Wie ich meine Zeit schütze

„Wie machst du das alles?!“ ist gefühlt die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird – neben „In welchen ETF soll ich investieren?“. Auf Letztere gebe ich keine Antwort, wie ihr wisst. Die Antwort auf die erste Frage lautet kurz und knapp: Ich schütze meine Zeit. Wovor? Vor Zeitklauern. Das sind in erster Linie andere Menschen und Aufgaben, die mich nicht zu meinem Ziel führen.

Sehr inspirierend fand ich dieses Video mit Richard David Precht, in dem er super auf den Punkt bringt, wie sich der Wert von Zeit wandelt und in welchem Spannungsverhältnis wir uns heute bewegen. Umso wichtiger, dass wir Zeit als unser höchstes Gut anerkennen und sie schützen.

1. Zeit vs. Priorität

Ich mag das Wort „Zeitmanagement“ nicht. Es klingt nach Tetris im Terminkalender, nach Verwaltung der eigenen Lebenszeit. Man kann sich den ganzen Tag voller Termine knallen und war am Ende auch super busy, ist aber seinem Ziel dennoch kein Stück näher gekommen. Am Ende des Tages fragt man sich dann, was man eigentlich den ganzen Tag gemacht hat.

Ich handhabe meine Zeit anders. Ich gehe rein nach Priorität. Ich setze mir eine Priorität, die ich verfolge. Manchmal für den Tag, für die Woche oder auch längere Zeiträume. Alles, was nicht Teil dieser Priorität ist, fällt hinten runter, und zwar ganz bewusst. Meiner Meinung nach, ist es schon falsch von „Prioritäten“, also im Plural, zu reden. Denn es können nicht mehrere Sachen gleich wichtig sein. Man kann nur eins nach dem anderen machen, also muss man sich für eine Sache entscheiden. Was mich zum nächsten Punkt bringt.

2. Nein sagen

Hier befinde ich mich immer noch im Entwicklungsprozess, aber es ist schon deutlich besser geworden. Ich sage immer öfter nein. Man muss nicht alle Interviews geben, alle Kooperationen eingehen, sich mit allen zum Mittagessen treffen, jedem helfen und alle Emails beantworten.

Bei Anfragen jeglicher Art oder auch bei eigenen Projektideen reflektiere ich immer anhand dieses Grundsatzes: Wenn du Ja zu dem sagst, sagst du automatisch Nein zu etwas anderem. Denn man kann nur eine Sache auf einmal machen. Ist diese Sache für meine Zielerreichung wirklich wichtiger als andere Dinge?

Auf diese Weise fallen bei mir ganze Arten von Projekten oder Anfragen durchs Raster. Dazu vielleicht in einem anderen Artikel mehr.

3. Keine Telefonate, keine Meetings

Einen unangemeldeten Anruf empfinde ich als störenden Eingriff in meinen Tag. Bis vor kurzem bin ich dennoch ans Telefon gegangen. Dann las ich das Buch von Oprah Winfrey, in dem ihr Mann sie fragt: „If you don’t want to talk, then why do you answer the phone?„. Ja, genau, warum eigentlich?! Heute mache ich das nicht mehr. Ich gehe einfach nicht ran. Die Leute sollen mir eine Email schreiben, dann kann ich reagieren, wann ich will.

Ich finde übrigens, dass man diesen Grundsatz von Oprah auf vieles im Leben übertragen kann, nicht nur Emails. Nur weil jemand etwas von uns möchte, sei es unsere Zeit, Meinung, Freundschaft, Aufmerksamkeit, heißt das noch lange nicht, dass wir sie ihm automatisch geben müssen.

Meetings sind auch so ein ungeliebtes Thema. Aus irgendeinem Grund wollen sich Menschen immer treffen. Nicht, dass das für mich als sehr introvertierte Person eh schon anstrengend genug ist, in 99 Prozent der Fälle sind Meetings ein höchst ineffizientes Mittel. Meist steht nicht mal das Ziel des Meetings fest! Meetings lehne ich ab, wo und wann es geht. Eine Email tut es meistens auch.

4. Festes Zeitbudget für Emails

Abgesehen davon, dass ich nicht mehr alle Emails beantworte, habe ich ein festes Zeitlimit für Emails zu festen Tagen. Wer mir außerhalb des Zeitfensters schreibt, muss unter Umständen ein paar Tage auf eine Antwort von mir warten. Als ich dieses System eingeführt habe, war ich unsicher, wie die Menschen, die das betrifft, reagieren würden. Aber alle waren sehr verständnisvoll und es klappt weitestgehend gut.

5. Freizeit geht vor

Man würde es von außen wahrscheinlich nicht vermuten, aber Zeit mit wichtigen Menschen hat bei mir Vorrang. Wenn mich jemand fragt, ob wir etwas unternehmen wollen und ich Lust drauf habe, sage ich Ja und plane alles andere drumherum. „Keine Zeit“ gibt es bei mir nicht. „Keinen Bock“ schon, aber nicht „keine Zeit“. Ich versuche so gut es geht (und das geht sicherlich noch besser) die Arbeit um meine Freizeit herumzubauen und nicht anders herum. Die Ausrede „keine Zeit“ ergibt für mich sowieso keinen Sinn. Wir haben alle gleich viel Zeit. Jede von uns hat 24 Stunden pro Tag Zeit. „Keine Zeit“ bedeutet eigentlich: „Das ist nicht meine Priorität“. Traut sich nur keiner zu sagen.

6. Ruhige Zeiten nutzen

Bevor die meisten Menschen im Büro angekommen sind und um 9 Uhr die erste Email schreiben, habe ich bereits zwei Stunden Produktivität hinter mir. Ich liebe diese Zeit, denn ich kann vollkommen ungestört arbeiten. In diesen Stunden schaffe ich manchmal so viel, wie am kompletten Rest des Tages.

Fazit

Wie du siehst, läuft bei mir alles auf das Setzen einer Priorität hinaus. Die wiederum orientiert sich an Zielen. Wer kein Ziel hat, kann keine Priorität festlegen und macht den ganzen Tag Dinge, die sie nicht weiterbringen. Genug zu tun, ist schließlich immer. Nur effektiv ist das meistens nicht.

Jede von uns entscheidet selbst, was sie mit ihrer Zeit macht. Wenn ich angerufen werde, kann ich selbst entscheiden: Lasse ich mir ein Gespräch aufdrücken oder nicht. Gehe ich ran oder eben nicht. Diese Freiheit haben wir alle und sollten sie uns auch nehmen. Denn Zeit ist und bleibt unser höchstes Gut. Wir müssen sie vor Zeitklauern schützen. 

Foto: Pexels

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