Wie die Reichen reich wurden

Gestern las ich in der Capital folgende Empfehlung eines Fondsmanagers: ‚Hören Sie auf den Rat reicher Leute‘.  Klingt plausibel. Doch viele von uns kennen wahrscheinlich keine reichen Leute (was man schleunigst ändern sollte). Dennoch kann man etwas anderes tun, um von reichen Menschen zu lernen: Nachmachen. Klingt auch plausibel, oder? Denkweisen, Verhaltensweisen, Strategien abschauen und nachmachen. Dazu muss man allerdings wissen, wie die Reichen reich wurden.

1. Die meisten Millionäre wurden als Unternehmer reich

Rainer Zitelmann schreibt in seinem Buch „Reich werden und bleiben: Ihr Wegweiser zur finanziellen Freiheit*“, dass bei den 100 reichsten Deutschen 98 Prozent, und bei den 100 reichsten Menschen der Welt 95,2 Prozent Unternehmer sind. Reichtum durch abhängige Beschäftigung entsteht tatsächlich kaum. Wolfgang Lauterbach, Reichtumsforscher an der Uni Potsdam geht sogar soweit zu sagen: „Unternehmertum ist notwendig, um außerordentlich vermögend zu werden.“

Wie sieht es mit Freiberuflern aus? Immerhin besser als bei Angestellten: Freiberuflich Selbständige (Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater etc.) haben im Vergleich zu unselbständig Beschäftigten immerhin eine mehr als 3,5-fach höhere Wahrscheinlichkeit, wohlhabend zu sein, anstatt „nur“ ein überdurchschnittlich hohes Einkommen zu erzielen. An Unternehmer*innen kommen Freiberufliche aber nicht heran.

Woran liegt das? Angestellte und Selbständige werden nach Zeiteinheiten bezahlt. Beispielsweise pro Monat oder pro Stunde. Leider lässt sich Zeit nicht skalieren. Der Tag hat nur 24 Stunden, das Jahr nur 12 Monate. Unternehmer*innen hingegen werden nicht pro Zeiteinheit bezahlt sondern pro Produkt. Mein Lieblingsbeispiel: Ich schalte Werbung für mein Ebook und 1.000 Interessenten wollen es kaufen. Was muss ich tun? Nichts. Sie klicken 3 Mal und haben das Ebook. Und ich habe 1.000 Mal Geld verdient. Was macht eine Masseurin, bei der 1.000 Interessenten vor der Tür stehen? Sie muss sie wieder nach Hause schicken weil der Tag nicht genug Stunden hat um alle zu bedienen. Sie hat 1.000 mal kein Geld verdient.

Plus: Rendite kommt von Risiko. Das Risiko mit einer Unternehmung zu scheitern, und die damit verbundenen Konsequenzen sind höher als für Angestellte.

2. Reiche Menschen sind offener

Studien zeigen: Reiche Menschen sind offener für Neues während die Mittelschicht lieber an Bestehendem festhält. Gepaart mit der wesentlich höheren Risikobereitschaft ergibt dies ein rundes Bild. Unternehmer*innen sind ständig auf der Suche nach neuen Gelegenheiten, Marktlücken, Innovationen und gehen dann intelligente Risiken ein, um von neuen Chancen zu profitieren. Eine weitere Reichtumsstudie zeigt, dass Unternehmer*innen weniger ‚verträglich‘ sind als Menschen in der Mittelschicht. Erfolgreiche Angestellte jedoch sind angeblich sehr verträglich. Heißt: Um Karriere als Angestellte*r zu machen, muss man also in höherem Maß als der Durchschnitt anpassungsfähig und sozial verträglich sein, während für Unternehmer*innen die Konfliktfähigkeit die wichtigere Eigenschaft ist.

Plus: Millionäre denken einfach anders. Mehr dazu gibt in meinem Artikel über das Buch „So denken Millionäre„.

3. Reiche Menschen wechseln den Beruf

Wir wissen nun, dass reiche Menschen offener für Neues sowie risikobereiter sind. Da verwundert es nicht, dass reiche Menschen dazu tendieren den Beruf zu wechseln. Nicht nur den Arbeitgeber, sondern komplett den Beruf! Zwei Drittel der Reichen, in der von Zitelmann zitierten Studie, haben mindestens einmal im Laufe des Erwerbslebens den Beruf gewechselt. Die Aufstiegschance in den Wohlstand erhöht sich um das Sechsfache, wenn im Laufe des Erwerbslebens der Beruf gewechselt wurde. Auch hier wieder: Reiche Menschen suchen und sehen Veränderungen und ergreifen Chancen anstatt zu hoffen, dass alles bleibt wie es ist.

4. Millionäre sind verdammt sparsam

Für das Buch „Millionaire Next Door: The Surprising Secrets of America’s Wealthy*“ haben die Autoren 1.000 Millionäre zu ihrem Spar- und Konsumverhalten befragt. Heraus kam unter anderem folgendes:

  • 50 Prozent der Millionäre haben nie mehr als 140 Dollar für ein Paar Schuhe ausgegeben.
  • 50 Prozent der Millionäre haben niemals in ihrem Leben mehr als 29.000 Dollar für ein Auto ausgegeben und 95 Prozent nie mehr als 69.000 Dollar.
  • 90 Prozent zahlen nicht mehr als 26 Dollar für eine Flasche Wein.
  • 70 Prozent gaben an, Schuhe reparieren zu lassen, anstatt sie gleich durch neue zu ersetzen.

Sparsamkeit und nicht etwa ein hoher Verdienst ist der entscheidende Grund für den Reichtum der meisten Millionäre. Wer reich werden will, muss unter seinen finanziellen Möglichkeiten leben. Denn es kommt nicht darauf an, wie viel du verdienst, sondern wie viel du davon behältst, investierst und somit vermehrst.

Fazit

Reiche Menschen sind offene, risikobereite, sparsame Unternehmer*innen. Sollst du dich also selbständig machen? Wenn du reich werden willst, solltest du, ja. Aber langsam. Job kündigen und eine Yoga-Schule in Kreuzberg eröffnen, weil du Yoga so sehr liebst, ist definitiv der falsche Ansatz. Überlege dir was du kannst, was du magst und (das vergessen die meisten) ob es einen Markt gibt. Wenn du eine Nische gefunden hast, baust du dein Business nebenher auf und wechselst rüber, wenn die ersten Umsätze fließen. Mehr dazu und wie ich meine Unternehmen aufbaue, erfährst du übrigens auch in meinem Seminar.

Foto oben: Pexels

9 Kommentare

  1. Hallo Madame Moneypenny (cooler Name übrigens),

    also schön zusammengefasst und das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Und das sieht ganz so aus, als bin ich auch dem Weg reich zu werden. Habe mich selbstständig gemacht und ein Online-Business aufgebaut.

    Danke,
    Gerd

    • Natascha

      Hallo Gerd (auch ein ziemlich cooler Name übrigens ;)),

      na das hört sich doch super an. Hast dir mit Rückenschmerzen ja ein stets akutes Thema ausgesucht.
      Viel Erfolg damit!

      Viele Grüße
      Natascha

  2. Hallo Natascha,

    gerade die Sparsamkeit verbinden die wenigsten mit Millionären. Woher kommt diese Meinung? Wahrscheinlich daher, dass im Fernsehen und in Zeitschriften immer nur das „besondere“, glamouröse Leben mancher Millionäre gezeigt wird?

    Viele Grüße von Pia & Martin

  3. Klasse Zusammenfassung und gut auf den Punkt gebracht!

    Ich bin nun auf dem Weg zum wirklichen Unternehmer und skaliere mein Geschäft momentan auch und es macht wirklich sehr viel Spaß, wenn es auch momentan sehr viel Arbeit ist.
    Zum Millionär werde ich es wohl nicht mehr bringen, aber das will ich auch garnicht. Aber nach dem Motto der Millionäre lebe ich schon…..
    Herzliche Grüße
    Barbara

  4. Der Artikel bringt wirklich alle wesentlichen Punkte. Ich glaube auch, dass Unternehmer die Chance haben, eher reich zu werden. Allerdings sollte man hier reich wohl eher durch „superreich“ ersetzen. Die wenigsten Menschen haben wirklich das Ziel mit einem Privatjet um die Welt zu fliegen und eigene Hochhäuser zu besitzen.

    „Einfacher“ Reichtum — also genug Cash Flow zu haben um nicht Zeit gegen Geld tauschen zu müssen und seine Arbeitszeit und Arbeitskraft selbst einteilen können, lässt sich auch als besser verdienender Angestellter erreichen.

    VG, Rico 🙂

  5. Sehr gut zusammgefasst!
    Ich lese sehr gerne diese Dinge, da ich versuche von allen zu lernen, die bereits mehr erreicht haben, als ich selbst.

    Es sind meist die einfachen Dinge, die langfristig zum Ziel führen. Wie du sagst: Man sollte unter seinen finanziellen Möglichkeiten leben. Mit der Zeit werden die Möglichkeiten größer, solange man aber darunter bleibt kann eigentlich kaum etwas schief gehen.

    mfG Chri

  6. Martin B.

    „bei den 100 reichsten Menschen der Welt 95,2 Prozent Unternehmer sind“

    Die Aussage erscheint mir doch etwas merkwürdig:
    Bei 100 Menschen entspricht 1 Prozent einem Menschen.
    Wie kommt es da zu den 0,2 Prozent?
    Wie kann jemand nur zu einem Fünftel Unternehmer sein?
    Hätte ja eher gesagt entweder jemand ist Unternehmer oder eben nicht.
    Aber vermutlich klingt es einfach wissenschaftlicher und viel exakter wenn keine runden sondern „exaktere“ Zahlen angegeben werden… 😉

    • Kann auch sein, dass die Basis für die bessere Veranschaulichkeit einfach auf 100 reduziert wurde 😉

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