How to: Finanzplanung für Familien

Ich habe mit Julia vom Elterngespräch Podcast über Finanzplanung für Familien gesprochen. Außerdem geht es ums Sparen, um passives Einkommen, um Kontomodelle für Familien und vieles mehr. 

Du willst dir das Interview lieber anhören? Hier geht’s zum Podcast.

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Was sind die allerersten Schritte, wenn frau sich um ihre Finanzen kümmern will?

Die Gründe, warum sich Frauen um ihre Finanzen kümmern sollten, liegen auf der Hand (Altersarmut, kleine Rente, Abhängigkeit vom Mann, um nur einige zu nennen). Wenn du dich entscheidest, dich um deine Finanzen zu kümmern, machst du also alles richtig. Aber wie fängst du an?

Der allererste Schritt ist eine Bestandsaufnahme deiner Finanzen. Stelle dir dafür die folgenden Fragen:

  • Welche Verträge habe ich?
  • Welche Rentenversicherungen oder Bausparverträge habe ich?
  • Habe ich Immobilien?
  • Was ist mein Kontostand?
  • Was verdiene ich?
  • Was sind meine Ausgaben?

Dieser Schritt ist hart, aber extrem wichtig, um zu wissen, wo du stehst. Das musst du dir vor Augen führen und aufschreiben.

Es geht also darum, dein Geldverhalten zu analysieren. Dafür kannst du Excel verwenden oder einfach Heft und Stift. Es macht vielleicht keinen Spaß – aber es ist ein Muss. Zusammengefasst analysiert du also: Wie ist mein Vermögensstand? Habe ich Schulden? Wie viel verdiene ich und wo geht mein Geld hin? 

Kindergeld, Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld gehören in diese Analyse natürlich mit hinein, denn es sind Einkünfte.

Bei komplizierten Verträgen, wie Rentenversicherungen macht es Sinn, sich Hilfe von einer unabhängigen Honorarberatung zu holen.

Danach gilt es 1-3 Monate ein Haushaltsbuch führen, um zu verstehen, wo das Geld wirklich hingeht. 

Welche Kontoführung sollten Familien, die zusammenleben, haben?

Meine Empfehlung ist das 3-Konten-Modell. Das bedeutet, dass die Gehälter beider Partner*innen auf einem Konto landen. Von diesem werden alle gemeinsamen Ausgaben bezahlt wie Miete, Ausgaben für Kinder, gemeinsame Urlaube, usw. Was davon noch übrig bleibt, wird 50:50 auf die Partner*innen aufgeteilt. Dieses Geld steht ihnen zur freien Verfügung.

Was aber, wenn nichts übrig bleibt?

Das sollte man steuern. Im besten Fall sieht man vor, dass was übrig bleiben soll. Stichwort: Sparen am 1. des Monats. Denn wenn man wartet, was am Ende des Monats übrig bleibt, ist das meistens nichts. Man sollte sich Gedanken machen, wie viel man sparen möchte und wofür, was also das finanzielle Ziel ist. Deswegen am besten am 1. des Monats einen Dauerauftrag einrichten.

Ziele können zum Sparen motivieren

Das Durchschnittseinkommen bei Paaren mit Kindern beträgt in Deutschland 6368 Euro brutto. Da es aber ein Durchschnittseinkommen ist, bedeutet es, dass ⅔ aller Menschen dieses Einkommen nicht haben, sondern darunter liegen. 

Eine Erzieherin verdient nach 5 Jahren etwa 3000 Euro brutto genauso wie eine Handwerkerin. Darauf müssen noch Steuern gezahlt werden. Außerdem werden Mieten immer teurer. Viele zahlen dafür mehr als ⅓ ihres Gehaltes. 

Da fällt es natürlich schwer, zu sparen. Was helfen kann, sind Ziele. Diese sollten am besten positiv formuliert sein. Anstatt: “Ich möchte keine Schulden mehr haben”, besser: “Ich möchte mir meinen Notgroschen aufbauen”.

Du solltest außerdem zwischen Sparzielen (das Wohnmobil, Urlaubsreise mit der ganzen Familie, etc.) und langfristigen Investitionsziele (Altersvorsorge) unterscheiden. Im besten Fall laufen beide Ziele parallel. Sollte das aber nicht gehen, musst du dich für eins entscheiden.

Ziele sind unglaublich wichtig, da sie die Motivation zum Sparen sind.

Was ist passives Einkommen?

Es gibt verschiedene Arten Einkommen zu generieren: Arbeiten gehen zum Beispiel, oder aber passives Einkommen. Was ist das genau? 

Erst mal vorneweg: Passives Einkommen hat nichts mit Geld geschenkt bekommen zu tun. Das normale Angestelltenverhältnis ist ein Tauschgeschäft “Zeit gegen Geld”. Eines der anderen Modelle ist Unternehmertum: Die Unternehmerin verkauft nicht ihre Zeit, sondern Produkte – so wie ich zum Beispiel meine Bücher. 

Damit sich meine Bücher verkaufen, muss ich nicht im Büro sitzen. Diese Einkommensquellen sind unabhängig von meiner Zeit. So könnte ich zum Beispiel fest angestellt arbeiten und im Nebenverdienst noch mit meinen Büchern Geld verdienen (sie verschaffen mir passives Einkommen). Die Bücher musste ich natürlich schreiben und vermarkten, konnte danach aber viel automatisieren. 

Eine Fitnesstrainerin kann zum Beispiel entweder Kurse geben, bei denen sie physisch anwesend sein muss (sie verkauft ihre Zeit), oder einen Online-Kurs anbieten (sie verkauft ein Produkt). Einnahmen durch den Verkauf von Fotos oder Webinaren oder aber Mieteinnahmen sind weitere Beispiele für passives Einkommen.

Es geht darum, den Verkauf eines Produktes zu maximieren, ohne maximal viel arbeiten zu müssen. Ich investiere am Anfang und streue dann breit. Denn wenn ich pro Stunde bezahlt werde, ist mein Einkommen gedeckelt, da ich nur eine gewisse Anzahl an Stunden arbeiten kann. In derselben Zeit kann ich aber unbegrenzt Produkte verkaufen. Das ist Skalierbarkeit.

Lass’ uns über Aktien sprechen

Wenn man Aktien kaufen will, sollte man sich vorher auf jeden Fall darüber informieren. Es gibt viele Bücher, die das super einfach erklären oder auch kostenfreie Youtube-Videos und Podcast. Wer etwas Geld in die Hand nehmen möchte, kann auch einen Online-Kurs oder ein Seminar machen.

Wenn man eine größere Summe Geld zur Verfügung hat, sollte man, bevor man in Aktien investiert, einen Teil davon in den Notgroschen legen. Danach gut informieren und auf Gebühren achten. Man kann sich vom Bankberater beraten lassen, aber jede Beratung kostet Geld, deswegen könnt ihr euch auch selbst informieren und online ein Depot eröffnen.

Was bedeutet Dividende und wie wichtig ist sie?

Eine Dividende ist eine Ausschüttung der Aktienerträge. Das ist übrigens auch passives Einkommen. Wie wichtig ist die Dividende? Das kommt auf die Strategie an: Meine persönliche Strategie ist es, anzusparen. Die Dividende interessiert mich persönlich jetzt erst mal weniger. Wenn wir von Altersvorsorge sprechen, ist wichtiger, was in 30 Jahren dabei rum kommt. 

Es empfiehlt sich eine langfristige Strategie zu haben und breit zu diversifizieren. Das  kann man gut mit Aktien-Fonds. Anstatt also in einzelne Aktien zu investieren, kaufe ich einen Anteil an einem Fond Das ist eine Art Aktienkorb, der verschiedene einzelne Aktien enthält. Ich habe dann alle Aktien, die in diesem Fond sind, anteilig in meinem Depot.

Aktive und passive Fonds

Grundsätzlich kann man zwischen aktiven und passiven Fonds unterscheiden.

Aktive Fonds werden von Fondsmanager*innen gemanaged, die entscheiden, welche Aktien der Fond enthält, welche verkauft werden und welche neu reinkommen.

Passive Fonds, wie zum Beispiel ETFs, bilden dagegen einen bestimmten Index ab. Sie sind günstiger als aktive Fonds.

Und was ist jetzt noch mal ein Index?

Der Dax ist zum Beispiel ein Index. Er ist eine Kurve, die anzeigt, wie sich die Unternehmen, die darin abgebildet werden, im Durchschnitt entwickeln. Der DAX beinhaltet die 30 größten, börsennotierten Unternehmen Deutschlands. Wenn alle 30 Unternehmen nach oben gehen, geht der DAX auch nach oben. Wenn die Hälfte der Unternehmen nach unten geht, dann macht er vielleicht gar nichts, weil sich das ausgleicht.

Ab 25 Euro pro Monat kann man in Aktien oder ETFs investieren und es lohnt sich auch schon! Denn wenn du beispielsweise 25 Euro für die nächsten 40 Jahre investierst und wir von einer Entwicklung von 7-8% ausgehen, kommen wir auf knapp 70.000 Euro! 

Wichtig ist: Aktien können natürlich auch stark fallen. Es gibt ein Risiko. Aber langfristig (Zeiträume von 10-20 Jahren) steigen die meisten Aktien.

Wer erst mal üben möchte, kann sich ein Musterdepot anlegen. Da kauft man noch nichts und kann ausprobieren, wie sich ein Portfolio entwickelt. 

Nicht vergessen: Den Notgroschen nicht in Aktien oder ETFs investieren und auch kein geliehenes Geld.

Zusammengefasst: Kein Schulden machen, Notgroschen aufbauen, sich gut informieren und die Risikobereitschaft überprüfen, bevor man anfängt zu investieren.

Wie können Multi-Jobber-Familien ihre Situation verbessern?

Viele Familien sind Multi-Jobber. Sie verdienen ein minimales Gehalt in einem Job, und müssen noch einen anderen Job machen, um über die Runden zu kommen. Oftmals gibt es keine Zeit für Weiterbildung. Wie können Familien aus einer solchen Situation herauskommen?  

Es ist eine mega schwierige Situation, wenn die komplette Zeit voll genutzt wird und trotzdem nicht genug dabei rauskommt. Überlege, ob es möglich ist, den Job zu wechseln, oder eine Zusatzqualifikation zu bekommen. Vielleicht ist es möglich, an einer Stelle Kosten zu reduzieren (sehr harte Cut-Entscheidungen treffen, wenn auch nur für einen kurzen Zeitraum), um das Geld für eine Weiterbildung zu nutzen.

Es gibt generell die beiden Schrauben Einkommen und Ausgaben. Wenn auf der Ausgabenseite nichts mehr möglich ist, dann bleibt nur noch die Einkommensseite. 

Das war mein Interview mit Julia vom Elterngespräch Podcast. Ich hoffe, ihr konntet ein paar spannende Einblicke gewinnen. Familie und Finanzplanung – wie regelt ihr das? Schreibt mir das gerne in den Kommentaren.

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4 Kommentare

  1. Mein Partner und ich praktizieren eine andere Variante der 3-Konten-Regelung, weil wir sie am fairsten und am einfachsten zu organisieren finden: Jeder hat sein eigenes Konto, wo die jeweiligen Einnahmen landen, und wir haben ein gemeinsames Konto, auf das jeder zu Monatsbeginn per Dauerauftrag den eigenen (hälftigen) Anteil an den gemeinsamen Ausgaben überweist. Alle gemeinsamen Ausgaben gehen dann von diesem gemeinsamen Konto ab bzw. werden aus ihm entnommen. (Dazu gehört auch eine gemeinsame Ansparung für unvorhergesehene Ausgaben für unsere Eigentumswohnung und den Haushalt, z.B. eine neue Spülmaschine oder eine notwendige Reparatur.) Auf diese Weise bleibt automatisch alles, was nicht für gemeinsame Ausgaben aufgewendet werden muss, auf den eigenen Konten der Partner, und sie können damit ihre eigenen Fixkosten (z.B. private Zusatzkrankenversicherung) betreiten und über das, was übrig bleibt, frei verfügen.

    Noch ein Tipp für Abbuchungen, die nicht monatlich erfolgen: Nach einigen unliebsamen Überraschungen mit nicht einkalkulierten Quartalsabbuchungen in einer Lebensphase, in der ich sehr wenig Geld hatte, habe ich für regelmäßig, aber nicht monatlich anfallende Kosten folgende Methode entwickelt:
    Ich rechne den Betrag aus, der monatlich angespart werden muss, damit das Geld auf dem Konto liegt, wenn es dann abgebucht wird, und achte darauf, diesen Betrag nicht auszugeben. Das mache ich auch auf dem gemeinsamen Konto so. Z.B. werden Rundfunkgebühren und Grundsteuer alle 3 Monate abgebucht, die Gebühr für die Müllabfuhr und die Hausratsversicherung fallen einmal im Jahr an etc. Dementsprechend muss der Betrag für Rundfunkgebühren durch 3 geteilt jeden Monat auf dem Konto bleiben, der Betrag für die Müllgebühren geteilt durch 12 etc. Wenn die Abbuchung dann stattgefunden hat, fängt die Ansparung von vorne an, die Ansparungen laufen also das ganze Jahr über monatlich durch. Auf diese Art komme ich nicht mehr in die Situation, dass plötzlich 60, 80 oder 100 € weg sind, mit deren Verschwinden ich nicht gerechnet hatte, weil ich die Quartals- oder Jahresabbuchungen vergessen hatte.

    • Soweit toll gedacht, wenn ihr beide 100 Prozent das gleiche Einkommen habt. Sobald einer mehr verdient, hat der andere weniger zur Verfügung. Wie bei dir, ist es aber momentan auch bei uns zu hause. Da bin ich aber nun nach und nach dran…

      • @Susanne und Ela: Wir haben zu Hause das gleiche Modell, allerdings zahlt mein Mann etwas mehr auf das 3. Konto, weil er mehr verdient. Jetzt in meiner Elternzeit zahle ich z. B. auch keine Miete… Die muss er für das Jahr alleine stemmen. Für mein Gefühl ist das schon mal ganz fair.

    • Hey, „euer“ 50:50 Modell macht aber nur Sinn, wenn beide ungefähr gleich viel verdienen. Ansonsten muss der, der mehr verdient auch mehr zu den Gemeinschaftskosten beitragen, finde ich. Wir haben auch jeder ein Konto, teilen unsere Ausgaben aber % nach Einkommen auf 2 Gemeinschaftskonten (1 fürs Wohnen bzw Haus, 1 Haushaltskonto für sonstiges). Was mich noch stört, eigentlich müsste unsere Spar- und Vorsorgeverträge auch von den Gemeinschaftskosten abgehen, aber irgendwie laufen die schon so lang, teilweise 15 Jahre und mehr… Da muss ich glaub ich nochmal ran. Viele Grüße

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