Wie du monatlich 150 Euro (fast) kostenlos investierst

Welche Gebühren fallen beim Aktienkauf an?

Wenn du passives Investieren betreibst, hast du neben einer breiten Diversifikation und einer sehr langen Haltezeit noch ein weiteres Credo: Kostenreduktion – im Idealfall komplett kostenlos investieren. Denn jegliche Beträge, die du an einen Broker (bspw. comdirect* oder OnVista*) oder sonst wen für einen Kauf oder Verkauf zahlen musst, ist Geld, das du nicht investieren kannst. Es gilt also Gebühren soweit wie möglich zu vermeiden.

Gebühren, die normalerweise bei einem Kauf oder Verkauf von Aktien und/oder ETFs anfallen sind:

  • An den Broker: Fixes Orderentgelt pro Kauf/Verkauf
  • An den Broker: Orderprovision, anteilig am Kaufvolumen
  • An die Börse: Pauschales Entgelt pro Kauf/Verkauf

Um die Gebühren für die Börse kommst du nicht herum, die fallen immer an. Die Kosten, die an deinen Broker gehen, kannst du jedoch komplett eliminieren, so dass du (fast) kostenlos investieren kannst.

Kostenlos investieren per ETF-Sparplan

Ein probates Mittel, um nahezu gebührenfrei in ETFs zu investieren, ist ein ETF-Sparplan. Du überlegst dir, wie viel Geld du monatlich investieren möchtest (Gesamtsparrate) und in welchem Verhältnis du diesen Betrag auf welche ETFs aufteilen möchtest. Du eröffnest ein Depot bei einem Broker und richtest deinen ETF-Sparplan ein. Von nun an kauft dein Broker automatisch deine ETFs zu deinem gewünschten Betrag im gewünschten Zeitintervall ein – ohne ein Zutun deinerseits. Hierbei gibt es jedoch von Broker zu Broker Unterschiede: Nicht alle Broker bieten alle ETFs im Sparplan an, es gibt unterschiedliche Gebührenstrukturen, Zeitintervalle und Mindestbeträge.

Monatlich 150 Euro gebührenfrei anlegen

Wenn dir das Nachfolgende etwas kompliziert erscheint, macht das gar nichts. Ich habe extra ein Beispiel mit ein paar Besonderheiten gewählt, um dir zu zeigen, welche Möglichkeiten es grundsätzlich gibt. Wenn du alles bei einem Broker unterkriegst: Umso besser!

Sagen wir, du möchtest jeden Monat 150 Euro kostenlos investieren. Nachdem du deine Risikotoleranz und deine Asset Allocation erarbeitet hast, kommst du zu dem Ergebnis, dass du in folgender Struktur investieren möchtest:

  • 55% Aktien entwickelte Märkte: 82,50 Euro
  • 20% Aktien Schwellenländer: 30 Euro
  • 10% Immobilien: 15 Euro
  • 10% Rohstoffe: 15 Euro
  • 5% in einen nachhaltigen Wasser-ETF: 7,50 Euro

Als Beispiel-ETFs könnten folgende in Frage kommen:

  • 55% Aktien entwickelte Märkte: 82,50 Euro
    –> COMSTAGE MSCI WORLD TRN UCITS ETF (ETF110)
  • 20% Aktien Schwellenländer: 30 Euro
    –> COMSTAGE MSCI EMERGING MARKETS TRN UCITS ETF (ETF127)
  • 10% Immobilien: 15 Euro
    –> HSBC FTSE EPRA/NAREIT DEVELOPED UCITS ETF (A1JXC7)
  • 10% Rohstoffe: 15 Euro
    –> ISHARES DIVERS COMMODITY SWAP UCITS ETF (A0H072)
  • 5% in einen nachhaltigen Wasser-ETF: 7,50 Euro
    –> LYXOR UCITS ETF WORLD WATER D-EUR (LYX0CA)

Welcher Broker für welche ETFs?

Nun schaust du, bei welchem Broker es diese ETFs zu welchen Konditionen im Sparplan gibt. Bei der comdirect ist das Schöne, dass man jeden Betrag über 25 Euro pro ETF besparen kann. Bei OnVista muss man mindestens 50 Euro oder ein Vielfaches davon pro ETF entweder monatlich oder quartalsweise investieren. Dafür sind bei OnVista alle Käufe im Sparplan kostenlos. Man muss sich also die Rosinen rauspicken.

  • 82,50 Euro: COMSTAGE MSCI WORLD TRN UCITS ETF (ETF110)
    –> Aktions-ETF bei der comdirect, kann also dort gebührenfrei bespart werden
  • 30 Euro: COMSTAGE MSCI EMERGING MARKETS TRN UCITS ETF (ETF127)
    –> Aktions-ETF bei der comdirect, kann also dort gebührenfrei bespart werden
  • 15 Euro: HSBC FTSE EPRA/NAREIT DEVELOPED UCITS ETF (A1JXC7)
    –> nicht sparplanfähig!
  • 15 Euro: ISHARES DIVERS COMMODITY SWAP UCITS ETF (A0H072)
    –> kann gebührenfrei bei OnVista bespart werden. Aber: Sparrate mit 15 Euro für monatliche Ausführung zu klein (unter 50 Euro), kann aber quartalsweise mit 50 Euro bespart werden.
  • 7,50 Euro: LYXOR UCITS ETF WORLD WATER D-EUR (LYX0CA)
    –> kann gebührenfrei bei OnVista bespart werden. Aber: Sparrate mit 7,50 Euro zu klein, auch für quartalsweise Investition.

Deine Beispiel-Aufstellung könnte wie folgt aussehen:

Sparplan bei der comdirect*:

  1. Monatlich 82,50 Euro in COMSTAGE MSCI WORLD TRN UCITS ETF (ETF110)
  2. Monatlich 30 Euro in COMSTAGE MSCI EMERGING MARKETS TRN UCITS ETF (ETF127)

Sparplan bei OnVista*:

  1. Pro Quartal 50 Euro in ISHARES DIVERS COMMODITY SWAP UCITS ETF (A0H072)

Was jetzt noch fehlt, ist der Immobilien-ETF, der nicht sparplanfähig ist, und der Water-ETF, den du mit 7,50 Euro pro Monat nicht bei OnVista besparen kannst weil der Betrag zu gering ist. Bei der comdirect ist der Water-ETF gar nicht sparplanfähig. Du musst diese beiden ETFs also händisch kaufen. Bei der comdirect kostet das Gebühren, bei OnVista nicht. Denn hier kommt eine schöne Besonderheit von OnVista zum Tragen, die ich selbst auch nutze: Die Free-Buys.

Free-Buys für nicht-sparplanfähige ETFs

Wenn du ein Free-Buy-Depot bei OnVistaeröffnest und auf dem dazugehörigen Konto (was man automatisch mit dazu bekommt) durchschnittlich 2.000 Euro pro Monat parkst, bekommst du 2 Free-Buys geschenkt. Das heißt, dass du zwei Trades ausführen kannst ohne Gebühren an OnVista zu zahlen.

Du legst also 2.000 Euro auf dein Konto bei OnVista und kaufst monatlich oder auch quartalsweise (ist weniger Aufwand) deinen Immobilien- und deinen Water-ETF einfach händisch dazu. Das verlangt  ein wenig Disziplin, aber mit einer Erinnerung im Kalender dürfte das klappen.

So investierst du monatlich 150 Euro ganz ohne Gebühren an einen Broker zu zahlen.

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HINWEIS: Bitte beachte, dass die hier beschriebe Strategie, die Aufteilung sowie die ETFs Beispiele und ausdrücklich keine Empfehlungen sind!

*Affiliate Links: Ich empfehle dir übrigens nur Produkte, die ich selbst auch nutze. 

Photo: https://unsplash.com/search/free?photo=cF6fz9QwfrY

 

 

6 Kommentare

  1. Ich muß dich korrigieren: der LYX0CA ist bei Comdirect durchaus sparplanfähig. Er gehört dort außerdem zu den Toppreis ETF.

    Ansonsten kann man das Thema kostenloser Kauf von ETF auch noch ausweiten: ein Fondsdepot bei der ebase, einer comdirect-Tochter, eignet sich dafür auch sehr gut. 🙂

  2. Liebe Natascha,

    ich habe vor ein Paar Tagen angefangen, Dein Buch und Deinen Blog zu lesen und bin völlig im Moneypenny-Fieber versunken. Bisher habe ich mich nur obligatorisch damit auseinandergesetzt, aber finde es jetzt umso spannender.

    Aufgrund Deiner Ausführungen zu aktiv und passiv gemanagten Fonds habe ich meinen eigenen Fond, den ich damals überstürzt angelegt hatte, um vermögenswirksame meines Arbeitgebers abzugreifen, überprüft. Scheinbar ist es ein aktiv gemanagter Fond meiner Hausbank, bei dem die Gebühren hinten rum mit der Rendite verrechnet werden.
    Daher möchte ich nun da raus und lieber in ETFs investieren.
    Ich frage mich nur, ob man so auch die vermögenswirksamen Leistungen beanspruchen kann?

    Es geht „nur“ um 6,50€ im Monat (öffentlicher Dienst eben), aber Kleinvieh macht nun mal auch Mist. 🙂

    Über Deinen Rat würde ich mich freuen!
    Alles Liebe
    Annabell

  3. Hallo,

    Vielen Dank für die Informationen – gibt es denn seit dem Artikel eine neue Empfehlung hinsichtlich der Beispiel ETFs etc.

    Danke und Grüsse,
    Marcus

    • Hi Marcus,

      danke für deinen Kommentar 🙂
      Die Beispiel-ETFs sind genau das: Beispiele. Es handelt sich explizit nicht um Empfehlungen. Es sind auch gar nicht unbedingt die ETFs, in die ich selbst investiere. Ich habe diese ETFs wirklich nur exemplarisch rausgegriffen – ohne jegliche Wertung. Daher gibt es da auch kein Update 🙂

      Viele Grüße
      Natascha

  4. Hey Natascha, vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich verfolge eine ähnliche Strategie und empfinde das auch als richtig gut. Ich gehe teilweise allerdings auf alle 2 Wochen kaufen runter, das ändert an den (nicht vorhandenen) Kosten nichts, ich finde es aber total interessant für den cost average Effekt. Eine interessante Sache habe ich allerdings bemerkt. Die Anbieter bieten manche ETFs nur eine Zeit lang kostenlos zum Besparen an und schreiben dann irgendwann „ab jetzt kostet dieser ETF Gebühren“. Da muss man ein wenig auf der Hut sein und dann den Sparplan auf ein anderes Produkt umswitchen, das wieder kostenlos ist.
    Liebe Grüße,
    Miss Money

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