Was hast du vom Leben gelernt, Birgit Schrowange?

Madame Moneypenny meets Birgit Schrowange. Birgit Schrowange ist bekannt aus dem Fernsehen. Sie arbeitete bei Sendern wie dem WDR, dem ZDF und natürlich RTL. Neben ihrer Karriere als Moderatorin, engagiert sie sich ehrenamtlich und erhielt 2008 die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihr Engagement gegen Kinderarmut. Ihr neuestes Buch “Birgit ungeschminkt – Vom Leben gelernt”* wurde kürzlich veröffentlicht.

Birgit Schrowange spricht mit mir über ihren Lebensweg, über Erwartungen von anderen und was frau damit tun sollte. Wir sprechen über Alphamännchen bei den Sendern, graue Haare & Perücken, Durchhaltevermögen, Penetranz und ein dickes Fell. Und natürlich über Vermögensaufbau. Viel Spaß damit! 

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Über Birgits Werdegang

Birgit ist 1958 geboren. Ihre Mutter war Hausfrau, ihr Vater Handwerker und das klassische Rollenbild damals war Frauen am Herd. Birgit machte die mittlere Reife und eine Ausbildung zur Notargehilfin. Mit 14 bekam ihre Familie den ersten Fernseher und Birgit war sofort von dieser Welt fasziniert. “Ich habe die Fernsehansagerinnen gesehen und wollte das auch werden”, verrät sie mir. Nach ihrer Ausbildung bewarb sie sich heimlich beim WDR. Es klappte! Sie begann als Stenotypistin, wurde dann Redaktionsassistentin, moderierte das Schulfernseh-Programm, wurde Fernsehansagerin beim ZDF, arbeitete für die Sendung ‘Die aktuelle Stunde’ beim WDR. Stück für Stück sei sie ihren Weg gegangen – mit viel Learning by Doing, sagt Birgit. 

Aber sie sei auch auf Gegenwind gestoßen. Sie habe im Büro mit 2 Kolleginnen gearbeitet, die überhaupt nicht verstanden, warum sie weiterkommen wolle. Wieso sie immer so viel wolle?, fragten sie.

Auch ihre Eltern konnten ihren Ehrgeiz wenig verstehen. Da spielte ihrer Meinung nach auch eine Rolle, dass sie auf dem Land großgezogen wurde. 

Ob das Umfeld entscheidend für Karriere- oder Lebensweg sei, frage ich sie. Sie habe sich einfach immer etwas zugetraut. Woher das genau kam, könne sie auch nicht sagen. Sie wollte einfach raus. Sie habe auch nicht heiraten wollen oder den Mann fragen wollen, ob sie sich einen Lippenstift kaufen dürfe. Sie habe selber Geld verdienen und etwas erreichen wollen.

“Ich war, glaube ich, schon eine frühe Feministin.”

Über Alphamänner

Alphamänner habe es sehr viele gegeben. In ihrem ganzen Leben habe sie Erfahrungen mit ihnen gemacht. In der Zeit, in der sie groß geworden sei, seien Frauen belächelt worden. Es sei eine reine Männerwelt gewesen, in der diese das Sagen hatten.

Aber sie habe auch Rivalitäten unter Frauen erlebt. Beim ZDF zum Beispiel hatten die älteren Ansagerinnen Angst, dass neue Mitarbeiterinnen ihnen die Show stehlen könnten. So habe sie nie werden wollen. Sie habe aber auch viel von anderen Frauen wie Petra Schürmann lernen können. Sie sei ein bisschen ihr Vorbild gewesen.

Der Umgang mit Alphamännern sei nicht einfach, da die Frauen ihrer Generation nicht so viel Selbstbewusstsein hätten und bescheiden seien und auch so erzogen worden seien. Deswegen würden Frauen auch heute noch weniger Geld als Männer verdienen. “Männer plustern sich auf und Frauen nehmen sich immer ein bisschen zurück”, so Birgit.

Sie selbst habe sich damals gegen ihren Sendeleiter beim ZDF wehren müssen, der ihr das Leben schwer machte. Das sei eine schwierige Zeit gewesen. Sie sei dann aber zum Intendanten des ZDFs gegangen, um sich zu wehren. 

Wir sprechen über die Top 5 Eigenschaften, die Birgit rückblickend dorthin gebracht haben, wo sie heute ist: Für sie sind das Durchhaltevermögen, Beharrlichkeit, Penetranz, ein dickes Fell, und der Glaube an sich selbst.

Über negative Schlagzeilen

Ich frage Birgit Schrowange nach ihrer Strategie mit negativen Schlagzeilen umzugehen. Sie sagt, dass gute Freunde helfen.

Die schlimmste Schlagzeile vor fast 40 Jahren sei gewesen, dass sie ein lesbisches Verhältnis mit ihrer Freundin Isabel Varell habe. Sie habe sich jeden Tag auf der Bildzeitung gesehen und Angst gehabt ihren Job zu verlieren. Lesbisch zu sein war zu dieser Zeit noch etwas Schlimmes. Zum Glück sei sie vom ZDF aber nicht gekündigt worden. Trotzdem beschreibt sie es als “ganz, ganz schlimme Zeit.” Selbst ihre Mutter habe geglaubt, sie sei lesbisch. 

Eine andere Schlagzeile lautete, dass sie angeblich etwas mit einem Mörder gehabt hätte. Bei so was müsse man sich einfach ein dickes Fell zulegen, erzählt sie. Das gelte auch für Bewertungen und Kommentare, die sich auf das Äußere beziehen (zu dick, zu dünn, usw.). Das sei das Schöne am Älterwerden, das einem so etwas egal sei. So machen ihr zum Beispiel Hater-Kommentare auf Facebook wegen ihrer grauen Haare nichts aus. Als sie aufhörte, sich ihre Haare zu färben, sei sie so richtig sie selbst geworden. Das habe sie immer gewollt.

“Ich muss es heute niemandem mehr Recht machen, außer mir selbst!”

Dem kann ich nur zustimmen. Darüber zu stehen und zu wissen, wer man selbst ist. Es wird immer Leute geben, die alles kacke finden.

Über RTL Extra und warum Birgit aufgehört hat

Sie habe schon länger mit dem Gedanken gespielt und habe diese Entscheidung selber treffen wollen. Sie habe selbst den richtigen Zeitpunkt setzen wollen. Nach 25 Jahren schien es der richtige Moment.

Es sei eine tolle Sendung gewesen und es habe ihr unglaublich Spaß gemacht. In den letzten Jahren habe sie dann aber gemerkt, dass es nicht mehr so zu ihr passe. Sie hat die Sendung an Nazan Eckes abgegeben. Nur wegen des Geldes habe sie nicht weitermachen wollen. Dazu kam, dass sich ihre private Situation verändert hatte. Seit 3 Jahren hat Birgit Schrowange einen Lebensgefährten in der Schweiz. 

Nach 40 Fernsehjahren habe sie etwas raus aus der Öffentlichkeit gewollt. Sie wolle sich auf Dinge, die sie erfüllen, konzentrieren, Prioritäten woanders setzen und ihr Leben entschleunigen.

Ob das auch ein Freiheitsgefühl für sie gewesen sei, erkundige ich mich. Sie antwortet mit einem klaren ‘Ja’. Es sei eine wahnsinnig spannende Zeit gewesen, in der sie tolle Sachen erlebt habe. Dafür sei sie sehr dankbar. Trotzdem fühle sie sich jetzt frei und befreit, zum Beispiel nicht mehr überall angesprochen zu werden.

Über Geldverhalten

Die ersten Jahre habe sie wenig Geld gehabt und bescheiden gelebt. Schon mit 17 habe sie angefangen, 10 % Prozent ihres Gehalts zu sparen. Damals gab es noch Zinsen auf dem Sparbuch. So ein finanzielles Polster gebe Sicherheit, so Birgit Schrowange – und auch die Freiheit ‘Nein’ zu bestimmten Jobs zu sagen. Ihre Eltern haben ihr mitgegeben, an die Altersvorsorge zu denken.

Sie kenne viele Menschen, die viel Geld verdient haben und jetzt nichts mehr besitzen, weil sie alles ausgegeben haben. Wichtig sei nicht, wie viel man verdiene, sondern wie viel man spare. So sei es auch wichtig, sich bewusst zu werden, wo das Geld hingehe zum Beispiel mit einem Haushaltsbuch oder einer Haushaltsapp. 

Während ihrer Beziehung mit einem Amerikaner, der in New York lebte, sei sie das erste Mal mit Aktien in Berührung gekommen. Sie beschreibt die Aktienkultur der Amerikaner als ganz anders als die der Deutschen. Alle Amerikaner haben Aktien und sparen auch für die Altersvorsorge in Aktien, erzählt Birgit. Zum Vergleich: Weniger als 20% der Deutschen investieren in Aktien.

Sie sei dann zu ihrem Bankberater in Köln gegangen und habe auch in Aktien investieren wollen. Mittlerweile investiert sie seit 30 Jahren in Aktien, ETFs und aktive Fonds. Sie habe schon alle Krisen mitgemacht. Auch für ihren Sohn spart sie in Form von Fonds.

Über graue Haare und Perücken

Als Birgit aufhörte sich die Haare zu färben, gab es in der Öffentlichkeit große Diskussionen – ähnlich wie bei Alicia Keys als sie verkündete sich nicht mehr zu schminken. Ich frage Birgit, wie es zu dieser Entscheidung kam.

Als sie anfing für das Lifestyle-Magazin Sendungen „Life – Die Lust zu leben“, bei RTL zu arbeiten, meinte der damalige Chefredakteur, sie solle sich die Haare färben. Damals war es für sie ok. Nach der Geburt ihres Sohnes und nachdem die Sendung eingestellt wurde, versuchte sie ihre Chefs zu überzeugen, sich die Haare rauswachsen zu lassen. Sie wollten das aber nicht. 

Vor 3 Jahren startete eine neue RTL Show „This time next year“, die von einer Freundin von Birgit produziert wurde. Im Rahmen dieser Show hörte sie auf, sich die Haare zu färben. Ein Jahr lang trug sie für die Sendung eine Perücke. Niemand durfte es wissen. Nach diesem Jahr präsentierte sie sich mit grauen Haaren. In der Perücken-Zeit lernte sie auch ihren heutigen Freund kennen. Sie sei sehr glücklich mit ihren Haaren.

“Warum sollen nur Männer mit grauen Haaren schön aussehen, ich finde auch Frauen sehen damit gut aus.”

Über Birgits Buch

Ihr Buch “Birgit Ungeschminkt – Vom Leben gelernt”* sei ein Mut-mach-buch für Frauen ihrer Generation, aber auch für jüngere Frauen. Es reflektiere die 40 Jahre vor der Kamera. Es gehe darum, wie Frauen sind und zu sein haben. Ein großes Thema seien auch Frauen und Finanzen. So gehe es zum Beispiel um finanzielle Unabhängigkeit und Eigenverantwortung.

“Ich möchte Frauen motivieren, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, Verantwortung zu übernehmen. Gerade auch beim Thema Finanzen.”

Über das Leben

Ich frage Birgit Schrowange nach ihren persönlichen Top 3: Was sie vom Leben gelernt hat

  1. Nicht von der Meinung anderer abhängig machen
  2. Sich selber um Finanzen kümmern (nichts kaufen, was man nicht versteht)
  3. Das Leben genießen, es geht schnell vorbei (40 Jahre sind wie im Flug vergangen)

Außerdem können sich Frauen auch von Männern ein bisschen was abschauen: Männer unterstützen sich, während Frauen das nicht immer täten. Birgit betont, wie wichtig es sei, dass wir Frauen unsere Erfahrungen weitergeben, uns austauschen und uns gegenseitig unterstützen. Und auch über Gehälter zu sprechen.

Was sie über das Leben gelernt habe, möchte ich von Birgit wissen. Es sei wichtig, sich bewusst zu machen, dass alle nur mit Wasser kochen. Auch hier könne frau sich etwas von Männern abgucken. Diese machen sich, laut Birgit, wichtig, während wir Frauen uns weniger zutrauen und Angst haben. Viele Dinge, über die man sich Sorge mache, träfen nie ein.

“Ich hab vom Leben gelernt, dass man sich was zutrauen kann.” 

Übers Älterwerden

Viele Frauen haben Angst älter zu werden. Wie sie das Älterwerden empfunden habe und was für sie die Vorteile sind, frage ich Birgit. Die Pflicht ist getan, jetzt kommt nur noch die Kür, antwortet sie. Älter werden sei befreiend. Man sei selbstbewusster, selbstsicherer, wisse was man wolle und was nicht. Sie habe großes Glück nochmal einen netten Mann kennengelernt zu haben, mit dem sie ihre Zukunft plane. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass die Glückskurve bis 54 nach unten ginge, und dann wieder nach oben. Wenn man gesund ist, sei Älterwerden nicht schlimm.

“Ich habe mir wirklich vorgenommen: Die nächsten 20 Jahre sollen die Schönsten meines Lebens werden.”

Vielen Menschen, die vor der Kamera stünden, fiele es schwer aufzuhören, so Birgit. Sie aber habe für sich gelernt, dass es wichtig sei, im Leben loslassen zu lernen.

Wofür es nie zu spät ist, neu anzufangen, frage ich Birgit. Eine Frau solle in sich hineinhören und sich selber glücklich machen. Sie selbst singe sehr gerne und habe vor einige Jahren mit Gesangsunterricht angefangen. Vor einiger Zeit sang sie sogar ein Schlager-Duett mit Andy Borg. Ihr mache es Spaß und es sei ihr egal, was die Leute von ihr denken.

“Wenn eine 60-jährige Frau Bauchtanzen lernen will, dann soll sie das machen.”

Das sehe ich genauso. Es liegt in unserer eigenen Verantwortung uns selbst glücklich zu machen. Birgit glaubt auch, dass man erst, wenn man sich selbst glücklich macht, eine Beziehung haben könne. Sie selbst war 10 Jahre Single und hat mit ihrem Sohn gelebt. Sie habe nie einen Kompromiss-Mann gewollt. Man müsse lernen, alleine klar zu kommen, alles andere sei ein Sahnehäubchen.

Zum Schluss habe ich Birgit noch folgende Sätze vervollständigen lassen: 

GELD… ist neben der Gesundheit sehr wichtig, denn mit Geld kann man sich vor allem Freiheit erkaufen. Geld ist nicht wichtig für Konsum, sondern für Freiheit, für freie Zeit für sich, etc. Geld ist wichtig und Geld sollte man nicht unterschätzen. Man sollte auch nicht sagen, Geld ist nicht wichtig. Diese Glaubenssätze behinderten dann, dass das Geld zu einem fliesst. Geld muss Junge kriegen.

ERFOLG… ist schön, aber nicht das Wichtigste im Leben. Sollte man nicht überbewerten, andere Sachen sind wichtiger. 

FRAUEN…sollten nach dem Spruch meiner Oma leben: “Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommst du ohne ihr.”

Bei „Madame Moneypenny meets…“ treffe ich inspirierende Frauen aus den verschiedensten Bereichen und spreche mit ihnen übers Frausein, das Leben und Erfolg.

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5 Kommentare

  1. Claudia

    Sehr inspirierender Podcast, sehr inspirierende Frauen, Birgit und Natascha! Generationenübergreifendes Ziel: kraftvoll, gelassen und vermögend zu sein. Die Zukunft ist weiblich 😉

  2. Das Interview ist klasse und Birgit Schrowange eine ganz tolle Frau! Ich bin selber Ende 50 und bin in ähnlichen Verhältnissen groß geworden. Birgit kenne ich natürlich noch gut als Fernseh-Ansagerin (und Daliah Lavi kenne ich natürlich auch). Ich erinnere mich, dass Birgit in meinem jungen Erwachsenensein im Bekanntenkreis schon teilweise anders wahrgenommen als andere Assistentinnen und Ansagerinnen. Sie war damals schon nicht stromlinienförmig und hatte ihre eigene Vorstellung vom Leben. Ihr Selbstbwusstsein irritierte nicht nur die Männer – sondern auch sehr die Frauen, die sich ohne die Dinge zu hinterfragen ganz selbstverständlich in ihre damalige Rolle fügten.
    Ich habe in dem Interwiew mich teilweise selbst wiedergefunden, Wirklich, absolut großartig!

  3. Daniela

    Liebe Natascha,

    viel bleibt nicht zu sagen, außer DANKE für dieses hammermäßige Interview.
    Bestätigung pur und das aus der Generation meiner Eltern 😉 Hört man leider viel zu selten. Ich werde es gleich an meine Mum weiterschicken 🙂
    Mein perfekter Start in den Sonntag!

    Grüße aus München
    Daniela

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