Investieren für Anfänger*innen

Ich kann nicht sparen – dafür habe ich momentan noch kein Geld. Das ist die Nummer eins Ausrede von Frauen (und Männern) unter 30 dafür die Themen Altersvorsorge und Vermögensaufbau in die Zukunft zu schieben.

Dabei kann man auch mit geringen finanziellen Mitteln langfristig ein großes Vermögen aufbauen. Wenn man in jungen Jahren die Disziplin hat und das Wissen, wie es funktioniert. 

Anfang letzten Jahres hat mich Anna Caterina Helm von ZEITjUNG genau zu diesem Thema interviewt. Darüber haben wir gesprochen:

  • Junge Menschen & Altersvorsorge – passt das?
  • Was sind die besten Investments für Anfänger*innen in Zeiten von Corona? 
  • Beschweren sich Männer, weil ich mich exklusiv an Frauen richte?

Du möchtest dir das Ganze lieber als Podcast anhören?

Jetzt anhören und abonnieren auf

Anna: Menschen unter 30 sagen, sie hätten kein Geld für die Altersvorsorge übrig. Wie stehst du dazu?

Natascha: Für mich heißt das, dass sie gerade kein Geld übrig haben, weil sie ihr Leben so leben, wie sie es eben leben. Hier stellt sich die Frage, wie man ‘übrig haben definiert’ und wie man das ändern kann. Selbst als Studentin ohne eigenes Einkommen reicht das Geld meist fürs Party machen oder den Kinobesuch. Klar ist, dass das Thema Altersvorsorge für junge Menschen nicht sehr dringlich scheint. Trotzdem lohnt es sich immer, etwas Geld zur Seite zu legen. 

Mein Tipp: Schaut nicht, was am Ende des Monats übrig bleibt. In den meisten Fällen wird das nämlich ‘nichts’ sein. Legt stattdessen einen Sparbetrag zu Beginn des Monats beiseite. Den Rest könnt ihr dann ganz nach Belieben und mit einem guten Gefühl ausgeben. 

Bei den allermeisten Menschen ist es möglich, 10% des Einkommens zu sparen. Das gilt auch für die unter 30-Jährigen.

Anna: Du würdest allen unter 30 also empfehlen, 10% ihres Gehalts einzusparen – auch wenn man sich noch nie mit den eigenen Finanzen auseinandergesetzt hat?

Natascha: Genau. Das ist eine relativ einfache Faustregel, an der man sich gut orientieren kann. Man schaut sich sein Gehalt an, rechnet aus, wie viel 10 % davon sind und legt diesen Betrag (am besten per Dauerauftrag) zur Seite. Zum Beispiel auf ein Sparkonto. 

Anna: Verstehe. Wie stehst dazu, dass Geld als Anfänger*in zu investieren, zum Beispiel in ETFs?

Natascha: Gerade für jungen Leuten gilt: Je früher, desto besser. Dabei kommt es weniger auf den Sparbetrag an, sondern viel mehr darauf, dass man es überhaupt tut. Beim Investieren ist Zeit nämlich ein ganz entscheidender Faktor. Stichwort Zinseszins

Gerade jungen Menschen empfehle ich, sich intensiv mit der Börse und Aktien/ETFs zu beschäftigen, um zu verstehen, wie das funktioniert. Dann kann man nämlich die 10% nicht nur sparen, sondern sparen und investieren. 

Wenn man in jungen Jahren die Disziplin und das Wissen hat, wie es funktioniert, ist es möglich, sich langfristig ein richtig schönes Polster aufzubauen, von dem man später profitieren kann.

Anna: Du sagst, man sollte sich Wissen aneignen. Wo kann man sich deiner Meinung nach am besten informieren?

Natascha: Das Schöne ist, dass es alle Infos da draußen frei verfügbar gibt. Es gibt tolle Youtube Kanäle, Blogs und Podcasts, mit deren Hilfe man sich kostenlos informieren kann. 

Das kostet natürlich Zeit. Die Alternative für diejenigen, die Zeit sparen wollen, ist, Geld z.B. für Bücher auszugeben. Darin findet man Hinweise zu weiteren Ressourcen, die dann wiederum auf andere Inhalte verweisen. 

So kann man mit wenig monetärem Aufwand viel Wissen bekommen, dass dann natürlich vor allem umgesetzt werden muss.

Anna: Ist es für Anfänger*innen auch in diesen Zeiten (mitten in der Wirtschaftskrise) empfehlenswert, Geld anzulegen?

Natascha: Ich finde, dass es für Anfänger*innen gerade jetzt eine wunderbare Zeit ist, anzufangen. Eine Wirtschaftskrise ist eine Feuerprobe und andere müssen darauf jahrelang warten, um herauszufinden, wie sie in solchen Zeiten tatsächlich reagieren. 

Psychologisch gesehen ist es deshalb super, sich direkt zu Beginn mit den Unsicherheiten und Risiken auseinanderzusetzen. Hinzu kommt, dass die Aktienkurse besonders niedrig sind und man mehr Anteile an einem ETF für weniger Geld kaufen kann. Wer günstig einkauft, erhöht bei steigenden Kursen natürlich seine Gewinne über die nächsten Jahre. 

Vorher ist aber es aber ganz wichtig, sich das Wissen anzueignen. Ansonsten kann es schnell passieren, dass Anfänger Panik bekommen, wenn sich die Kurse doch anders entwickeln als erwartet. Wenn sie zum Beispiel doch noch weiter in den Keller rutschen und man im Depot nur rote Zahlen sieht. 

Wenn man in solchen Momenten verkauft, hat man nicht nur auf dem Papier, sondern im realen Leben Verlust gemacht und das wollen wir natürlich vermeiden. 

Mein Tipp:Wissen aneignen, FOMO (‘Fear of missing out’) ausschalten & dann ganz entspannt loslegen und günstig einkaufen.

Anna: Findest du, dass junge Frauen im Vergleich zu älteren Frauen heute besser aufgestellt sind?

Natascha: Schwer zu sagen. Wenn wir jung als U30 und älter als Ü50 definieren, auf jeden Fall. Ich habe Frauen mit Mitte 50 in meinen Kursen, die das Thema in Angriff nehmen. Richtig cool, denn es ist immer besser später als nie, aber es fehlt oft die Zeit, um wirklich noch ein großes Vermögen aufzubauen. 

Ich nehme wahr, dass junge Frauen aufgeklärter sind. Glaubenssätze wie ‘Der Mann ist der Ernährer’ sind weniger stark verbreitet. 

Allerdings sind wir noch weit davon entfernt, dass jede junge Frau in Deutschland genug Finanzwissen hat, um sich ein gutes finanzielles Polster fürs Alter aufzubauen. 

Ja, es gibt den Trend zu mehr Aufgeklärtheit in den Generationen. Trotzdem liegt noch ein langer Weg vor uns.

Anna: Du hast deinen Blog vor 4 Jahren gegründet und vor Kurzem deine 100. Podcastfolge veröffentlicht. Deine Facebookgruppe hat über 70.000 Mitglieder. Hast du das Gefühl, die Fragen aus der Community haben sich in dieser Zeit verändert?

Natascha: Bunt gemischt. Zum einen gibt es die Ladys, die mich schon lange begleiten und sich gemeinsam mit mir entwickelt haben. Die stellen natürlich nicht mehr die Standard-Anfängerfragen. Weil mich natürlich noch nicht die ganze Welt kennt, kommen genauso aber auch immer neue Frauen dazu, die am Anfang stehen und sich die Fragen stellen, die ich mir auch vor 5 Jahren gestellt habe. Die bleiben wohl auch immer die Gleichen. 

Das Schöne ist, dass sich die Community da gegenseitig total unterstützt. Egal, wo frau steht, sie wird mit auf die Reise genommen.

Anna: Wenn man sich die Kommentare in der Facebook Community anschaut, findet man überwiegend positive, wertschätzende & motivierende Kommentare. Gibt es auch mal Negative?

Natascha: Kommt auch vor, allerdings sehr selten. Ich frage mich manchmal selbst, woran das liegt – vielleicht hab ich eine angsteinflößende Wirkung auf andere… 

Was es durchaus gibt:

  1. Konstruktive Kritik. Von Hinweisen auf Rechtschreibfehler in meinem E-Book über Rechenfehler, die mir unterlaufen, hinzu unverständlichen Erklärungen mit der Bitte, das nochmal verständlicher zu erklären. 
  2. Menschen, die sich auf die Füße getreten fühlen. Mit meiner direkten Art, auch unangenehme Wahrheiten anzusprechen, können nicht alle umgehen. 

Richtig böse Kommentare gehen aber tatsächlich gegen null.

Anna: Ein Kollege sagte neulich im Gespräch, dass er es interessant fände, dass es so etwas nur für Frauen gibt. Die Themen Altersvorsorge und Vermögensaufbau hätten ja eigentlich nichts mit dem Geschlecht zu tun. Gab es Männer, die sich darüber beschwert haben?

Natascha: Es gibt immer diejenigen, die in Frage stellen, warum sich meine Angebote nur an Frauen richten, was ja durchaus eine nachvollziehbare Frage ist. Der Erfolg zeigt aber deutlich, dass es eine Daseinsberechtigung gibt. 

Die Tatsache, dass das Wissen von einer Frau vermittelt wird, macht es für einige einfacher, sich diesen Themen zu öffnen. Hinzu kommt, dass es Herausforderungen gibt, mit denen vorrangig Frauen konfrontiert sind: 

  • Abhängigkeiten (z.B. vom Mann)
  • Teilzeitarbeit
  • Care-Arbeit
  • Rentenlücke

All das sind Themen, die adressiert werden müssen und die speziell Frauen betreffen.

Männer haben das nicht unbedingt auf dem Schirm, weil es sie nicht berührt. Weil sie einen anderen Lebenslauf haben. Sie machen eben in aller Regel keine Babypause oder arbeiten in Teilzeit. 

Das Ergebnis ist das Gleiche, ja! Egal, ob Mann oder Frau geht es darum, einen Finanz- bzw. Sparplan aufzustellen und sein Geld zu investieren. Der Unterschied ist die Herangehensweise und die Ansprache sowie eine Community, die es Menschen erlaubt, sich in einer geschützten Umgebung diesen Themen zu öffnen.

Anna: Was wünscht du dir für die Zukunft.

Natascha: In puncto Finanzen wünsche ich mir politische Veränderungen. 

Zuallererst fallen fällt mir Folgendes ein: 

  • Reform des Ehegattensplittings
  • Ein Steuersystem, das die Bedürfnisse von Frauen besser berücksichtigt
  • Entlastung für Alleinerziehende. 

Ansonsten würde ich mir wünschen, dass alle Frauen Deutschlands, Europa, der Welt, sich mit ihren Finanzen beschäftigen und auf eigenen Beinen stehen können. Dafür gehe ich mit Madame Moneypenny los. 

Warum?

Weil ich glaube, dass starke Frauen unabhängige Frauen sind und das unsere Welt starke Frauen braucht. Immer dann, wenn wir nicht auf andere Systeme oder Menschen angewiesen sind, können wir machen, worauf wir Bock haben. Und wenn wir richtig Bock auf etwas haben, sind wir am Stärksten.

Finanzen sind also mein Hebel, um die Frauen in der Welt zu stärken.

Anna: Hast du ein Lebensmotto und wenn ja, welches ist das?

Natascha: Es gibt verschiedene Mottos, die sich immer mal wieder abwechseln. 

Ein Lebensmotto, was mich schon eine Weile begleitet: Einfach mal drauf scheißen. 

Ich glaube, dass wir uns oft viel zu sehr von den Meinungen anderer beeinflussen lassen. Das gilt in allen Lebensbereichen, aber eben auch im Bereich Finanzen. Wenn wir es schaffen, mehr auf uns selbst zu vertrauen und einfach mal drauf zu scheißen, was andere dazu zu sagen haben, würden wir unbeschwerter durchs Leben gehen. 

Sowohl unsere Zeit als auch unsere Energie sind begrenzt. Deshalb sollten wir alle ganz genau überlegen, wie wir damit umgehen und auch hier einfach mal auf die ein oder andere Sache zu scheißen, weil sie es nicht wert ist. 

Ab und an einfach mal gehörig auf alles zu scheißen, trägt ungemein zum Glücklichsein bei. 

Hat dir das Interview gefallen, dann lass uns gerne einen Kommentar da.

0 Shares

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.