Der Gender Pay Gap oder warum Frauen weniger Vermögen haben

gender-pay-gap- Madame Moneypenny

Ich habe mit drei Master-Studierenden der Hochschule ESB Reutlingen gesprochen. Es geht unter anderem um den Gender Pay Gap, warum Frauen weniger Vermögen haben, ums Ehegattensplitting und darum, ob Männer finanziell besser aufgestellt sind, weil sie ein anderes Konsumverhalten als Frauen haben.

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Zu Beginn sprechen wir über Social Media und meine Zielgruppe. Ich nutze Social Media als Hauptkanal, um so viele Frauen wie möglich, also eine breite Masse zu erreichen. Natürlich verkaufe auch ich Produkte wie Bücher und Kurse. Viele können oder wollen sich diese aber nicht leisten. Genau für diese Zielgruppe mache ich Gratis-Content auf den Social-Media-Kanälen. Die Ängste, die mit Finanzen verbunden sind, möchte ich auflösen und Frauen motivieren und inspirieren. Social Media ist dafür eine gute Plattform und bietet  Frauen außerdem die Möglichkeit, sich auszutauschen.

Meine Hauptzielgruppe sind Frauen, da sie es meiner Meinung nach am Nötigsten haben, sich um ihre Finanzen zu kümmern. Ich würde aber schätzen, dass 10-15% meiner Followerschaft männlich sind.

Ich habe das Feedback bekommen, dass etwas von Frau zu Frau erklärt zu bekommen einen ganz anderen Effekt hat, als wenn die gleiche Erklärung von einem Mann käme. 

Wichtig ist mir, auf Augenhöhe mit meiner Community zu sein. Ich berate nicht, sondern gebe Hilfe zur Selbsthilfe. Zum Vergleich: Ein Berater bunkert das Wissen für sich, um dann zu beraten. 

Frauen haben beim Thema Finanzen immer noch viele Ängste und Bedenken

Die Gründe für diese Ängste sind verschieden. Ich würde aber 2 Punkte hervorheben:

– Bedenken sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen

Viele Frauen kümmern sich nicht um ihre Finanzen, da sie schlichtweg glauben, es nicht zu können. Selbstbewusstsein spielt hier natürlich eine Rolle. 

– Zu wenig Wissen zu Themen wie Börse und Aktien

In Deutschland haben wir generell wenig Wissen zu Aktien. In den USA ist das zum Beispiel ganz anders. So wurden wir erzogen – übrigens auch Männer. Die machen es dann vielleicht trotzdem, obwohl auch sie über kein großes Wissen verfügen. Meiner Meinung liegt das an unserer Sozialisierung. Wie sind wir als Kinder aufgewachsen (Hat Papa immer bezahlt und Mama nicht? Hat Papa immer gearbeitet und Mama nicht)? Solche Muster übernehmen wir für unser eigenes Leben.

Der Gender Pay Gap ist nicht der einzige Grund, dass Frauen weniger Vermögen haben

Natürlich ist der Gender Pay Gap ein Grund, aber nicht der einzige. Hier sind einige weitere Gründe:

1. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft

Wie wird die Frau bzw. ihr Einkommen in der Gesellschaft wahrgenommen? Es gibt Studien, die zeigen, dass das Einkommen der Frau oft nur als Zusatzeinkommen angesehen wird – während der Mann der Hauptverdiener ist und die Familie zu versorgen hat. Die Frage ist, inwieweit dieses Bild in den Köpfen stecken geblieben ist.

2. Steuerliche und soziale Anreize

Das Ehegattensplitting zum Beispiel kann negative Anreize für die Frau setzen. So lohnt es sich für manche Familien finanziell nicht, wenn die Frau arbeitet.

3. Babypause und Teilzeitarbeit

Wenn die Frau ein paar Jahre zu Hause bleibt, oder in Teilzeit arbeitet, bedeutet das  finanzielle Einbußen und weniger Rente im Alter. Gleichzeitig hat es Auswirkungen auf ihre Karrierechancen. 

4. Die Berufswahl

Es gibt immer noch viele klassische Frauen- und Männerjobs.

5. Unterschiedliches Konsumverhalten von Frauen und Männern

Männer investieren zum Beispiel eher in Aktien – auch ohne das nötige Wissen und Frauen geben ihr Geld für andere Dinge aus.

6. Aktienwissen wird im Familien- und Freundeskreis weitergegeben

Menschen fangen oft mit Aktien an, wenn sie davon im Freundeskreis und in der Familie hören. Das könnte erklären, warum Frauen weniger in Aktien investieren als Männer. Denn wenn Papa es dem Sohn erklärt oder es unter Kumpels besprochen wird, werden Männer eher an die Börse herangeführt. Das gibt es auf der Frauenseite weniger und der positive Schneeballeffekt entsteht nicht unbedingt.

7. Machtgefüge in der Beziehung

Eine Studie zeigt: Männer fühlen sich bedroht, sobald Frauen mehr als 40% zum Haushaltseinkommens beitragen

Frauen sparen außerdem weniger als Männer, aber sie verdienen natürlich auch weniger.

Sollte man also bei der Bildung anpacken, um etwas zu verändern?

Ich bin mir nicht sicher, ob Bildung wirklich der Faktor ist. Denn das Wissen ist kostenlos verfügbar (zum Beispiel auf meinem Blog), aber trotzdem machen es so wenige Frauen. Da geht es eher um Ängste und negative Glaubenssätze (“Ich war noch nie gut in Mathe”, “Ich kann das sowieso nicht”). Die Wurzel liegt also bei den Erwachsenen beim Selbstbewusstsein. Bei den jüngeren Mädels fängt es in der Erziehung an, da ist es dann ganz wichtig wie Töchter erzogen werden.

Auch in der Partnerschaft finanzielle Absprachen treffen

Augen auf bei der Partnerwahl sage ich immer. In einer Partnerschaft sollte das Gespräch gesucht werden und finanzielle Absprachen (zum Beispiel: Wofür möchten wir Geld ausgeben und wofür nicht?) getroffen werden. Es sollte auch darüber gesprochen werden, was passiert, wenn das Paar ein Kind bekommt. Wenn sich eine Frau bewusst für das sogenannte traditionelle Rollenmuster entscheidet, ist das völlig ok. Ich habe aber den Eindruck, dass viele Frauen, da gar nicht so drüber nachdenken und es einfach machen oder mit sich machen lassen und das Ganze nicht wirklich hinterfragen.

Einige der Fragen, die in einer Partnerschaft geklärt werden sollten, sind: Möchte frau arbeiten? Wer macht wie Elternzeit? Wer arbeitet wie Teilzeit? Männer können auch Teilzeit arbeiten – das ist gesetzlich nicht verboten. Leider passiert das häufig immer noch nicht.

Ihr seht also, die Gründe für die Vermögensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind vielfältig. Mich würde interessieren: Gibt es eurer Meinung nach noch weitere Gründe? Schreibt mir gerne in den Kommentaren.

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1 Kommentare

  1. Dr Annett Knöppel-Frenz

    Liebe Natascha, danke für deine Inspirationen. Ich bin 51 Jahre alt und vielleicht nicht mehr ganz deine ureigene Zielgruppe.
    Die Gründe für die Pay Gap sind vielfältig und im Artikel gut benannt. Mir fehlt jedoch noch ein wichtiger Fakt, der zumindest bei mir viele Jahre von „ungerichteten Vermögensaufbau“ gekostet hat: der Faktor Zeit. Sicher eine Frage der Prioritäten-ja ganz eindeutig. Aber bestimmt ging es nicht nur mir so: zuerst Ausbildung, dann berufliche Karriere in Anstellung, dann Aufbau einer beruflichen Selbständigkeit, begleitend Geburt und Erziehung von drei Kindern. Nebenbei den eigenen Körper und die Seele gesund erhalten.
    Erst jetzt, wo meine Kinder selbständig sind, finde ich Zeit und Kraft, meine Unterlagen, Finanzen, Versicherungen zu ordnen und zu optimieren. Idealerweise hätte ich das Rüstzeug dafür gern in der Schule/Uni gelernt. So habe ich meiner Tochter dein Buch zum Studiumanfang geschenkt.
    Deine Arbeit ist Inspiration und Hilfe hoffentlich für viele Frauen-weiter so.
    Herzliche Grüße Annett

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