisch, Spanisch & Französisch)
  • Gender und Coordination Officer des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Development Programme, UNDP) in Yangon, Myanmar 
  • Arbeitete bei der lokalen NGO Sisma Mujer in Bogotá, Kolumbien, zu ‚Frauen, Frieden und Sicherheit‘ (Women, Peace and Security, WPS). 
  • Aktivistin:  Sie gründete und beriet unterschiedlichste Kampagnen und Projekte

N: Respekt, dass du dich da ran wagst! Hört sich an, als hätte dein Tag 300 Stunden. Du hast ja auch eine große Medienpräsenz, warst gerade mit einem großen Beitrag bei Spiegel Online zu sehen, und damit in deiner Branche sehr bekannt. Lass uns über deine Arbeit nachher noch ein wenig ausführlicher sprechen. Jetzt würde ich gerne nochmal bei dir als Person anfangen.

Wie bist du damals auf Madame Moneypenny aufmerksam geworden? Was waren deine Schritte im Bereich private Finanzen?

K: Du schreibst in deinem Buch ja, dass Glaubenssätze über Geld stark in der Kindheit verankert sind. Bei uns zu Hause wurde immer sehr darauf geachtet, wie Geld ausgegeben wird. Ein unausgesprochener Grundsatz war, nicht verschwenderisch zu sein. Ich würde sagen, dass das durchaus zuträglich war für meine Entwicklung bislang.

Das Thema Finanzen wurde bei mir 2018 sehr akut. Zum einen schwang durch die Gründung meiner Organisation zum ersten Mal eine gewisse finanzielle Existenzangst mit, die mich hat realisieren lassen, dass ich endlich mal auf meine Finanzen klar kommen muss. Zum anderen ging in diesem Jahr auch meine Beziehung in die Brüche. Auf meiner langen Zielliste fürs Jahr 2019 stand das Thema also oben auf der Liste.

Eines kalten Januar Nachmittags lief ich in Wedding an einem Thalia Buchhandel vorbei und hab da dein Buch liegen sehen. Ich habe dann ziemlich schnell, ziemlich viel darin gelesen und mir die wichtigsten Sachen rausgeschrieben. Über deine Webinare, bin ich auf dein größeres Coaching aufmerksam geworden und hab mich angemeldet.

Am Anfang war ich um ehrlich zu sein ziemlich unsicher, ob das die richtige Entscheidung war. 2 Monate Zeitinvest, um sich mit einem so anstrengendem Thema auseinanderzusetzten, während der Gründung, meiner Beratungstätigkeit beim Auswärtigen Amt und einer Reise nach Lateinamerika, ist ganz schön viel. Vor allem, weil es auch emotional anstrengend ist, sich mit seinen Finanzen auseinander zu setzen.

Du sagtest, dass du noch nie wirklich finanziell abhängig warst. Wie hast du gelernt, dass es da einen anderen Weg gibt? Warum bist du nicht einfach zur Sparkasse gegangen, wie so viele andere? 

K: Ich kann mich an 2-3 Jahre erinnern, in denen ich mich nicht wirklich drum gekümmert habe. Das ging aber immer einher mit dem sehr unguten Gefühl, meine Finanzen nicht im Griff haben. Gerade in der Selbstständigkeit zu wissen, dass ich nichts für meine Altersvorsorge mache, hat mich belastet. Durch meinen Papa hatte ich die klassische Lebensversicherung. 

Als ich dein Buch gelesen habe, ist es mir dann wie Schuppen von den Augen gefallen. Hier musste sich dringend etwas ändern. Als erstes habe ich dem Provisionsberater gekündigt und einige Samstage damit verbracht, mich wirklich in das Thema einzuarbeiten. Das braucht man auch, um zu verstehen, wie viel Geld man überhaupt hat, welche Versicherungen abgeschlossen wurden und so weiter. 

N: Da hast du dich also allein durchgewühlt?

K: Ich habe am Anfang selbst angefangen, dann dein Coaching gemacht und mir direkt danach Unterstützung bei einem Honorarberater gesucht. 

N: Sehr gute Kombination!

Was waren auf deiner Reise in die finanzielle Unabhängigkeit die größten Herausforderungen? Gab es Widerstände von außen, oder in dir selbst? 

K: Sich mit den eigenen Finanzen auseinander zu setzen ist ja leider nicht der Normzustand, vor allem nicht für Frauen. Damit waren die Gesprächspartner sehr limitiert und mir konnte keiner wirklich Steine in den Weg legen. Deshalb waren es bei mir eher die Widerstände in mir selbst. 

Zu verstehen, wie man sein Geld ausgibt, wo es rein kommt, wo man Schulden hat, etc., dauert seine Zeit und ist nicht so einfach, wie man denkt. Grundsätzlich bin ich jemand, der auch unangenehme Sachen angeht und durchzieht. Es gibt aber ein paar Dinge in meinem Leben – Briefe öffnen und anfänglich eben auch die Finanzen – mit denen das nicht so einfach funktioniert. Ein riesen Vorteil für mich war, dass ich mich gleichzeitig mit einer sehr guten Freundin zu deinem Coaching angemeldet habe. Wir haben mehrmals die Woche telefoniert und uns ausgekotzt und ein bisschen gejammert, wie schwer das doch alles ist. 

Den inneren Schweinehund zu überwinden, war das Schwerste. Mit ihr als meiner Accountability-Partnerin hat es dann aber sehr gut funktioniert. Was mir unglaublich geholfen hat, war ein klares Ziel vor Augen zu haben und deine wahnsinnig wertvollen Statistiken.

Obwohl ich im feministischen Bereich unterwegs bin, war mir das so nicht bewusst. Zum Beispiel, wie gering der Anteil der Frauen um die 30 Jahre ist, die im Alter eine Rente über der Armutsgrenze haben werden. Oder dass nur ein extrem geringer Anteil der Frauen in Deutschland ein Nettoeinkommen von über 2000 € haben. 

Ich selbst habe einen Arbeiterhintergrund. Zu wissen, dass die Chance sehr real ist, dass auch ich von einer Form von Altersarmut betroffen sein könnte, hat bei mir einen ‘What the fuck’- Moment ausgelöst. Ich selbst versuche Systemstrukturen zu ändern. Mich selbst in diesen wiederzufinden, war erschreckend.

N: Eine sehr schöne Perspektive. Zu realisieren, dass wir selbst von den Strukturen, die wir eigentlich total kacke finden, betroffen sind. Genau so geht es mir auch. In der Makroperspektive sind die Strukturen momentan leider so wie sie sind. Es liegt aber in der Verantwortung jeder Einzelnen, in der Mikroperspektive, also im eigenen Leben, das bestmögliche rauszuholen. Das ist das schöne am Aktienmarkt. Hier ist es egal, wer du bist. Was zählt ist dein Wissen und die Entscheidungen, die du triffst. Wir sind alle in der Lage unser Leben selbst in die Hand zu nehmen.Wie du so schön sagtest, ist es der innere Schweinehund, der uns davon abhält. 

War es für dich die ganze Zeit so hart, oder hast du irgendwann gemerkt, dass es so schlimm eigentlich gar nicht ist?

K: Es wurde auf jeden Fall besser, denn mit dem Coaching sind viele Erfolgsmomente verbunden. Zum ersten Mal eine Übersicht meiner Ein- und Ausgaben erstellt zu haben, gab mir ein Gefühl der Souveränität. Das ist soo wertvoll, denn es bringt persönliche Freiheit mit sich.

Das fühlt sich so an, als würde man für ein anstrengendes Examen lernen, für das du am Ende mit einer 1 belohnt wirst. Du musst da durch, aber es wird richtig gut. 

N: Man muss da wirklich einmal durch. Das ist das, wovor viele Frauen zurückschrecken. Ich sage immer: “Das Thema ist komplex, aber eigentlich nicht super kompliziert.” Ich bin sehr froh, dass du ein paar Erfolgserlebnisse hattest! 

Wie bist du denn jetzt aktuell finanziell aufgestellt?

K: Abgeschlossen habe ich das Coaching im Juni letzten Jahres. Die Entwicklungen, die ich seitdem gemacht habe, ist einfach krass. Ich fühle mich heute so souverän und liebe das Gefühl. 

Nach den 8 Wochen, habe ich ein paar Samstage mit einem Honorarberater von Maiwerk verbracht (große Empfehlung an dieser Stelle), sodass ich am Ende meiner Reise sagen kann, dass ich finanziell richtig gut aufgestellt bin. 

Das heißt für mich:

  • Monatlicher Sparplan mit ETFs
  • Rürup-Rente 
  • LV 1871 (Lebensversicherung der 1871 a. G. München)

Gemeinsam mit meinem Berater habe ich mich darüber unterhalten, wie viel Geld ich im Alter haben möchte und welche Investitionen mich dort hinbringen. Dabei herausgekommen ist dann diese Dreiteilung. 

Inzwischen habe ich so einen guten Überblick, dass mein nächster Schritt höchstwahrscheinlich die Investition in eine Immobilie sein wird. Das liegt nicht daran, dass ich mehr Geld verdiene, sondern daran, dass ich weiß, wie ich damit umgehen muss, um bestimmte Ziele zu erreichen. 

N: Hört sich so an, als hättest du einmal dein System aufgesetzt, das jetzt einfach läuft. Das ist das Schöne daran und der Grund, warum ich ein Fan von passivem Investieren bin: Man muss es einmal machen, aber wenn es einmal läuft, dann läufts.

Auch wenn viele sagen, dass Immobilien das erste und einzige sind, was man braucht, ist das in meinen Augen ein ganz anderes Level. Schließlich ist es ein riesiges Projekt. Wie bist du darauf gekommen? Da ich selbst keine Immobilien habe, bin ich hier immer sehr neugierig.

K: Meine Eltern haben zwar ein Haus in dem 80-Einwohner-Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, sonst aber keine Immobilien. Bei mir entstand das Interesse daran aus dem Wunsch, im Alter keine Miete zahlen zu müssen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man den monatlichen Mietbetrag nutzen kann, um in eine Immobilie zu investieren, die mir dann im Alter gehört. 

Wie du richtig sagst, ist das echt ein riesen Projekt, bei dem ich als Gründerin vor echten Herausforderungen stehe. Mit einem jungen Unternehmen (unter 5 Jahren), ist es quasi unmöglich einen Kredit zu bekommen. 

Mein Tipp: Am Ende geht es bei Krediten immer um Vertrauen. Wenn also irgendwo eine Vertrauensbasis besteht, ist es vielleicht ein bisschen leichter. Bei mir war das die Hausbank auf dem Dorf.

Das ist also schon mal geklärt. Jetzt geht es nur noch darum durchzublicken, was es beim Hauskauf zu beachten gibt. Was mir dabei hilft, ist meine Fähigkeit um Hilfe zu bitten. Ob bei der Gründung, seit der unglaublich tolle Menschen in meinem Leben sind, die mich unterstützen, bei den Finanzen, oder dem Immobilienkauf – es gibt einfach Menschen, die es besser können als ich. Auch jetzt habe ich also einen Berater, der sich auf Immobilien spezialisiert hat. Gerade bei so heiklen Projekten, hole ich mir immer Hilfe und Rat. Man sollte ja nie vergessen, dass Dummheit zu finanzieren, am Ende meist teurer ist.

N: Es gibt ja diesen schönen Spruch: “If you think education is expensive, try ignorance” (Derek Bok). Natürlich kann ich mir jetzt die nächsten 10 Jahre Zeit nehmen, um mich in das Thema einzuarbeiten, oder ich suche mir jemanden, der die Fehler vielleicht schon mal gemacht hat und wissen, wie der Hase läuft. Ich bin auch ein riesen Fan von Coaching und Hilfsmitteln. 

K: Ein Glaubenssatz ist oft, man könne sich da selbst reinfuchsen. Sobald man aber das Konzept der Opportunitätskosten verinnerlicht hat, sucht man ganz automatisch nach Wegen, um die eigene, wertvolle Zeit bestmöglich einzusetzen. Für einen Samstag, den ich brauche, um zu verstehen, wie man ImmoScout am effektivsten nutze, kann ich auch eine Stunde mit jemandem telefonieren, der es mir erklärt. Das kostet mich sicherlich weniger, als einen Tag nicht arbeiten zu können. 

N: Absolut. Hinzu kommt dann noch das Lehrgeld, was man zahlt, wenn man falsche Entscheidungen trifft. Gerade bei Immobilien möchte man ungern Fehlkäufe tätigen.

Du hattest Glaubenssätze angesprochen. Hast du im Prozess welche entdeckt, die du ablegen konntest?

  1. Ein sehr angenehmer Glaubenssatz: Ich bin nicht verschwenderisch mit Geld. Von zu Hause aus habe ich also ein gutes Verständnis dafür mitbekommen, wie man Geld einsetzt und was eine Investition in Stunden, die gearbeitet werden müssen, ausdrückt. Dieses Gefühl für Geld und Wert ist sehr hilfreich. 
  2. Ein Glaubenssatz, den ich vor allem mit meinem feministischen Verständnis über Bord geworfen habe: Man redet nicht über Geld und sollte vor allem nicht zu viel fordern. Wenn frau das tut, wirkt sie needy (bedürftig).

Wir leben in einem patriarchalen Systems, in dem Frauen grundsätzlich viel mehr arbeiten, aber ein Großteil dieser Arbeit nicht bezahlt wird. Zum einen zu wissen, dass Frauen da ordentlich beschissen werden, jeden Tag. Zum anderen als Gründerin zu erfahren, wie unfair die Verteilung von Finanzmitteln ist, lies mich hier umdenken. Im Privatsektor bekommen Gründerinnen zum Beispiel nur 2,3 % an Risikokapital, um ihr Unternehmen überhaupt aufzubauen. Das ist so eine Katastrophe und so ungerecht, dass mir da manchmal die Worte fehlen. Wären Apple, Amazon und Indiegogo von Frauen erfunden worden, würde es sie heute wahrscheinlich nicht geben.

N: Unglaublich. Zumal es statistisch bewiesen ist, dass Unternehmen mit Frauen in Führungspositionen langfristig erfolgreicher sind. Das ist wie das Pinguin-Prinzip: Hauptsache, wir sehen alle gleich aus. Man muss sich mal überlegen, was das für einen wirtschaftlichen Schaden verursacht.

K: Genau das erlebe ich gerade hautnah. Als weibliche Gründerin im öffentlichen Bereich, sehe ich, wie viel einfacher die Initiativen von Männern finanziert werden. Man kennt sich eben schon und da geht alles ein bisschen schneller. 

Dazu kommt außerdem noch die Bezahlung von Frauen. Es wird davon ausgegangen, dass Aktivist*innen und Kreative diese Arbeit aus dem guten Herzen heraus machen und dafür deswegen nicht bezahlt werden müssen. Zu sehen, welche Gehälter im Freelance Bereich, oder in männerdominierten Branchen aufgerufen werden, ist unfassbar.

Wir müssen deshalb unbedingt, die ganze Zeit über Geld reden! Wir müssen darüber reden, dass es nicht okay ist, dass wir als Frauen, Kreative, Aktivistinnen, was auch immer, kein Geld bekommen. Und auf keinen Fall so viel Geld, wie unsere männlichen Pendants.

Es kommen schnell die Aussagen, wir Frauen müssten uns nur mehr reinhängen und mehr fordern. Bullshit! Es gibt Studien, die zeigen, dass wenn Männer und Frauen gleich verhandeln und dasselbe Gehalt fordern,  es der Mann bekommt und die Frau nicht. Sie wird als gierig angesehen und sinkt im Ansehen. Wenn du das weißt, kannst du nur anfangen über Geld zu reden. 

Wenn wir es nicht tun, helfen wir dabei, dass sich genau das nicht ändert, sondern unter den Teppich gekehrt wird. 

N: Sehr schön gesagt! Vielen Dank für diese flammende Rede. Auch ich hatte ja in meinem vorherigen Unternehmen wg-suche.de Investoren dabei – hatte allerdings 2 männliche Mitgründer, was das Ganze ein wenig vereinfacht hat. Trotzdem kenn ich das Problem zur genüge. Deshalb steht auf meiner Bucketlist, dass ich super gerne in ‘Women-owned Start-Ups’ investieren möchte. Wenn es denn dann mal soweit ist, dass genug Cash auf der Seite liegt. Aber nochmal zu deinem Glaubenssatz “Über Geld spricht man nicht”. Der ist ja auch verbunden mit ganz vielen Unsicherheiten. Wenn du “zu viel” verdienst, fragst du dich vielleicht, ob du ab sofort immer das Abendessen zahlen musst. Wenn du “zu wenig” verdienst, hast du vielleicht Angst davor zuzugeben, dass es da gerade einen Engpass gibt und du um Hilfe bitten müsstest. Sehr gut, dass du diesen Glaubenssatz für dich aufgelöst hast. 

Wie hast du denn die Corona-Krise finanziell überlebt? Wie war das für dich als neue Investorin?

K: In meinem Job reise ich sehr viel. Ende März war ich also in Boston und las die Nachrichten über alles, was gerade in der Welt passierte. Ich hab also erstmal ganz panisch meinen Honorarberater angerufen und wollte erstmal alles einstellen, weil ich dachte, die Welt geht unter. Eigentlich bilde ich mir ein, meistens sehr rational zu denken, aber auch ich habe meine emotionalen Momente. Gerade, wenn eine Pandemie ansteht. Etwas, was wir alles so noch nicht erlebt haben. Schlussendlich hat mein Berater mich beruhigt und ich habe mich dafür entschieden zu halten und die Investitionen sogar ein wenig zu erhöhen.

N: Du hast also auch ein bisschen Aktienshopping betrieben. Das war natürlich für viele die erste Feuerprobe, mich eingeschlossen. Ich war sehr stolz auf die Madame Moneypenny Community, die alles in allem sehr ruhig geblieben ist. 

Am Anfang hattest du ja schon ein wenig von deinem Business erzählt und davon, dass du dir für bestimmte Lebensbereiche Ziele setzt. Das gute daran, souverän in Bezug auf die eigenen Finanzen zu sein, ist, dass sich diese Souveränität auch auf andere Bereiche deines Lebens auswirkt. Sie ist die Basis dafür, dass man den Kopf frei hat, um andere Sachen zu machen. Zum Beispiel einfach mal ein Unternehmen zu gründen.

Kannst du kurz erklären, wie ihr mit eurem Business-Modell Geld verdient?

K: Klar. Wir sind eine Gemeinnützige GmbH. Wir haben also den Gemeinnützigkeitsstatus, der sich auf die Steuern auswirkt und darauf, welche Kontrolle das Finanzamt hat. Geld bekommen wir auf verschiedensten Wegen:

  • durch Zuwendungen und Spenden,  
  • Kooperationen, z.B. mit Greenpeace, 
  • Zusammenarbeit mit politischen Stiftungen, wo Geldmittel fließen,
  • Beratungsleistungen, z.B. meine Arbeit im Auswärtigen Amt 
  • Projektarbeit, z.B. eines der größten Projekte, die es jemals zum Thema “Internationalen Angriff auf Menschen- und Frauenrechte” gegeben hat, finanziert vom finnischen und deutschen Außenministerium
  • Gelder & Beratung, die ich als Ashoka Fellow erhalte

Grundsätzlich ist es im NGO Bereich aber eine Katastrophe eine Finanzierung hinzubekommen. Daher haben wir Anfang des Jahres begonnen eine Gruppe von Individuen und Organisationen aufzubauen, die es sich leisten können uns über mindestens 3 Jahre finanziell zu unterstützen. Das ist wichtig, damit wir Gelder haben, über die wir frei verfügen können.  

Das alles ist nervenaufreibend. Wie gesagt, es gibt weniger Geld für Gründerinnen und noch viel weniger für feministische Arbeit. Inzwischen stellen wir aber die 3. Vollzeitkraft ein und haben einige Berater mit an Bord.

Gibt es denn einen Markt dafür? Also Venture Capitalists (VC) oder Business Angels, die in gemeinnützige Arbeit einsteigen? Geht das überhaupt?

K: Ein neuer Trend ist das „Social Impact Investing“. Hier wird versucht Modelle zu entwickeln, die das Investieren für VC und Business Angels lukrativ machen. Das machen wir noch nicht. Hauptsächlich aber aus Kapazitätsgründen. Gerade am Anfang muss man sich genau überlegen, wo die Ressourcen am besten eingesetzt werden. Abseits davon gibt es Philanthropen und wohlhabende Menschen, die an den Zweck glauben und Geld investieren. Gerade wenn wir uns für mehr Menschenrechte, Frauenrechte, internationale Sicherheit und Co., sind das Themen, mit denen sich Menschen identifizieren können. 

N: Das sind echt krasse Themen, die ihr euch da auf die Agenda schreibt und damit auch täglich umgehen müsst. Ich finde es schon schwierig Filme anzuschauen, in denen Gewalt gegenüber Frauen vorkommt. 

Wie schaffst du es emotional, dich dauerhaft mit solchen Themen auseinander zu setzen. Hast du Strategien entwickelt, um damit besser umgehen zu können?

K: Ja, das ist anstrengend. Manchmal stecke ich so tief drin, dass mir gar nicht mehr so bewusst ist, wie viel emotionale Energie mir das raubt. Das ist mir gerade erst wieder durch meinen Freund, einen Gründer im Corporate Bereich, bewusst geworden. Für ihn war es krass zu sehen, wie viel Energie wir täglich z.B. für politische Diskussionen aufbringen müssen. Ein Produkt zu verkaufen hat sicherlich andere Herausforderungen, aber man ist definitiv emotional nicht so ausgelaugt.

Wie gehe ich damit um? Vor ein paar Jahren habe ich eine Kampagne gegen die Bild Zeitung gestartet und heftige Widerstände abbekommen. Von Drohungen zur Vergewaltigung bis hin zu Morddrohungen. Da war ich erst fertig mit der Welt. Bis ich das systematische dahinter verstanden habe. Es geht nicht um mich persönlich. Es gibt einfach viele Menschen, die Stimmen, wie meine, die Dinge in Frage stellen, klein halten wollen. Über die Jahre habe ich mir also ein dickes Fell zugelegt. Nicht jeder sollte diese Arbeit machen müssen. Den Mund aufzumachen und sich zu trauen, ist manchmal echt schmerzhaft. Mittlerweile habe ich ein Netzwerk der inspirierendsten und tollsten Frauen um mich. Das hilft. Über das Thema Hilfe in Anspruch nehmen hatten wir ja schon gesprochen. Seit 2 Jahren, als mit der Unternehmensgründung nochmal ganz andere Herausforderungen zu Tage kamen, habe ich einen Therapeut, der mich auf meinem Weg begleitet. 

N: Einfach nur beeindruckend! Vielen, vielen Dank dafür, dass ihr das tut, was ihr tut. 

Deshalb: Wie findet man euch? Wie kann man euch unterstützen? Was sind die besten Wege das zu tun?

K: Mega liebe Frage. Ihr findet mich auf Instagram unter @kristina_lunz oder @feministforeignpolicy. Von dort aus kommt ihr auch direkt auf die Webseite meiner Organisation Centre for Feminist Foreign Policy. Wir haben hier z.B. ein Membership Program. Alle, die uns hier unterstützen bekommen regelmäßig Einblicke in unsere Arbeit und zum Aufbau unserer Organisation. Falls sich jemand berufen fühlt, im größeren Stil zu unterstützen, gibt es das Visionairy Programm, von dem ich vorhin erzählt hatte. Das ist ein exklusiven Zirkel an Menschen, die Lust haben, im engeren Austausch mit uns zu sein. Damit wäre uns riesig geholfen. 

Ihr habt es gehört ihr großartigen Moneypennys. Jetzt gehts darum aktiv zu werden und diese tolle Organisation zu unterstützen! 

Wer mich kennt weiß, wie wichtig Spenden ist. Ich spende regelmäßig 10 % meines Einkommens. Das kannst du auch! 

Lasst uns gemeinsam einen echten Unterschied machen! Bist du dabei? Dann gehts hier lang. 

N: Du bist sicherlich eine riesen Inspirationsquelle für ganz viele da draußen, die vielleicht noch nicht so weit sind wie du. 

Hast du ein paar Tipps für diejenigen in der Community, die das Thema Finanzen jetzt auch endlich in die eigene Hand nehmen wollen, oder darüber nachdenken ein Unternehmen zu gründen? 

  1. Mach dir bewusst und akzeptiere, dass es eine anstrengende Reise werden kann. Das hat nichts mit dir selbst zu tun. Es ist ein Thema, was im ersten Moment überwältigend ist, weil es so viele Angebote gibt, die kaum jemand überblicken kann, der nicht täglich damit zu tun hat. 
  2. Nimm Hilfe in Anspruch. Ich persönlich fange bei fast allen Themen mit Büchern an und gehe dann Schritt für Schritt weiter. 
  3. Such dir einen Freund, der ebenfalls an dem Thema interessiert ist.
  4. Lerne unschöne Gefühle auszuhalten. Akzeptiere, dass diese da sind, denn das ist ganz normal. 
  5. Feiere die Erfolge, wenn es soweit ist. Es ist so ein ermächtigendes Gefühl zu wissen: “Ich habe das mit den eigenen Finanzen endlich auf die Kette bekommen.” Ich würde das Gefühl von kurzfristigen Schmerz der Auseinandersetzung mit dem Thema, immer der kontinuierlichen Angst vorziehen.

N: Vielen, vielen Dank für deine Tipps, deinen Mut und deine Inspiration. Ich hoffe, die Spendengelder sprudeln schon bei dir ein. 

Wenn auch du Lust hast, dich aktiv mit deinen Finanzen auseinander zu setzen und das Thema ein für alle Mal abzuhaken, kannst du dich jetzt ganz unverbindlich auf die Warteliste für mein Mentoring Programm setzen lassen. Dann wirst du als erste informiert, wenn es 2021 wieder los geht. 

Relevante Links:

Centre for Feminist Foreign Policy

@kristina_lunz – Kristinas persönliches Instagram Profil

@feministforeignpolicy – Instagram Profil ihrer Organisation 

Ashoka Fellow – Leading Association on Social Entrepreneurship

Maiwerk-Finanzpartner – Honorarberatung 

Mentoring Program – Lass dich unverbindlich auf die Warteliste setzen

Hier könnt ihr Spenden! – Nicht vergessen 10 % 😉

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