Tulpenfieber – Was wir aus der 1. Spekulationsblase der Welt lernen können

Trotz des fantastischen Sommerwetters trafen sich ein paar hartgesottene Moneypennys am letzten Mittwoch im Kino im Prenzlauer Berg in Berlin, um den Film „Tulpenfieber“ zu sehen. Der Titel spielt auf die erste Spekulationsblase der Geschichte an, als wild mit Tulpenzwiebeln spekuliert wurde – bis die Blase schließlich platzte. Leider ging es in dem Film nur am Rande um die Tulpenkrise und mehr um eine Lovestory, die zufällig in der Zeit um 1637 stattfand. Dennoch regte der Film mich dazu an, diese erste Blase der Geschichte weiter zu erforschen.

Was ist die Tulpenkrise, was passierte und warum?

Die Tulpenkrise ereignete sich im 17. Jahrhundert in den Niederlanden. Ein Gesandter des deutschen Kaisers in der Türkei verliebte sich in die Blume und brachte sie zunächst nach Augsburg, von wo aus sie schnell den Weg in die Niederlande fand. Allmählich wurde die Tulpe ein Beweis des sozialen Aufstiegs. Häuser wurden mit Tulpen verschönert, die eleganten Damen trugen sie als Schmuck zu ihren Kleidern. Es gehörte zum guten Ton, seltene Tulpen zu sammeln, die der Nachbar noch nicht hatte. Tulpen wurden zum Statussymbol.

Die Tulpenhysterie dauerte einige Jahre. Jeder wollte mehr, schönere und vor allem seltenere Tulpen haben als alle anderen Bürger. Aufgrund der steigenden Nachfrage zogen die Preise an. Bald fingen die ersten Leute an, ihr Geld in Tulpenzwiebeln anzulegen, um von den steigenden Preisen zu profitieren. Große Umsätze lockten weitere Spekulanten an, die sich bis dato an der Amsterdamer Börse mit Aktien befasst hatten. Bald explodierten die Preise für Tulpenzwiebeln. Angeblich konnte man für den Preis von 3 Tulpenzwiebeln damals ein komplettes Haus in Amsterdam kaufen. Jeder wollte dabei sein, schnell das große Geld machen.

1637 dann der Nadelstich: Ein großer Kunde musste bei seinem Tulpenlieferanten feststellen, dass alle ihm präsentierten 350 Sorten bereits in großen Mengen auf dem Markt waren und den Reiz der Rarität verloren hatten. Plötzlich erkannten auch die Spekulanten die Tulpeninflation. Und plötzlich wollten alle ihre Zwiebeln verkaufen, doch es fanden sich keine Käufer. Niemand wollte die wertlosen Dinger haben. Aufgrund der rückläufigen Nachfrage fielen die Preise rapide. Spekulanten, die gestern noch Tulpenmillionäre waren, waren heute mindestens so arm wie zuvor. Viele waren sogar verschuldet weil sie sich Geld geliehen hatten, um bei dem totsicheren Ding mit dabei sein zu können.

Was können wir daraus lernen?

1. Irrationales Herdenverhalten bläht die Blase auf

Wenn Menschen tun, was alle tun weil alle es tun, ist das meist kein gutes Zeichen. Sie folgen blind der Herde und vertrauen darauf, dass sich so viele Menschen schon nicht irren. Man will dabei sein, mit den Erfolgen prahlen und nicht im Büro ausgelacht werden, wenn alle das große Geld scheffeln nur man selbst nicht. Dieses irrationale Herdenverhalten sollte man meiden.

2. Zittrige am Markt begünstigen das Platzen der Blase

Das Herdenverhalten bringt Zittrige an den Markt. Hartgesottene an der Börse haben eine Strategie, Zittrige laufen blind hinterher. Die Zittrigen sind die, die das Platzen einer Blase so richtig ins Rollen bringen. Wenn viele Zittrige am Markt sind, die von Gier getrieben werden und vollkommen unwissend sind, und dann der Kurs einen Knick bekommt, kriegen die Zittrigen Panik und verkaufen sofort. Die anderen Zittrigen machen es nach und schon geht es abwärts. Einer ruft „Feuer!“ und alle stürzen zum Notausgang. Woran erkennt man, dass viele Zittrige am Markt sind? Wenn dein ahnungsloser Nachbar investiert hat.

2. Gier und Angst beherrschen die Blasen-Akteure

Die beiden Emotionen, von denen Akteure ohne Strategie stets beherrscht werden, sind Gier und Angst. Die Gier nach schnellem Erfolg, nach Status, treibt die Menschen in Geldgeschäfte, die sie nicht verstehen und deren Risiken sie nicht kennen. Es muss mehr Erfolg sein, mehr Geld, mehr Reichtum. Tulpen-Millionäre wollen Tulpen-Milliardäre werden. Wenn die Kurse dann überraschender Weise nicht jahrelang nur noch oben zeigen, wird aus der Gier Angst und alle wollen sofort raus aus dem totsicheren Ding. Die Blase platzt.

4. Es geht nie nur nach oben

An der Börse geht es nie 15 Jahre nur nach oben oder 15 Jahre nur nach unten. Börsenkurse pendeln sich langfristig um den Mittelwert ein. Das schlaue Wort dafür lautet Regression zum Mittelwert. Dieses Phänomen kennen wir aus der Natur: Wenn größerer Eltern stets größere Kinder bekämen, hätten wir schon Riesen unter uns. Wie pendelt sich ein Börsenkurs ein? Indem nach einem Hoch ein Tief folgt und umgekehrt. Das ist die Natur der Sache und wird immer so sein.

5. Anleger*innen haben die besten Chancen verschont zu bleiben

Eine der ersten Lektionen in meinen Seminaren ist der Unterschied zwischen Spielern und Anlegern an der Börse. Spieler sind auf kurzfristige Gewinne aus, kaufen und verkaufen am laufenden Band, um schnell ein paar Euro zu verdienen. Sie haben weder Ahnung noch Strategie und sind daher sehr anfällig für Trends – die zu Blasen werden können. Anleger hingegen denken langfristig, Buy-and-hold ist ihr Motto, sie handeln getreu ihrer langfristigen Ziele und Strategie (bspw. passives Investieren). Der Vorteil für Anleger*innen: Wer nicht aufs schnelle Geld aus ist, wird nicht in eine Blase geraten. Langfristig orientierte Anleger*innen hätten damals gar kein Interesse an Tulpenzwiebeln gehabt.

Fazit

Letztendlich ist es egal, ob man sich die Tulpenkrise oder die Dot-Com-Bubble als Musterbeispiel vornimmt. Blasen verlaufen immer nach dem gleichen Schema mit den gleichen Akteuren. Die Verlockung auf das große Geld ist sicherlich in solchen Phasen enorm. Diesem Drang zu widerstehen, keine „Topstory“ im Büro zu haben sondern langweilig langfristig, bspw. in ETFs, zu investieren, wird sich aber am Ende auszahlen.

Foto: pixabay.com

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