5 typisch weibliche Geldfehler

Ja, es gibt sie: Verhaltensweisen, die überwiegend bei Frauen auftreten und uns bei aller Liebe nicht weiterhelfen. Gerade wenn es um Geld, Karriere und Erfolg geht, machen wir uns gerne klein, lassen anderen den Vortritt, warten auf Entdeckung und geben uns mit Mittelmaß zufrieden. Doch das muss nicht sein. Wir müssen uns selbst wertschätzen und belohnen. Wir müssen uns das holen, was uns zusteht und für das kämpfen, wovon wir träumen. Diese 5 Fehler hindern uns leider oftmals daran.

1. Zuerst an andere denken

Viele Frauen sehen sich in der Rolle der Versorgerin und verstehen Geld als Werkzeug, um anderen zu helfen: Ihren Kollegen, Kindern, Partnern, Angestellten oder der Gemeinde. Beziehungen und Menschen stehen an erster Stelle und man denkt tendenziell zuerst an die anderen, wenn es um finanzielle Entscheidungen geht. Was sehr nobel ist und größten Respekt verdient, kann für einen selbst leider der falsche Weg sein. Wir tendieren dazu mehr Geld und Zeit für andere aufzubringen, weil wir gerne helfen, als für uns selbst. Manche nehmen sogar Schulden auf, um anderen zu helfen. Doch kann man anderen wirklich helfen, wenn man selbst nichts hat? Eher nicht. Wie die Flugbegleiter*innen bei den Sicherheitshinweisen immer so schön sagen: Zuerst die eigene Sauerstoffmaske aufsetzen, um dann anderen helfen zu können. Es ist vollkommen okay, zuerst an dich zu denken. Je stärker du selbst aufgestellt bist, desto besser kannst du andere unterstützen.

2. Sich den Umständen ergeben

Ich höre zu oft Sätze wie: „Tja, so sind die Dinge eben.“ Tja, ich verdiene eben nicht mehr. Tja, mein Kollege wurde eben befördert, nicht ich. Tja, ich habe eben diesen Kredit für das Haus. Tja, ich arbeite eben Teilzeit, um mich um die Kinder zu kümmern. Tja, wir Frauen werden eben von der Politik vernachlässigt. „Die Dinge“ müssen nicht so sein. Bei finanzieller Unabhängigkeit geht es darum, genug Geld zu haben, um dein Leben so zu leben, wie du es möchtest und dir keine Sorgen um Geld machen zu müssen. Ob du finanziell unabhängig wirst, liegt in deiner Hand. Für dein Leben bist allein du verantwortlich, nicht deine Chefin, nicht dein Partner, nicht die Bank, nicht der Staat und nicht „die Dinge“. Ja, es gibt gewisse Umstände, aber es liegt an dir daraus das Beste für dich zu machen.

3. Analysis Paralysis

Daran leide ich auch gerne mal: Analysis Paralysis. Die Perfektionistinnen unter uns kennen es nur zu gut. Aus Angst einen Fehler zu machen, analysiert man, recherchiert noch mehr, liest doch noch ein weiteres Buch, fragt doch noch zwei weitere Experten sowie Mama und Papa um Rat. Die Entscheidung, die es zu treffen gilt, wird dadurch immer weiter hinausgezögert oder im Worst Case komplett verhindert. Wir haben am Ende zu viele Informationen und Meinungen. Zu viele Daten, die uns letztendlich überfordern. Aus dem geplantem ETF-Portfolio, das eigentlich schon steht, wird dann doch nichts weil man sich nicht für einen ETF entscheiden kann. Es gibt keine perfekte Investment-Strategie. Wenn es sie gäbe, würden sie alle verfolgen. Wenn du die gröbsten Fehler vermeidest (beispielsweise auf deine 4 Gs achtest), fährst du wunderbar. Ganz egal, ob dein ETF ein Fondsvolumen von 20 oder 25 Millionen Euro hat. Just do it.

4. Für zu wenig Geld arbeiten

Gerade letzte Woche sprach ich mit einer jungen Frau, die erzählte, dass ihr männlicher Kollege in ähnlicher Position doppelt so viel verdient, wie sie. Das Doppelte! Nicht 21 Prozent mehr, sondern 100 Prozent mehr! Warum verdient sie nicht 100 Prozent mehr? Weil sie schlecht verhandelt hat und es tagtäglich tut. Denn beim Gehalt geht es nicht nur um Verhandlungsgeschick im konkreten Verhandlungsgespräch, sondern darum, wie du dich täglich präsentiert und deine Erfolge positioniert. Wenn du beim Performance Review ausschließlich Sätze schreibst, wie „Durch intensive Bemühungen hat unser Team sein gemeinsames Ziel erreicht“ wirst du nie die Lorbeeren für deine Arbeit bekommen. Wer soll dann befördert werden? Das ganze Team? Es geht hier um dich. Was hast DU erreicht? Weißt du, was der Mann in deinem Team schreibt? „Ich habe die KPI um 20% übererfüllt.“ Und dann formuliert er den Satz noch zweimal um, und schreibt diese Versionen als weitere Erfolge auf. Wischiwaschi gegen harte Fakten. Wir gegen ich. Trau‘ dich deine Erfolge als solche anzuerkennen und sie zu kommunizieren. Es geht ja nicht einmal darum zu lügen, sondern einfach nur die Wahrheit zu sagen. Und die lautet, dass du einen verdammt guten Job gemacht und dein Team zum Erfolg geführt hast. Nicht umgedreht. Und für die nächste Gehaltsverhandlung gönnst du dir einen Verhandlungscoach anstatt dir „Tipps“ von Papa zu holen.

Noch eine Sache: In meinem Umfeld, gerade bei selbständigen Frauen, erlebe ich immer wieder, dass teilweise gar kein Geld für erbrachte Dienstleistungen verlangt wird. Es werden Freundschaftsdienste gemacht, Beträge abgerundet und so weiter. Wenn du babysittest und 8 Stunden auf die kleinen Racker aufpasst, kostet das 8 mal deinen Stundenlohn. Nicht nur 7 mal, weil der Betrag dann eine runde Summe ist. Und auch nicht 6 mal, weil die Mama gerade nicht mehr Geld zur Hand hat. Und auch nicht 7,5 mal weil die Kleinen eine halbe Stunde Mittagsschlaf gemacht haben. Verlang‘ das Geld, das dir zusteht. Du wirst aufgrund dessen nicht weniger gemocht werden. Es rechnet doch jeder damit, dass er 8 Stunden bezahlen muss, wenn er 8 Stunden in Anspruch nimmt.

5. Überleben statt Reichtum

Ich glaube, dass viele Frauen zu kleine Ziele haben. In Sachen Geld geht es meist darum, was man zum Leben braucht, aber selten darum, ein stattliches Vermögen aufzubauen oder gar – Achtung! – reich zu werden. Manche Frauen mögen haben, was sie brauchen, aber nicht was sie eigentlich wollen. Doch anstatt nach den Sternen zu greifen, geben sie sich mit dem zufrieden, was sie haben. Sie wollen nicht als habgierig erscheinen, sondern „lernen mit dem zufrieden zu sein, was man hat.“ Warum genau soll man das? Warum soll ich mich mit einem Verdienst von 40.000 Euro zufrieden geben, wenn es nicht genug ist, um mir meine Träume erfüllen zu können? Warum soll ich mich mit einem Einkommen von 100.000 Euro zufrieden geben, wenn es immer noch nicht genug ist, um mir meine Träume erfüllen zu können? Ich finde, man sollte sein Leben nach seinen Träumen und Zielen richten, nicht seine Träume und Ziele nach seinem Leben (sorry, ging nicht unkitschiger). Trau‘ dich groß zu denken und die Ziele anzuvisieren, die dich glücklich machen. 

Fazit

Wenn du dich in dem einen oder anderen Punkt wiedergefunden hast, ist das gut. Denn das bedeutet, dass du reflektiert genug bist, um dein Denken und Handeln zu verstehen und zu verbessern. Überleg‘ dir vielleicht noch, welche Fehlerchen dir außerdem unterlaufen. Frag‘ eine Freundin oder Kollegin um Feedback. Und dann heißt es: Machen statt Quatschen. Wachsen statt leiden. Wenn du in einem Bereich Defizite hast, versuche diese Defizite zu beseitigen. Rede mit anderen über dein „help others first“-Syndrom, frag deinen männlichen Kollegen, wie er sein Gehalt verhandelt hat, suche dir einen Coach, der dir hilft deine hinderlichen Glaubenssätze zu beseitigen, schreibe Erfolgstagebuch, um selbstbewusster zu sein. Dir fallen sicherlich noch weitere Methoden ein.

Schicke diesen Artikel an alle Frauen, die ihn ebenfalls lesen sollten 😉

Let’s go, Ladies!

(Extra großes GIF)

Foto: Shashank Kumawat

5 Kommentare

  1. Sollte ich mitbekommen, dass ein Kollege von mir für dieselbe Arbeit 100% mehr bekommt dann bin ich in Nullkommanichts beim Chef, denn das wäre ja ein ganz dicker Hund. Und keine Frau hat etwas zu verlieren in solch einer Situation.

    Aber vielen Frauen ist das Geld aber auch nicht so extrem wichtig, es gibt wesentlich wichtigere Dinge im Leben. Zum Beispiel die eigene Familie. Und das ist auch gut so.

    Ein sehr guter Artikel, lesenswert wie immer.

    LG Heike

  2. Finanzwesir

    Hallo Natascha,
    „Und für die nächste Gehaltsverhandlung gönnst du dir einen Verhandlungscoach anstatt dir „Tipps“ von Papa zu holen.

    Kommt aber auf den Papa an, ne 😉

    Gruß
    Finanzwesir

  3. Liebe Natascha,
    ich hätte da noch einen typischen Fehler, einen 6. – der ganz weit oben steht:

    Verdrängen.
    Verdrängen, dass wir Frauen schön alt werden und dafür Geld brauchen! Viel Geld. Verdrängen, dass ich mich besser meinem Geld zuwende, als wieder an neue Schuhe/Klamotten/Urlaub zu denken. Verdrängen, dass der Dispo nicht ohne mein Tun weg geht. Verdrängen, dass zwar kaum noch Geld auf dem Konto ist aber … egal. … verdängen und verschieben auf Morgen. Und dann nichts tun.

    Zum Fehler Nummer 4 hätte ich Marion Knaths beizusteuern. Sie kennt das mit der weiblichen Zurückhaltung im Job – und kennt die Strategien, wie Frauen geschickter vorgehen können.
    https://www.geldfrau.de/grundwissen/job-gehalt-gespraech-sheboss-marion-knaths/

    Liebe Grüße aus Hamburg schickt Dani 🙂

    • Liebe Dani,

      oh ja, Verdrängung ist ein weiterer typischer Geldfehler. Wir Frauen machen oft den Vogelstrauß, wenn es um unsere Finanzen geht. Kopf in den Sand und warten, was passiert. Kommt in den Folgeartikel, danke!

      Beste Grüße aus Berlin!
      Natascha

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