Meine Erfahrungen beim Honorarberater – Teil 1

Eines meiner finanziellen Ziele für dieses Jahr ist es, mich mit meiner privaten Rentenversicherung auseinander zu setzen und eine Entscheidung bzgl. ihres Weiterlebens zu fällen. Kündigen, anpassen oder weitermachen wie bisher?

Nach meinen grandiosen Erfahrungen mit einer Versicherungsmaklerin, die mir unter anderem eine Rürup-Rente verkauft hat, in die ich ab Dezember diesen Jahres knapp 1.200 Euro monatlich (!!!) einzahlen soll (was ich nur rausgefunden habe, weil ich vor ein paar Monaten irgendwie ein komisches Gefühl hatte und daraufhin einfach mal in die Verträge geschaut habe) und die nicht auf meine Bitte reagiert hat, dafür zu sorgen, dass dieser enorme Sprung nicht stattfindet, habe ich mich dazu entschlossen, mir Unterstützung von einer Honorarberatung zu holen. Hier kommen meine Beweggründe, Erfahrungen mit der Honorarberatung und Ergebnisse.

Welcher Arten von Finanzberatern gibt es?

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Beratern. Solche, die über Provisionen der Versicherungsgesellschaften verdienen und solche, die direkt vom Kunden bezahlt werden. Für Erstere gibt es viele, zum Teil verwirrende, Begriffe: Versicherungsmakler, -vertreter, -berater, -consultant etc.. Ein Versicherungsvertreter, -makler, -berater wird von den Gesellschaften, deren Produkte er dir verkauft, bezahlt. Da es deutliche Unterschiede in den Provisionen unter den Anbietern und auch innerhalb der Produktpalette gibt, liegt es nahe, dass diese „Berater“ dir nicht das beste Produkt für dich „empfehlen“, sondern dir genau das verkaufen werden, was ihnen die meiste Provision einbringt. Es liegt also ein recht deutlicher Interessenkonflikt vor. Neben der Abschlussprovision erhalten diese Form der „Berater“ zusätzlich eine laufende Vertragsprovision – Jahr für Jahr, so lange du das Produkt nutzt.

Ein Honorarberater ist ein Berater, den du pro Stunde für seine Leistung bezahlst. Ihm ist es folglich schnuppe, ob und für welches Produkt du dich letztendlich entscheidest. Daher gibt es hier auch keinen Interessenkonflikt. Er schreibt dir ein Angebot, in dem die Kosten für seine Leistung aufgezeigt sind. Du zahlst diesen Betrag und weißt genau, welche Leistungen du dafür erhältst. Easy! In Berlin kostet eine Stunde ca. 100 bis 120 Euro. Dafür bekommt man eine wirklich unabhängige Beratung mit voller Kosten- und Leistungstransparenz. Da zahle ich doch lieber 120 Euro pro Stunde für eine maßgeschneiderte Beratung  als X Euro für ein Produkt, das gar nicht zu mir passt!

Es gibt auch noch Berater, die Geld aus beiden Quellen ziehen. Also Honorarberater, die aber zusätzlich auch Provisionen erhalten. Damit habe ich noch keine Erfahrungen gemacht. Klingt für mich persönlich aber auch irgendwie verdächtig…

Warum ich eine Honorarberatung aufgesucht habe

Wie schon angerissen, habe ich eine Rürup-Rente am Bein, in die ich ab Dezember diesen Jahres über 1.200 Euro monatlich einzahlen soll und von der ich, ehrlich gesagt, nicht die leiseste Ahnung habe, was sie überhaupt kostet und mir wirklich bringt. Außerdem ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung direkt daran gekoppelt, was den unschlagbaren Nachteil hat, dass falls ich irgendwann die Beiträge der Rentenversicherung nicht mehr zahlen kann, ich auch nicht mehr berufsunfähig versichert bin. Es geht nur beides oder nichts.

Zudem investiere ich über meinen aktuellen Tarif der Rürup-Rente in aktiv gemanagte Aktienfonds, was wiederum in Sachen Gebühren und Erfolgschancen gegenüber einer Rente auf Basis von ETFs die schlechtere Wahl ist. Und dann noch diese untergeschobene Beitragserhöhung! Nachdem ich das alles selbst durch Lesen der Verträge (lohnt sich) herausgefunden habe, schossen mir etliche Fragen durch den Kopf:

  • Kann ich die Erhöhung stoppen? Falls ja, wie viel Rente bekomme ich dann im Alter tatsächlich?
  • Will ich so eine Versicherung überhaupt?
  • Passt dieser Tarif zu mir?
  • Wie viel günstiger wäre eine Rente auf ETF-Basis?
  • Was passiert mit meinen Einzahlungen, wenn ich die Versicherung beitragsfrei stelle oder den Tarif wechsle?
  • Müsste ich den aktuellen Vertrag kündigen oder kann ich in einen anderen Tarif wechseln? Was passiert dann mit meiner BU?
  • Was kostet mich das eigentlich gerade?!

Aus meiner Frustration über meine eigene Naivität heraus und aus dem Gefühl einer gewissen Überforderung mit den ganzen Klauseln und Verweisen auf irgendwelche Gesetze, beschloss ich mich an jemanden zu wenden, der sich damit auskennt und der in erster Linie meine Interessen im Sinn hat: Eine Honorarberatung.

Das erste Treffen beim Honorarberater

Die Entscheidung war getroffen, die Suche begann. Meine Kriterien: Standort inneres Berlin, professionelle Website und kostenloses Erstgespräch. Ich suchte mir bei Google drei Berater raus, vereinbarte zwei kostenlose Erstgespräche und entschied mich für die Beratung, bei der ich das bessere Bauchgefühl hatte. Wen es interessiert, ich habe mich für die Honorarberatung Niklas in Berlin Mitte entschieden.

Beim ersten Treffen direkt ein Learning, das weh tat. Wir sprachen über die Provision von Maklern und ich argumentierte (naiver Weise): „Naja, so lange die Gesellschaft die Makler bezahlt, ist mir das ja wurscht, wenn die Gesellschaft der Beraterin eine Provision zahlt. Ist ja nicht mein Geld…“. Kennst du diesen Moment, wenn du den Mund aufmachst und während du sprichst, merkst, dass du nicht zu Ende gedacht hast? Genau so war das! Slow-Motion, Perspektivwechsel, ich stehe neben mir, sehe mich selbst reden und sage zu mir „Aha. Die Versicherungsgesellschaft findet das Geld für die Provisionen auf der Straße, oder watt? Was meinst du wohl, von wem das hintenrum kommt? Von dir, du Schlitzohr!“.

Die Berater Frau und Herr Niklas, die mir gegenüber saßen und netterweise nicht in Gelächter ausbrachen (jedenfalls nicht in der Realität. In meinem Slow-Motion-Kabarett allerdings schon) erklärten mir geduldig: Die Verträge, die durch Provisionsberater zustande kommen, beinhalten enorme Abschlussgebühren für den Kunden, die dann an die Makler weitergereicht werden. Ich zahle also bspw. monatlich 300 Euro an die Versicherung, aber nur ein Bruchteil des Betrages landet wirklich in meinem Rentenfonds. Der Rest geht für die Gebühren drauf, die der Versicherungsmakler bekommt. Da man keine Rechnung für die Gebühren über x-Tausend Euro erhält sondern diese schleichend abgeknappst werden, bekommt man dies natürlich gar nicht mit. Die Provision kommt also nicht von dem Versicherer sondern von mir als Kundin. Der Versicherer treibt sie netter Weise von mir ein, um sie dann 1 zu 1 an den Markler weiterzureichen.

Versicherungsverträge, die nicht über eine Provisionsberatung abgeschlossen werden, beinhalten diese Gebühren auch nicht! Es gibt für ein und den selben Versicherungstarif zwei verschiedene Verträge: Einen mit und einen ohne Provisionsgebühren. What?! Das muss man erst mal wissen, verdammt!

Und es kam noch besser: Frau Niklas meinte, dass die Erhöhung im Dezember 2016 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Erhöhung dieser „Vertriebskosten“ einhergeht. Bedeutet im Klartext: Mit der enormen Erhöhung meiner Beiträge will die Maklerin eine Erhöhung ihrer Provision herbeiführen. Die Frage war nur: Wie viel mehr Gebühren wären das? Ein paar Hundert Euro? Oder gar ein oder zwei Tausend Euro?

Zuhause angekommen wühlte ich direkt meine Unterlagen nach diesen Gebühren durch. Ich fand eine Verwaltungsgebühr von knappen 3.601,28 Euro. Uff. Einfach weg. Ohne Gegenleistung. Ciao!

Gebühren Rürup-Rente

Diese 3.601,28 Euro haben jedoch noch nichts mit der Beitragserhöhung zutun. Das sind Gebühren, die die Erhöhung nicht berücksichtigen. Wozu ich keinerlei Unterlagen hatte, war eben genau die Gebührenerhöhung, die, laut Frau Niklas, mit der Beitragserhöhung in Dezember 2016 einhergehen würde. Kurios, oder?

To Dos an mich:

  1. Versicherungsunterlagen an Frau Niklas schicken.
  2. Eine Aufstellung über die gesamten Gebühren vom Versicherer besorgen.

To Dos an Frau Niklas:

  1. Prüfung der Unterlagen auf weitere Ostereier.
  2. Sichten von Alternativen.

Fazit: Schon bei meinem ersten Treffen mit Herrn und Frau Niklas habe ich so einiges über die Provisionen von Versicherungsmaklern gelernt. Danach wusste ich genau, wo ich nach den Gebühren, von denen mir niemand etwas gesagt hatte, suchen musste. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass meine Interessen wirklich im Vordergrund stehen und, dass sich jemand wirklich mit mir und meinem Problem auseinandersetzt. Es war also eine gute erste Erfahrung beim Honorarberater.

Fortsetzung folgt…

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