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Sparrate von knapp 40%? So geht’s!

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Für 2016 hatte ich mir zum ersten Mal überhaupt ein konkretes Sparziel gesetzt: Eine Sparrate von durchschnittlichen 33% sollte es sein. Warum? Um zu schauen, ob und wie ich es hinbekomme. Um mich selbst herauszufordern. Um zu schauen, ob ich wirklich so diszipliniert bin, wie ich immer behaupte. Um langfristig einen neuen, bewussten Umgang mit meinem Geld zu erlernen damit ich mein finanzielles Ziel erreichen kann.

Im Januar ging es mit 38% schon gut los, der März war mit 25% der erste Tiefpunkt. Der ultimative Tiefpunkt folgte im Urlaubsmonat Juli: 13%! Ab August ging es dann jedoch steil nach oben: 47%, 48%, 48%, 49% und 40%. Jahresdurchschnitt: 37%.

Wie das geklappt hat und wie du es auch erreichen kannst:

1. Ein Ziel setzen

Die beste Voraussetzung etwas Neues zu erreichen ist ein konkretes Ziel zu formulieren. „Ich möchte mehr sparen“ hätte mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit nicht viel geändert. Die konkrete Zahl aber hat dafür gesorgt, dass das Ziel messbar wurde. So konnte (und musste) ich jeden Monat nachrechnen, ob ich auf Kurs bin oder nicht. Es gab keine Beschönigungen oder Ausreden. Der Kontoauszug lügt nicht. Dass ich mein Ziel auf meinem Blog in die Öffentlichkeit hinausposaunt habe, hat ebenfalls geholfen: Ich wollte doch nicht als Dummschwätzerin dastehen! Also: Setze dir ein konkretes Sparziel und erzähle (jedem) davon!

2. Haushaltsbuch führen

Bevor ich anfangen konnte mit dem Sparwahn, legte ich mir ein Haushaltsbuch zu. Hier trug ich ab jetzt alle noch so kleinen Ausgaben ein. Jedes Brötchen, jedes Bier vom Späti, jede Spende an den Ubahn-Sänger. Hat das Spaß gemacht? Nein. War es notwendig? Ja. Allein zu wissen, dass ich jeden Abend jede Ausgabe eintragen musste, hat mich darüber nachdenken lassen, ob ich eine Ausgabe wirklich tätigen muss. Fang‘ an ein Haushaltsbuch zu führen! Hier geht’s zu meiner kostenlosen Vorlage

3. Fixkosten senken

Fixkosten sind die Kosten, die jeden Monat in gleicher Höhe anfallen. Also, so dachte ich mir, wäre es ein schöner Hebel, wenn ich hier etwas optimieren könnte. Ein Handgriff, 12 Mal im Jahr Geld gespart. So mussten meine Abos bei Netflix und Spotify dran glauben. Außerdem habe ich entdeckt, dass bei meinem Mobilfunkvertrag noch 10 Euro rauszuholen waren. Ich konnte meine Stromkosten um 3 Euro pro Monat senken und habe kurzerhand meine private Rentenversicherung gekappt (nicht ausschließlich als Sparmaßnahme!). Zu guter Letzt bin ich im Dezember umgezogen – natürlich nicht als Sparmaßnahme, aber die geringere Miete ist natürlich ein schöner Nebeneffekt. An dieser Stelle könnte man stutzig werden: Im Dezember umgezogen und trotzdem eine Sparrate von 40%?! Ja, so ist es. Weil ich unheimlich viele Sachen verkauft habe (bspw. meinen Fernseher), um den Umzug zu finanzieren. Mein Ziel war ein Nullsummenspiel. Hat nicht ganz geklappt, aber ich war nah dran. Wo kannst du noch etwas rausholen? Durchforste deine Verträge und schaue ich ggf. nach günstigeren Alternativen um. 

4. Limits für variable Kosten

Ich habe mir Limits für meine Wackel-Kandidaten-Posten gesetzt: Auswärts essen, Freizeit und Transport. Besonders das Limit für auswärts essen wurde jeden Monat vollkommen ausgereizt, teilweise auch überzogen. Dennoch: Zu planen, wie viel Geld du für bestimmte Kategorien zur Verfügung hat, lässt dich anders denken. Man rechnet rum: „Okay, ich habe ein Limit von 70 Euro auswärts essen. Wie viele Burger mit Pommes sind das dann?“ Man trifft proaktiv Entscheidungen, wofür man sein Geld ausgeben will. Impulskäufe und der, wie ich ihn nenne, Starbucks-Effekt (Huch, schon wieder 7 mal 3.50€ für Kaffee ausgegeben) gehören der Vergangenheit an. Auch hilfreich: Die Umschlagmethode. Du legst deinen Budgetbetrag für die einzelnen Posten bar in Umschläge und verbrauchst ihn entsprechend. Für Shoppingtouren verwendest du nur das Geld aus dem „Kleidungsumschlag“, für Freizeit das aus dem „Freizeitumschlag“ und so weiter. Wenn ein Umschlag leer ist, kann in Folge dessen kein Geld mehr für diesen Posten ausgegeben werden. Hart aber wirkungsvoll! Lege fest, wie viel Geld du pro Monat für welchen Posten maximal ausgeben möchtest. Setze Limits!

5. Radikale Maßnahmen

Ich habe mir ein Jahr keine Kleidung gekauft. Als Sparmaßnahme, aber auch aus Gründen des allgemeinen Konsumverzichts. Wie ich das geschafft habe? Hier entlang. Was könntest du aus deinem Ausgabenheftchen komplett verbannen? Alkohol? Zigaretten? Benzin? Süßigkeiten? Kaffee? Gar nichts?! Das kann ich mir nicht vorstellen. Hier geht es darum deine Komfortzone zu verlassen! Streiche eine Ausgabe komplett für ein Jahr!

6. Selber machen statt kaufen

Wieder einen Platten im Fahrradreifen – für 25 Euro im Shop machen lassen oder Flickzeug für 5 Euro besorgen, auf YouTube anschauen, wie es geht und selber machen? Belegtes Brötchen beim Bäcker kaufen oder selbst schmieren und ca. ein Zehntel des Preises ausgeben? Kantinenfraß für 5 Euro futtern oder abends mehr kochen und die Bolo mit ins Büro nehmen? Da mein Ziel „Geld sparen“ lautete, kam für mich nur selber machen in Frage. Überlege vorab, ob du etwas nicht auch selber machen könntest, für das du sonst (mehr) bezahlen müsstest. 

7. Spenden

Als ich angefangen habe zu sparen, habe ich auch angefangen zu spenden. Auch das war ein Ansporn für mich weniger Geld auszugeben. Ich erteilte drei Organisationen Lastschriftmandate für die monatlichen Beiträge. Wenn ich nicht genug sparen würde, könnten die Beträge ggf. nicht abgebucht werden. Letztendlich habe ich mehr Geld gespendet als ich für die Posten Transport und Freizeit ausgegeben habe. Wenn du Geld spendest, zeigst du, dass du verantwortungsvoll mit deinem Geld umgehen kannst. Gemäß dem Gesetz der Reziprozität kann das im Umkehrschluss auch gut für deinen Geldbeutel sein. Eine Win-Win-Situation quasi. Fange an 10% deiner Einnahmen zu spenden!

8. Zusätzliche Einnahmequellen

Bis hierhin hat sich alles um die Ausgabenseite gedreht. Doch es gibt ja noch eine Stellschraube: Die Einnahmen. Neben Geldgeschenken von Oma und dem Staat, habe ich echt viel Kram verkauft: Kleinkram auf dem Flohmarkt, diverse Kleinmöbel und meinen Fernseher. Ausmisten kann sich richtig lohnen! Was kannst du loswerden? Ausmisten und ab auf den Flohmarkt! (Dieses Buch* wird dir dabei helfen.)

Fazit

Sparen sollte sich nie wie Verzicht anfühlen. Denn dann macht es keinen Spaß, man quält sich und gibt auf. Ich hätte es wahrscheinlich auch auf eine Sparrate von 50% geschafft, wenn ich gewollt hätte. Aber Urlaube, Spa-Besuche, Geschenke machen, Essen gehen und auch Spenden waren mir wichtiger als verkrampftes Sparen. Da muss jeder seine persönliche Balance finden.

Für dieses Jahr habe ich mir kein Sparziel gesetzt. 2016 war eine gute und auch notwendige Übung, die mich einen dauerhaft bewussten Umgang mit meinem Geld gelehrt hat. Ich habe das gesparte Geld übrigens natürlich nicht auf mein Girokonto gelegt, sondern brav in meinen ETF-Sparplan investiert. Denn darum geht es ja letztendlich: Sparen und investieren damit das Gesparte mehr wird.

Foto: https://unsplash.com/@blankerwahnsinn

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13 Kommentare
  1. EasyWISA 5 Tagen ago
    Antworten

    Hallo Natascha,

    ich habe auch diverse meiner/unserer Versicherungen gekündigt und lege die damit eingesparten Fixkosten jetzt anderweitig an mit höherer Flexibilität und geringeren Gebühren. Hätte ich es doch nur schon beim Abschluss der jeweiligen Verträge gewusst. Da müssten die Gesellschaften und v.a. Berater wirklich dazu verpflichtet werden, dass im Klartext drin steht, was da an Provisionen/Gebühren anfällt (wie z.B. die 22′ bei deiner Rürup-Rente).

    Das mit dem Haushaltsbuch ist einer der wichtigsten Punkte. Wir nutzen dafür das kostenlose Programm MyMicrobalance. Sehr empfehlenswert meiner Meinung nach. Das Problem vieler Leute ist allerdings, dass sie die Wahrheit gar nicht wissen wollen…

    Ein ehemaliger Kollege von mir hat vor kurzem auch in einem Onlinekurs zum Thema Private Finanzplanung seine Strategien dargelegt. Viele davon kann man in deinem Beitrag hier auch wiederfinden (also z.B. das mit dem Spenden oder aber das mit den Umschlägen, in die man Geld steckt). Seine oberste Priorität war allerdings der Schuldenabbau.

    Lese mir dann mal ein paar weitere deiner Beiträge durch. Hatte deinen Blog zwar irgendwie im Hinterkopf, aber bin heute erst dazu gekommen, ihn auch mal aufzumachen, nachdem ich dein Interview mit dem Finanzrocker gehört habe…

  2. Christoph 1 Monat ago
    Antworten

    Hi Natascha,

    herzlichen Dank für Deine tollen Inputs. Zum ersten Mal macht mir aufräumen und ausmisten richtig Spaß. Das Buch Magic cleaning kam für mich zur rechten Zeit. Mache eh gerade alles neu. Super 🙂 mach weiter so!

    Liebe Grüße
    Christoph

  3. Hallo Natascha,

    freut mich für Dich, dass Du vorankommst! 2 Fragen stellen sich mir jedoch: Zum einen, warum hast Du die Rentenversicherung gekappt? Ohne die Rendite einschätzen zu können ist das doch hinsichtlich des Sparens egal. Oder zählst Du die nicht zum Sparen?
    Zum anderen ist die Sparquote meines Erachtens dennoch abhängig vom Einkommen. 37% sind immer sehr hoch und bringen Dir finanzielle Unabhängigkeit weit vor der Rente. Aber wer 20.000 € netto hat, kann meines Erachtens leicht 50% sparen, bei 1.500 € finde ich das schon ambitionierter. Also ist die Frage, wo Du liegst?

    Grüße, Alex

    • Natascha 2 Monaten ago
      Antworten

      Hallo Alex,

      mit der Rentenversicherung hast du natürlich recht. Beides ist sparen. Nur, dass ich das Geld jetzt selbst und renditeträchtiger selbst investiere.
      Wie viel man sparen kann, hängt von vielen Faktoren ab: Alter, Steuerklasse, gesundheitlicher Zustand, Sozialversicherungspflicht, Familienstand, Wohnort usw. Aber mein Einkommen werde ich hier nicht verraten 😉

      Liebe Grüße
      Natascha

  4. Zinskraft 2 Monaten ago
    Antworten

    Hallo Natascha,

    schöne Auflistung!
    Meine Frau und ich verzichten eigentlich auf wenig und haben eben festgestellt, dass unsere Sparrate bei knapp 60% liegt. Wir haben halt noch keine Kids, haben kein Auto und machen selten teure Urlaube etc.
    Trotzdem hatten wir noch unnötig hohe Fixkosten, wie wir im letzten Jahr festgestellt haben. Dort haben wir dann mal ausgemistet und es ist wirklich erstaunlich, was sich da herausholen lässt. Zumal man oftmals bessere Konditionen zu geringeren Preisen bekommt, insbesondere wenn man die Verträge (Handy, DSL, Strom, Krankenversicherung etc.) schon länger nicht mehr aktualisiert/gewechselt hat. Habe das Thema auch auf meinem Blog behandelt: https://www.zinskraft.de/2016/11/04/%C3%BCber-500-sparen-durch-senkung-der-fixkosten/

    Gruß
    Martin

    • Natascha 2 Monaten ago
      Antworten

      Hi Martin,

      wow, 60% sind ja super. Herzlichen Glückwunsch!
      Ich denke, eine so hohe Sparrate kann man auch nur erreichen, wenn man seine Ausgaben nicht parallel zu seinen Einnahmen erhöht. Viele geben ja automatisch mehr Geld aus, wenn sie mehr verdienen. Das ist euch offensichtlich nicht der Fall 😉 Weiter so!

      Liebe Grüße
      Natascha

  5. […] Moneypenny hat in ihrem letzten Beitrag über ihrer Sparrate geschrieben, dass sie mehr Geld für Spenden ausgibt, als für die Kostenblöcke Transport und […]

  6. Ex-Studentin 2 Monaten ago
    Antworten

    Motivierender Beitrag! Ich achte darauf, die Ausgaben so gering wie möglich zu halten. Mein Gehalt schwankt und ist nur mäßig planbar, weswegen mir die Sparqoute recht egal ist. Aber Fixkosten kann man über die Jahre gut vergleichen und justieren.

    • Natascha 2 Monaten ago
      Antworten

      Hi Jenny,
      stimmt, bei schankenden Gehältern ist das etwas anders. Daran habe ich noch gar nicht gedacht.
      Genau, bei den Fixkosten geht echt oft noch was!
      LG Natascha

  7. Nicole 2 Monaten ago
    Antworten

    Hihi bei 5. fällt mir spontan noch ein: Nix mehr über Amazon kaufen :- ) Ich gebe viel zu viel über Amazon aus. Amazon macht es einem einfach zu einfach schnell und viel (was man gar nicht benötigt) zu kaufen. Das nehme ich mir ab dem 01.04. vor!

    • Natascha 2 Monaten ago
      Antworten

      Hi Nicole,

      stimmt, Amazon ist ein bisschen wie IKEA 😉

      VG Natascha

  8. molly 2 Monaten ago
    Antworten

    Liebe Natascha,
    das sind ein paar wertvolle und klasse Tips! Ich habe mein Geld früher immer nur aus dem Fenster geschmissen für alles was ich eben haben wollte. Das hat sich alles erst geändert als ich mich mit einer guten Freundin unterhalten habe die immer sehr sparsam war obwohl sie um weiten mehr verdient hat als ich. Da kam ich langsam ins grübeln und jetzt spare ich immer 26% meines Gehalts fest ohne auch nur einen Cent anzurühren. Ich habe mein Leben grundlegend geändert. Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit statt mit Auto und Bus. Und sollte es mal regnen habe ich eine Fahrkarte wo ich 20% weniger vom Fahrpreis bezahlen muss. Dafür laufe ich noch zur übernächsten Haltestelle um in eine noch günstigere Zone zu kommen. Außerdem plane ich mir mein Essen für die komplette Woche und habe dadurch enorm viel gespart! Ich lasse nicht mehr überall Licht brennen, schmiere meine Brötchen für die Arbeit und nehme mir Kaffeepads mit zur Arbeit. Ich könnte ewig weiter erzählen … 🙂
    Vielen Dank für deine tollen Tips!
    Liebe Grüße

    • Natascha 2 Monaten ago
      Antworten

      Hi Molly,

      wow, das hört nach Action an! Super!
      Ja, manchmal braucht man einen kleinen Schupps in eine bestimmte Richtung und schon macht man Dinge, über die man vorher nie nachgedacht hat und die einem richtig gut tun. Ich fahre tatsächlich auch bei Regen mit dem Rad – Regenhose, Regenjacke und Rucksacküberzug machen’s möglich. Kann aber sehr gut verstehen, wenn das nicht jedermanns Sache ist (ich hasse U-Bahnen einfach). Auf die Idee mit dem Laufen in die nächste Zone bin ich noch nicht gekommen. Ziemlich genial!

      Liebe Grüße
      Natascha

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