Geniale Frauen – Oprah Winfrey

Wenn eine Frau für diese schmucke Rubrik „Geniale Frauen“ wie gemacht zu sein scheint, dann ist es definitiv Oprah Winfrey. In Deutschland haben sie die meisten wahrscheinlich „nur“ als superreiche Talkshow-Queen abgespeichert. Für die Amerikaner ist Oprah aber weitaus mehr: eine milliardenschwere Marke, eine unglaublich populäre Entertainerin, eine moralische Instanz – ja fast schon so etwas wie eine unantastbare Göttin. Manche ihrer Anhänger sehen in Oprah sogar die einzig würdige Gegnerin, die Vollhorst-Präsident Donald Trump bei den nächsten US-Wahlen im Jahr 2020 wieder aus dem Amt kicken könnte. Und das, obwohl Winfrey eigentlich noch nie aktiv Politik betrieben hat. Aber auch nur eigentlich.

Oprah Winfrey hat in Wahrheit bereits jetzt viel mehr Einfluss als so mancher Politiker. In einer „Forbes“-Liste mit den mächtigsten Menschen der Welt belegte sie 2010 den 64. Platz. Warum das so ist, dazu später mehr. Weil Macht nicht selten auch etwas mit Geld zu tun hat, hier ein kurzer Blick auf Oprahs Finanzen: Ja, die 64-Jährige ist sehr, sehr reich. Ihr Vermögen beträgt rund drei Milliarden US-Dollar. Damit ist sie die erste afroamerikanische Frau, die das geschafft hat.

Ihr ahnt es wahrscheinlich: Als Farbige Mitte der 50er-Jahren in den USA geboren zu werden, hat rein gar nichts mit Reichtum, Macht oder Privilegien zu tun. Im Gegenteil. Zu der Zeit herrscht Rassentrennung in den Staaten. Oprah kommt am 29. Januar 1954 in Mississippi unter besonders erschwerten Bedingungen zur Welt. Ihre Eltern sind noch minderjährig, weshalb sie von Oma und Opa auf einer Schweinefarm aufgezogen wird. Orpah, wie sie eigentlich heißt – der Name wird wegen der einfacheren Aussprache in Oprah geändert – wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Dennoch, so erzählt sie später in Vorträgen, weiß sie schon als ganz kleines Kind, dass dieser Ort nicht ihre Bestimmung ist.

Oprah schreibt TV-Geschichte

Die kleine Oprah ist offenbar ganz schön auf Zack. Bereits mit drei Jahren kann sie lesen – ein Sprachtalent also. Das bekommen auch Leute vom Radio mit und geben ihr einen Job, als sie gerade mal 16 Jahre ist. Danach wechselt sie nach Baltimore, Maryland, zum Fernsehen und macht Karriere als jüngste sowie erste farbige News-Anchorwoman.

Entgegen der Ratschläge aus ihrem Umfeld kündigt sie aber den angesehenen Job. Er macht ihr schlichtweg keinen Spaß. Gefühlskalt über die Tragödien von Menschen zu berichten, das ist nicht ihr Ding. Es fühlt sich „unnatürlich“ an, sagt Oprah. 1983 zieht sie nach Chicago und moderiert ihre erste Talkshow. „You’re gonna fail. Chicago is a racist city“, heißt es dazu von Kollegen und Verwandten. Wie die alle sich irren werden.

Die Talkshow-Karriere macht Oprah zu dem Star, der sie heute ist. Von 1986 bis 2011 moderiert sie „The Oprah Winfrey Show“ – die mit Abstand erfolgreichste Talksendung im US-Fernsehen. Endlich kann sie das tun, was sie als Nachrichten-Moderatorin nicht durfte: Emotional und emphatisch an die Gesprächspartner herangehen. Egal ob Normalo oder Hollywood-Schauspieler: Irgendwann schüttet jeder mal bei Oprah sein Herz aus. Auch sie selbst tut das in ihrer Show, zum Beispiel als sie weinend offenbart, als Neunjährige von ihrem Cousin sexuell missbraucht worden zu sein.

Deutlich heiterer geht es aber zu, wenn sie ihre berüchtigten Überraschungssendungen macht, in denen sie jedem einzelnen Zuschauer im Publikum Autos oder Reisen schenkt. Jep, dank einer eigenen Produktionsfirma, einer eigenen Zeitschrift, einem eigenen Pay-TV-Sender und so weiter, kann Oprah irgendwann theoretisch mit Geld nur zu um sich schmeißen.

 

Tatsächlich hat sie auch bereits hunderte von Millionen US-Dollar gespendet und in selbst gegründete Stiftungen gesteckt. Außerdem lässt sie 2004 in Südafrika eine Schule für benachteiligte Mädchen bauen.

Oprah glaubt nicht an Glück

Für Oprah Winfrey hat Erfolg nichts mit Glück zu tun. Sie glaube nicht an Glück, sagt sie. Ihre Definition von Glück sei, auf den Moment einer Gelegenheit vorbereitet zu sein. Ihr junges Ich bezeichnet sie selbst als „dummes Mädchen“. Mit 14 Jahren wird sie schwanger, das Kind stirbt jedoch nach der Geburt. In ihren 20ern raucht sie Crack, lässt sich auf die falschen Typen ein. Zwei ihrer Geschwister sterben an Drogen und Aids. Offensichtlich hat Oprah für sich die besseren Entscheidungen getroffen.

Bei YouTube gibt es unzählige Videos von Oprah, in denen sie über ihr Leben und über ihren Erfolg spricht. Sie habe immer auf ihr Gefühl, ihre Intuition gehört. Besonders häufig benutzt sie das Wort Glauben. Tatsächlich haben ihre Ansprachen öfter was von einer Predigt. Nicht so aber ihre Rede bei den Golden Globe 2018 – das ist eine Kampfansage. Als Oprah den Preis für ihr Lebenswerk entgegennimmt, hält sie in Hinblick auf die #MeToo-Debatte eine beeindruckende Rede für die Stärkung von Frauenrechten – das Highlight der Verleihung. Und am nächsten Tag will sie halb Amerika als nächste US-Präsidentin. Das haben sogar Umfragen bestätigt.

Der „Oprah Effekt“

Da ist er wieder, der „Oprah Effekt“. Den gibt es wirklich. Nehmen wir das Beispiel Weight Watchers: Seit sie Anteile des Diät-Unternehmens besitzt, hat sich dessen Aktienkurs vervielfacht. Oprahs medialer Einfluss in den USA ist extrem hoch. Vielleicht zu hoch? Bücher, die sie empfiehlt oder in ihrer Sendung vorstellt, werden automatisch Bestseller. Allerdings gibt sie in ihren Shows auch mal zwielichtigen Krebsheilern eine Plattform. Politisch funktioniert der „Oprah Effect“ ebenfalls. Sie unterstützt Barack Obama damals im Wahlkampf, lädt ihn in ihre Sendung ein. Dafür dass sie andererseits der Republikanerin Sarah Palin den Auftritt verweigert, hagelt es für Oprah ausnahmsweise Kritik.

Negativ-Presse kann der Lichtgestalt jedoch nicht wirklich etwas anhaben. Bezüglich einer eventuellen Präsidentschaftskandidatur für 2020 macht Oprah ihren Fans aber wenig Hoffnung. Erst kürzlich sagt sie in einem Interview, sie habe nicht „die DNA“ dafür, sie könne das nicht, also interessiere es sie auch nicht. Die Oprah-Merchendise-Pullis können erst mal wieder eingepackt werden.

Eins ist klar: Diese geniale Frau – übrigens seit über 30 Jahren skandalfrei mit dem Unternehmer Stedham Graham verheiratet -, die es als schwarze Frau von ganz unten nach ganz oben geschafft hat, ist noch lange nicht fertig mit ihrem Lebenswerk. Und egal, was Oprah noch vollbringt – wir erleben es live mit.

Im Buchclub lesen wir aktuell Was ich vom Leben gelernt habe* von Oprah Winfrey – ein Buch, das ich sehr inspirierend finde. Die Frau hat einiges zu sagen und wir können von ihr lernen. Love it.

5 Kommentare

  1. Sie hat jetzt einen tollen Podcast, „Super Soul Conversations“. Sehr empfehlenswert. Man lernt eine Menge über die Kunst der Gesprächsführung. Besonders berührt hat mich die Folge, in der Maya Angelou zu Gast war.

    Oprah rocks.

  2. Wundervoll geschrieben. Ich bin schon lange ein Oprah Fan, seit ich zum Austausch in Amerika war und dort mitbekommen habe, wie wichtig sie für die Menschen dort ist. Dass man das nicht unterschätzen darf, was sie für einen Einfluss hat, wird schon an der Trump Meldung klar. langsam glaube ich nämlich auch, dass sie die einzige ist, die Trump stoppen kann…. nur am Rande.

    In den USA gibt Oprah Cereals, die Oprah Ohs, es gibt die Stiftungen, ein riesiges Merchendise dahinter! Ich selbst hab mir eine Oprah handy Hülle bedrucken lassen Zitate wie „If you want to accomplish the goals of your life, you have to begin with the spirit.“

    aber auch „Meine Vorstellung vom Himmel ist eine riesengroße gebackene Kartoffel und jemand, mit dem ich sie teilen kann.“ sind Gründe, warum ich sie liebe. Der Motivationsspruch auf meinem Handy gibt mir Kraft. Bei https://www.etuo.de/huellen-sony-xperia-l2 aber auch anderen Firmen kann man sich auch Oprahs Gesicht oder einen Comic, wie Trumo und sie sich bekämpfen, drucken lassen.

    Eine gute Frau. Mit ihr kann man gut ein paar Stunden bei Youtube zubringen, wozu ich euch ermuntere.

  3. Ex-Studentin

    Nach dem Artikel halte ich Oprah auch für eine Göttin. Gut geschrieben! „Glauben“ ist wichtig: Der Glaube an sich selbst und an eine bessere Welt. Sie nutzt ihren Einfluss sinnvoll und hat bereits eine gute Plattform. Präsidentin zu werden ist also gar nicht notwendig. Ich hoffe ja eher auf Michele Obama als nächste Kandidatin.

  4. Ach ja die Oprah… I love her.
    Das Buch habe ich vor 2 Jahren verschlungen und nehme es mir immer wieder zur Hand.
    Eine tolle Inspiration.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.