35.905,76% Rendite in 5 Jahren.

Vor 5 Jahren habe ich ein finanzielles Investment getätigt und bis heute stets gefüttert, das seinen Wert bis heute extrem gesteigert hat. Genauer: Es hat seinen Wert ver-360-facht. In prozentualem Wachstum: 35.905,76 Prozent in 5 Jahren. Isso.

Im Lotto gewonnen? Illegale Machenschaften? Harcode gezockt? Nein, besser: Das eigene Unternehmen.

Vor 5 Jahren ich habe mein eigenes Unternehmen gegründet, genau 4.166,67 Euro als Stammkapitaleinlage eingezahlt und seitdem daran gearbeitet. Heute, fast 5 Jahre später, haben wir einen Meilenstein erreicht: Einen Anteilsverkauf an unseren bis dato Kooperationspartner ImmobilienScout24.de. Durch den Kaufpreis der Anteile und die damit erfolgte Bewertung des Unternehmens im siebenstelligen Bereich lässt sich für mich eine Rendite der letzten 5 Jahre von 35.905,76% ableiten.

Wie geht das? Und lassen sich die gängigen Investment-Weißheiten bezüglich Börse und Aktien darauf anwenden? Erzielt man eine solche Rendite, indem man sie befolgt oder muss man gerade mit ihnen brechen? Let’s check.

1. ‚Folge nicht der Herde.‘

Bei Finanzinvestitionen soll man nicht blind der Herde folgen weil die Mehrheit kaum Ahnung hat und einfach mitläuft. Die Herde kauft, wenn die Kurse hoch stehen und verkauft in der Krise. In Puncto Karriere bin ich der Herde anfangs noch gefolgt (BWL-Studium), doch ich merkte schnell, dass ich nicht der Typ ‚Herdenmitläufer‘ bin. Als meine Kommiliton*innen zu Versicherungen, Banken und Beratungen strömten, war ich eine der wenigen, die auf die Online-Branche setzten. Ich ging zu Google und danach zu Parship. Nach knapp drei Jahren im Angestellendasein war klar: Das ist nichts für mich. Ich will selbst entscheiden, mein Ding machen, raus aus der Herde. Im April 2012 kündigte ich meinen unbefristeten Vertrag bei Parship in Hamburg, um mein Glück als Unternehmerin in Berlin zu versuchen. Der Herde bin ich definitiv nicht gefolgt.

2. ‚Lege nicht alle Eier in einen Korb.‘

Und wie ich alle verdammten Eier in einen Korb gelegt habe! Ich bin All-in gegangen. Alles oder nichts. Hier liegt der Unterschied zur langfristigen Geldanlage: Es gilt, das Risiko durch Diversifikation zu minimieren, um so wenig Verluste, wie möglich erleiden zu müssen. Klar, denn die Altersvorsorge soll lieber langsam, aber dafür sicher aufgebaut und auf keinen Fall verloren werden. Wenn das Ziel aber lautet, ein Unternehmen aufzubauen und Millionärin zu werden, kann die Strategie nur ‚All-in‘ lauten. Wie hätte Diversifikation damals für mich aussehen können? Meine feste Stelle behalten und wg-suche.de nebenbei betreiben? Das wäre nicht gut gegangen: Fehlender Fokus, kein Commitment und immer gemütlich Plan B in der Hinterhand. So hätte das nie im Leben funktionieren können.

3. ‚Betreibe Buy-and-Hold.‘

Durch das Verfolgen einer Buy-and-Hold-Strategie werden bei Aktieninvestments Kaufgebühren, die bei jedem Kauf und Verkauf anfallen, sowie emotionale Adhoc-Entscheidungen vermieden. Dazu gehört auch und vor allem, in einer Krise nicht zu verkaufen. Ich habe investiert – und tue es immer noch – und gehalten. Durch jedes Tal, jeden Tiefpunkt, jeden Rückschlag. Und bitte glaubt mir eins: Davon gab es mehr als genug. Es gab so endlos viele Momente, in denen aufgeben und loslassen so viel einfacher gewesen wäre (auch emotional), als daran festzuhalten. Doch der bequeme Weg führt meist direkt in die Herde. Ich habe gehalten, gehalten, gehalten. Durchgehalten. Nicht nur das. Zudem habe ich kontinuierlich weiter investiert. Und zwar mein wertvollstes Gut: Meine Zeit.

4. ‚Glaube nicht den Experten.‘

Leichter gesagt, als getan. Vor allem, wenn du 26 Jahre alt bist, über ganze 2,5 Jahre Berufserfahrung verfügst und nun ein Business aufbauen sollst, von dem du absolut keine Ahnung hast. Besonders in der Anfangszeit sind wir an einige Menschen geraten, die uns ihre ‚Experten-Tipps‘ aufgedrängt haben. Und auch hier ist es wie an der Börse: Die mit der wenigsten Ahnung, aber dem größten Ego schreien am lautesten. Dabei geht es ihnen nicht darum zu helfen, sondern sich selbst Aufmerksamkeit zu verschaffen. Mit der Zeit habe ich zwei Dinge gelernt a) genau zu hinterfragen, welche eigenen Interessen der Ratgebende verfolgt und b) nur Rat von Menschen anzunehmen, die erreicht haben, was ich erreichen möchte – denn alle anderen haben schlichtweg keine Ahnung.

Neben den fachlichen Experten, gab es natürlich auch welche im Freundes- und Bekanntenkreis. ‚Warum willst du das denn machen? Du hast doch einen sicheren Job!‘, ‚Was willst du denn in Berlin, das kannst du auch von hier aus machen!‘, ‚Das ist doch viel zu riskant!!‘ und so weiter und so fort. Wo die Menschen, die solche Sätze haben fallen lassen, aktuell stecken, brauche ich wohl nicht weiter ausführen… Ich habe mal irgendwo einen tollen Satz dazu gelesen: Am Anfang fragen sie dich warum du etwas machst, am Ende fragen sie dich nach dem Wie. Und genau so ist es.

5. ‚Handle nicht nach Angst und Gier.‘

An der Börse sind Angst und Gier tödlich: Man verkauft, wenn die Kurse im Keller sind aus Angst noch mehr Geld zu verlieren. Wenn es gut läuft, wird man gierig, überschätzt sich und denkt man könne den Markt schlagen.

Auch beim Aufbau des eigenen Unternehmens gibt es Angstsituationen. Ich habe allerdings keine Angst davor (intelligente) Risiken einzugehen, die Komfortzone zu verlassen, nicht zu wissen, was kommt. Meine Lust aufs Gewinnen lässt dieser Angst einfach keinen Raum. Wie gesagt, es gab genügend Tiefpunkte, in denen die Angst vor dem absoluten Versagen leichtes Spiel gehabt hätte. Natürlich fühlt sich das nicht schön an. Es fühlt sogar äußerst kacke an. Aber wie beim Investieren in Aktien gilt: Erst, wenn du verkaufst, hast du den Verlust realisiert. Bis dahin ist noch alles drin. Und genauso haben wir Tiefpunkte gehandhabt: Festhalten, durchbeißen, weitermachen. Auf der anderen Seite handle ich die ganze Zeit aus einer Angst heraus. Sie lautet: Mittelmaß.

Zum Thema Gier: Natürlich gab es auch Erfolgserlebnisse und somit einige Situationen, in denen wir hätten durchdrehen und übermütig werden können. Sind wir aber nicht. Wir haben die Füße stillgehalten, sind bescheiden geblieben und haben weiterhin hart gearbeitet. Viele Wannabe-Entrepreneure denken/glauben/hoffen, sie würden über Nacht reich werden. Startup gründen und nach 15 Monaten für 20 Mille verscherbeln. Das ist pure Gier und funktioniert einfach nicht.

Dennoch denke ich, dass eine gewisse Art von Gier nach Erfolg notwendig ist, um seine Ziele zu erreichen. Sonst würde man doch nie ins Tun kommen, oder? Aber Achtung: Gier schlägt schnell in Selbstüberschätzung um, was definitiv auch als Unternehmer*in tödlich sein kann. Ich kann mich also von Angst und Gier nicht komplett freisprechen, und ich denke, das ist auch ganz gut so.

Fazit

Zwei der fünf gängigsten Investment-Regeln habe ich auf meinem Weg gebrochen. Und ich denke, dass es genau richtig und wichtig war und weiterhin sein wird. Die Zielsetzungen sind unterschiedlich: Wenn es um die Altersvorsorge geht, will man nur so wenig Risiko, wie nötig eingehen. Hier entsteht Vermögen so gut wie von alleine über Zeit. Wenn man jedoch innerhalb weniger Jahre Millionärin werden will, klappt das mit dem geringen Risiko und dem Verlassen auf die Zeit einfach nicht. Wenn ich viel Rendite möchte, muss ich viel Risiko eingehen.

Das Gute am eigenen Unternehmen ist dabei, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, was mit meinem Investment passiert. Wenn ich schlecht wirtschafte und falsche Entscheidungen treffe, kann es sehr gut sein – dies ist ja sogar die Regel – dass mein Investment, also mein Unternehmen, nicht lange leben wird. Es liegt an mir, was daraus wird, nicht an irgendeinem DAX-Vorstand, auf dessen Entscheidungen ich keinen Einfluss habe. Da liegt es für mich nahe, in etwas zu investieren, bei dem ich am Steuer sitze und die Entwicklung aktiv beeinflussen kann. Und damit 35.905,76% Rendite erzielen kann.

Foto: https://pixabay.com/en/space-shuttle-lift-off-liftoff-nasa-774/

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