Die 5 größten Fehler mit ETFs

Immer wieder lese und höre ich von den gleichen Fehlern, die Anlegerinnen mit ETFs unterlaufen. Das Endergebnis ist oft eine Mischung auf Verwirrung, Frustration und auch Verlust an der Börse. Hier sind fünf der größten Fehler mit ETFs.

1.Fokus auf Produkte

In meinen Augen einer der größten und beliebtesten Fehler: Sich zu sehr auf Produkte fokussieren. Oftmals werden stundenlang ETFs und Broker recherchiert ohne vorab eine Strategie festgelegt zu haben. Doch da liegt die eigentliche Arbeit und darin solltest auch die meiste Zeit investieren: In dein Ziel und deine Strategie. Warum investierst du überhaupt? Mit welchem Endziel? Wie hoch ist deine Risikobereitschaft? Wie stellst du deine Asset Allocation auf? Welche Indizes möchtest du abbilden? Dann und wirklich erst dann, geht es an die konkreten Produkte.

Viele scheinen irgendwo die drei Buchstaben „ETF“ aufzugreifen, ein bisschen zu googeln und dann in irgendwelche ETFs zu investieren. Sehr beliebt sind die Ausgaben der Zeitschrift Finanztest, in denen es um ETFs geht. „Ich habe mir einfach die letzte Finanztest gekauft. Da ist alles super erklärt! Das reicht vollkommen“. Nein, tut es nicht. Denn die Finanztest fokussiert sich rein auf das Produkt ETF, also auf die Spitze des Eisberges. Alles, was davor kommt, der entscheidende Teil, wird dort nicht berücksichtigt (weil es nicht deren Aufgabe ist). Die Finanztest allein reicht also überhaupt mal so gar nicht aus. Bei dieser unstrategischen Vorgehensweise ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass du eine Zittrige bist und an der Börse eher verlieren statt gewinnen wirst.

2. Kompliziertheit

Manche basteln 18 Excel-Tabellen, bevor sie auch nur einen Euro investiert haben. Keep it simple! Ich erkläre in meinem Online-Kurs verschiedene Varianten des Weltportfolios – von kompliziert zu einfach – aber, wenn du 4 Wochen brauchst, um dich für eine Variante zu entscheiden und die dann noch mit 8 Extraschleifen versiehst, machst du es zu kompliziert. Fang‘ erstmal einfach an – verkomplizieren kannst du immer noch. Passives Investieren beinhaltet eben auch Übersichtlichkeit und Einfachheit. Außerdem willst du ja irgendwann mal fertig werden. Done is better than perfect, my friend. Gut genug reicht vollkommen aus.

3. Übertriebene Analyse

Da ist sie wieder: Die Analysis Paralysis. Man verliert sich schnell in den Details zu bestimmten Brokern und ETFs. Ich verstehe das total. Doch wenn du tagelang die Gebühren von Brokern auf die letzte Nachkomma-Stelle analysierst, hast du dich verrannt. Auch an den Eigenschaften von ETFs solltest du dich nicht zu lange aufhalten, denn: Sie ändern sich gerne auch mal. Geschehen zuletzt Anfang des Jahres als die comstage beschlossen hat, aus ihren thesaurierenden ETFs ausschüttende ETFs zu machen. Oder auch die Steuerreform, die seit Anfang 2018 greift. Schade, wenn man sich vorab so sehr auf diese Details versteift hat und nun alles anders ist. Investieren ist keine Momentaufnahme, Investieren ist ein Prozess, eben weil sich Dinge zwischendurch ändern. Anfangen und flexibel bleiben, lautet die Devise.

4. Nach Erfahrungen fragen

Manchmal werde ich (oder auch die Mitglieder der Facebook-Gruppe) nach Erfahrungen mit bestimmten ETFs gefragt. Diese Frage verstehe ich inhaltlich nicht. Es geht ja nicht um ein Hotel, bei dem man sich die Erfahrungen anderer Gäste hinsichtlich Lage und Komfort einholt. Es ist ein ETF. Und alles Wissenswerte zu dem ETF wie Kosten, Entwicklung etc., ist kostenlos online verfügbar. Der ETF entwickelt sich wie der Index, den er abbildet. Fertig. Welche Erfahrungswerte soll es da geben? Und was machst du mit den Antworten? Angenommen jemand sagt: „Oh, keine guten Erfahrungen. Dieser ETF ist bei mir in den roten Zahlen.“ Investierst du dann nicht in ihn? Dann bist du wieder bei Punkt 1 dieses Artikels. Wenn du auf „Empfehlungen“ anderer angewiesen bist, hast du passives Investieren mit ETFs nicht verstanden und hast keine Strategie.

5. Aktiv handeln

Besonders als es in den letzten Wochen etwas ruckelig wurde, wurde in unserer Community heiß diskutiert, was nun zu tun ist. Wenn man passives Investieren mit ETFs betreibt, ist die Antwort einfach: Nichts. Was sollte man auch tun? Angenommen, du hast in einen ETF auf den MSCI World investiert. Und nun geht es ein wenig bergab. Was willst du tun? Nicht mehr in alle Industrienationen der Welt investieren? Sondern lieber nur in den DAX oder 3 Einzelaktien? Wenn dich diese Gedanken treiben, ist vorab etwas gehörig schief gelaufen. Du hast keine Strategie und dich nicht ausreichend mit der Thematik befasst. ETFs sind nicht für aktives Handeln gemacht, sondern für Buy-and-Hold. Alles andere ergibt aufgrund des Aufbaus des Produktes und der Strategie von breiter Diversifikation in die ganze Welt keinen Sinn.

Fazit

Auch beim Investieren lohnt sich regelmäßiges Reflektieren der eigenen Denk- und Handelsweisen. Verlierst du dich in Details? Bist du überhaupt genügend vorbereitet oder nutzt du ETFs vielleicht für etwas, für das sie nicht bestimmt sind?

Wie so oft besteht die Basis zur Vermeidung dieser groben Fehler aus Wissen, Strategie und einer Prise Proaktivität damit du überhaupt fertig wirst. Informiere dich, bleibe flexibel und baue dir ein Depot auf, das gut genug ist. Das reicht vollkommen. Wenn du Investieren als einen Prozess anstatt eine einmalige Entscheidung siehst, fällt es dir auch leichter Entscheidungen zu treffen und anzufangen.

Und bitte, bitte: Investiere nicht in ETFs (oder auch in andere Produkte) ohne das nötige Wissen und eine Strategie zu haben. Das wird nicht gutgehen. Lies zumindest „Die Kunst über Geld nachzudenken„, „Bali statt Bochum“ und das gute Buch vom Kollegen Finanzwesir. Dann bist du wunderbar ausgerüstet!

Foto: Pexels

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10 Kommentare

  1. Pingback: Artikel über Trading und Investments 11.3.2018 | Pipsologie

  2. Pingback: ETF-Pressespiegel KW 10/2018 | ETF-Pressespiegel

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