Geniale Frauen – Marie Curie

Marie Curie: MINT-Pionierin ihrer Zeit

Physikerin, Chemikerin, Nobelpreisträgerin – Marie Curie ist ein Vorbild für viele Frauen. Sie lebte eine frühe Version von „Familie und Karriere unter einem Hut“. Heute wird sie für ihre Leistungen geradezu idealisiert. Doch zu ihrer Zeit hatte sie mit Widerständen, Kritikern und gesellschaftlichen Konventionen zu kämpfen.

Ein neuer Name, ein neues Leben

Marie Curie wurde im Jahr 1867 als Marya Sklodowska in Warschau geboren. Dort wuchs sie als das jüngste von fünf Kindern in einem Lehrerhaushalt auf. Als Klassenbeste schloss Marya das Gymnasium mit dem Abitur ab – heute würde man nach dieser Steilvorlage sicher mit einem Studium rechnen. Allerdings waren Frauen in Polen damals zum Studium an Hochschulen nicht zugelassen. So arbeitete sie anschließend als Erzieherin und Hauslehrerin und kam durch ihren Vater – der Mathematik und Physik unterrichtete – in Kontakt mit naturwissenschaftlichen Experimenten.

1891 wagte Marya einen großen Schritt und verließ mit 24 Jahren ihre Heimat, um in Paris zu studieren. Hier änderte sich nicht nur die Aussicht auf eine erfolgreiche Karriere, sondern auch ihr Name: Sie schrieb sich als Marie Sklodowska für den Studiengang Physik an der Universität Sorbonne ein. Dort gehörte sie zu den 23 (!) weiblichen von rund 1825 Studenten an der Faculté des sciences.

Familie, Forschung und ein Nobelpreis

Nachdem Marie bereits drei Jahre an der Sorbonne studiert hatte, lernte sie 1894 Pierre Curie kennen und beide heirateten ein Jahr später. Pierre war ein französischer Physiker und Marie begann, mit ihm zu forschen. Gemeinsam arbeiteten sie an Strahlungen aus Uraniumsalzen, die von Henri-Antoine Becquerel zuvor entdeckt worden waren.

Heute würde man sagen: Marie war ein Arbeitstier. Nach der Geburt ihrer ersten Tochter Irene, forschte sie unbeirrt weiter; entdeckte mit ihrem Mann das Polonium und prägte den Begriff Radioaktivität. Nachdem Pierre und Marie ein weiteres radioaktives Element – Radium – entdeckt hatten, erhielten sie zusammen mit Becquerel den Nobelpreis für Physik für ihre Arbeiten über die Strahlungsphänomene im Jahr 1903. Damit ist Marie Curie die erste Frau aller Zeiten, die einen Nobelpreis erhielt – und das auch noch in einem MINT-Bereich!

Kampf um Anerkennung in einer Männerdomäne

Nachdem Maries Mann Pierre wenige Jahre nach der Geburt ihrer zweiten Tochter bei einem Unfall starb, wurden ihr seine Lehrverpflichtungen an der Universität übertragen. Damit nahm sie wieder eine Vorreiterrolle als erste Professorin an der Sorbonne ein. Sie forschte zunächst allein an ihren Studien weiter und wurde 1911 zum zweiten Mal mit einem Nobelpreis ausgezeichnet – diesmal für die Entdeckung der radioaktiven Elemente Polonium und Radium.

Was sich jetzt liest wie eine feministischer Siegeszug, war für Marie ein harter Kampf in einer männlich dominierten Welt. Es gab nicht nur Widerstände wegen ihres Geschlechts. Auch die Tatsache, dass sie Ausländerin war, machte sie zur Zielscheibe für Verleumdungen und Kritik in der französischen Presse. Noch stärker verunglimpft wurde Marie, als ihre Liebesbeziehung zu dem fünf Jahre jüngeren (und verheirateten) Paul Langevin bekannt wurde. Ob es an diesen kritischen Pressestimmen lag, ist schwer zu sagen, doch Marie Curie wurde nie in die Akademie der Wissenschaften gewählt.

Marie Curies Erbe

Nichtsdestotrotz: Marie Curie ließ sich nicht von ihrer Arbeit abbringen. Nach dem 1. Weltkrieg forschte sie gemeinsam mit ihrer Tochter Irene, die zu diesem Zeitpunkt selbst eine anerkannte Physikerin geworden war. Irene trat in die Fußstapfen ihrer Mutter und wurde ebenfalls mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Diese Auszeichnung erlebte Marie jedoch nicht mehr – sie starb am 4. Juli 1943 an den Folgen der radioaktiven Strahlung, der sie sich während ihrer Arbeit jahrelang ausgesetzt hatte.

Marie Curie war eine Pionierin ihrer Zeit. Heute ist sie eine Ikone. Noch immer sind ihr Leben und Wirken ein Vorbild für Frauen, die sich in einer Männerdomäne behaupten. Und auch mehr als 70 Jahre nach ihrem Tod, sind ihre Worte noch immer aktuell: „Man kann nicht hoffen, die Welt zum Besseren zu wenden, wenn sich der Einzelne nicht zum Besseren wendet. Dazu sollte jeder von uns an seiner eigenen Vervollkommnung arbeiten und sich dessen bewusstwerden, dass er die persönliche Verantwortung für alles trägt, was in dieser Welt geschieht, und dass es die direkte Pflicht eines jeden ist, sich dort nützlich zu machen, wo er sich am nützlichsten machen kann.“

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