Die 4 Gs für deinen Börsenerfolg

Warum die 4 Gs?

Was unterscheidet Menschen, die an der Börse erfolgreich sind, von denjenigen, die es nicht sind? André Kostolany (dessen Buch Die Kunst, über Geld nachzudenken* du definitiv lesen solltest) verrät es uns: Die einen gehören zu den Hartgesottenen, die anderen sind die Zittrigen. Die Hartgesottenen reagieren nicht auf jede Nachricht den Finanzmarkt betreffend, denn sie haben eine Strategie – egal, was die Bildzeitung schreibt. Sie gehören langfristig zu den Gewinnern an der Börse. Die Zittrigen zahlen die Gewinne der Hartgesottenen weil sie zum falschen Zeitpunkt verkaufen und kaufen. Du möchtest also zu den Hartgesottenen gehören. Wie geht das? Du brauchst die 4 Gs!

1. Geld

Das erste der 4 Gs steht für Geld. Ob du nach Kostolanys Definition Geld hast oder nicht, richtet sich nicht nach der Höhe deines Vermögens, sondern allein danach, ob du Schulden hast oder nicht. Jemand, der 1 Millionen Euro in Aktien besitzt, aber 2 Millionen Euro Schulden hat, hat – nach Kostolany – kein Geld. Und wer kein Geld hat, kann (und sollte) keine Aktien kaufen. Die Tulpenkrise hat gezeigt, was passiert, wenn man Schulden aufnimmt, um mit dem Geld zu spekulieren: Wenn man mit geliehenem Geld spekuliert, kann man in Abschwüngen gar nicht gelassen bleiben, weil sich das geliehene Geld nicht vermehrt sondern kurzfristig weniger wird und man fürchtet die Schulden nicht zurückzahlen zu können. Was dann folgt, sind Panikverkäufe. Damit gehört man zu den Zittrigen. Man realisiert den Verlust und muss nun zusehen, wie man das Geld zur Rückzahlung der Schulden ranschafft. Merke: Aktien auf Kredit kaufen, ist verboten!

2. Gedanken

Hinter dem zweiten G, das für Gedanken steht, versteckt sich letztendlich deine Strategie. Du musst einigen Gehirnschmalz in eine Strategie investieren: Was ist dein Ziel bei der ganze Sache? Altersvorsorge oder die Eigentumswohnung? Aktiv investieren oder passiv investieren? Mit welcher Risikoverteilung? Und in welche Aktien oder ETFs möchtest du investieren? Die Auswahl der für dich richtigen Strategie richtet sich wiederum nach deinem Glauben. Glaubst du daran, dass der Tech-Branche die Zukunft gehört? Glaubst du daran, dass Tesla die Automobilbranche in die Tasche stecken wird? Glaubst du daran, dass unsere Wirtschaft durchschnittlich stetig wachsen wird? Mach‘ dir Gedanken, entwickle deine Strategie und bleibe ihr treu. Egal was Freunde, Bekannte und die Medien sagen. Deiner Strategie untreu zu werden ist teuer und bedeutet, dass du sie nicht genug durchdacht hast.

3. Geduld

„Geduld ist vielleicht das Wichtigste an der Börse und der Mangel an ihr der häufigste Fehler. Wer keine Geduld hat, darf nicht einmal in die Nähe der Börse gehen,“ so Kostolany. Die meisten Börsianer*innen geraten in Panik, wenn die Kurse fallen und verkaufen alles. Ihnen fehlen Geduld und Nerven die Abschwünge auszuhalten. Kurzfristig folgt ein Aktienkurs dem sogenannten Random Walk: Dem Zufallskauf. Diese Auf- und Abschwünge gilt es mit Geduld zu überbrücken. Denn langfristig pendeln sich die Kurse um ihren Mittelwert ein und die Tendenz zeigt nach oben. Aber, wie gesagt, nur in der langfristigen Betrachtung.

4. Glück

Das vierte G für deinen Börsenerfolg lautet Glück. Jede Anlegerin braucht definitiv eine Portion Glück, denn politische Ereignisse, Kriege und Naturkatastrophen, aber auch Korruption, Betrügereien oder neue Erfindungen, die den Gang der Börsenkurse beeinflussen, kann man kaum bei Planung der Strategie berücksichtigen. Wenn man Glück hat, läuft alles wie geplant. Wenn nicht und sich deine Strategie in Luft auflöst, solltest du schnell gegensteuern. Wenn du stumpf in zwei extrem breitdiversifizierte ETFs (bspw. MSCI World und MSCI Emerging Markets) investierst, spielt der Faktor Glück eine untergeordnete Rolle für dich. Denn du bist so breit aufgestellt, dass unvorhergesehene Ereignisse dich nur leicht tangieren werden.

Fazit

Wenn du nur eines der 4 Gs nicht hast, gehörst du zu den Zittrigen, die anfällig für die Psychofalle Börse sind:

  • Hast du kein Geld oder sogar Schulden, kannst du auch keine Geduld haben. Dann bist du gezwungen in Krisenzeiten (und diese werden kommen) zu deinen Ungunsten zu verkaufen.
  • Hast du keine Gedanken, fehlt dir eine Strategie. In diesem Fall kannst du ebenfalls keine Geduld haben, denn du weißt ja gar nicht, was du willst. Wenn alle kaufen, wirst du vermutlich auch kaufen und wenn alle verkaufen, wirst du es vermutlich auch tun. Du wirst teuer kaufen und günstig verkaufen.
  • Hast du keine Geduld, nützen dir Geld und Gedanken auch nichts mehr. Du wirst bei der kleinsten Störung verkaufen anstatt den nächsten Aufschwung abzuwarten.
  • Fehlt dir das nötige Quäntchen Glück, wirst du irgendwann den Glauben an dich und deine Gedanken verlieren. Und letztendlich die Geduld.

 Foto: Pexels

2 Kommentare

  1. Hallo Natascha,

    gelungener Artikel und ich stimme Dir zu, im Wesentlichen. Allerdings würde ich das erst G ein wenig aufweichen. Ab und an ist es notwendig, die Rendite zu hebeln, ohne zu spekulieren. Und dafür ist ein Kredit durchaus denkbar, sofern er eben anderweitig getilgt werden kann, also ohne die Anlagen dafür wieder verkaufen zu müssen.

    Habe es hier ein wenig länger ausgeführt:
    https://reichplanung.wordpress.com/2017/09/26/was-ist-ein-guter-kredit/

    Dein Beispiel mit 1 Mio. Aktien und 2 Mio. Schulden: Würdest Du die Aktien verkaufen, um nur noch 1 Mio. Schulden zu haben? Wie soll die Mio. getilgt werden? Allerdings wird der Zins bei der Kreditwürdigkeit auch nicht gut sein…

    Deshalb ein anderes Beispiel: Jemand hat eine eigene Immobilie im Wert von 500.000 €, einen Kredit über 400.000 € und Aktien im Wert von 300.000 €. Das Nettovermögen beträgt 400.000 €. Ein anderer in der gleichen Situation verkauft die Aktien und tilgt den Kredit. Das Nettovermögen ist gleich, aber die Vermögensaufteilung und die Entwicklung in der Zukunft wird eine andere sein, insbesondere die Liquidität. Daher bevorzuge ich die erste Aufstellung, die Mehrheit wird jedoch vermutlich liquidieren und die letzte Aufstellung nehmen. Was meinst Du?

    Grüße, Alex

    • BLIghtyear

      Hallo Alexander,

      meiner Meinung nach denkst du etwas zu kurz. Klar ist das Nettovermögen in beiden Fällen gleich, das Risiko hingegen nicht. Der Worst Case ist doch der Job-Verlust in Zeiten der Börsen-Krise. Dann können die Kredit-Raten nicht mehr bedient werden und ein Verkauf des Depots bringt nicht genug Ertrag um das aufzufangen. Da ist er dann, der viel zitierte „schwarze Schwan“ und der Verkauf der Immobilie wird nötig.

      Natürlich ist es reizvoll bei Kreditzinsen von unter 2% ein Investment mit vermeintlichen 5% oder mehr einzugehen, also zu hebeln. Das ist dann halt Spekulation. Ich bin bei Natascha und würde das erste G auf keinen Fall aufweichen.

      Viele Grüße!

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