Angst vor Aktien? So investierst du mit Gelassenheit

Vor ein paar Monaten bin ich auf den Blog zendepot.de von Holger Grethe gestoßen, den ich seitdem mit großer Begeisterung verfolge. Er verknüpft Aktieninvestments mit der Philosophie des Zen, um unter anderem den Lesern und Privatanlegern die Angst vor Aktien zu nehmen. Umso mehr freut es mich, dass Holger sich die Zeit genommen hat, uns ein paar Fragen über seinen Investmentansatz, Angst vor Aktien und Gelassenheit beim Investieren zu beantworten. Danke, lieber Holger!

1. Welche Investmentstrategie verfolgst du und warum?

Aus meiner Sicht ist das passive Investieren mit börsengehandelten Indexfonds (kurz: ETFs) der beste Weg, um als Privatanleger Vermögen aufzubauen. Vorausgesetzt man hat ein wenig Know-How, kann man das auch ohne Finanz- oder Bankberater in Eigenregie gut hinbekommen.

Passives Investieren mit ETFs ist finanzwissenschaftlich fundiert, das Risiko ist bei entsprechender Gestaltung des Portfolios und langem Anlagehorizont (20+ Jahre) vergleichsweise gering. Einen weiteren Vorteil sehe ich darin, dass diese Anlagestrategie kaum Zeitaufwand erfordert. Ist das Depot einmal eingerichtet, braucht man sich nur noch wenige Stunden im Jahr damit zu beschäftigen.

2. Wie der Name deines Blogs schon verrät, verknüpfst du die Zen-Philosophie mit dem Investieren. Kannst du uns den Zusammenhang kurz erläutern?

Ich gebe gerne zu, dass mir 99 Prozent der medialen Berichterstattung rund um das Thema Börse missfallen, um es mal diplomatisch auszudrücken. Die Leute werden zum einen mit nutzlosen Prognosen beglückt und zum anderen werden aus kleinsten Kursbewegungen ständig irgendwelche Handlungsaufforderungen abgeleitet: Jetzt kaufen bzw. verkaufen!

Wer auf dieses Marktgeschrei – manche nennen es „Investmentpornographie“ – hört und danach handelt, hat im Prinzip schon verloren.

Diesem aktionistischen Theater wollte ich sowohl inhaltlich wie gestalterisch einen Ruhepol entgegensetzen. Die wichtigsten Eigenschaften, die Börsenanleger nämlich brauchen sind innere Ruhe und Gelassenheit. Die Philosophie des Zen kommt dieser Vorstellung sehr nahe, daher der Name zendepot.

3. Stichwort Angst vor Aktien: Wo liegen, deiner Erfahrung nach, die größten Ängste der Menschen, wenn es um Aktien geht und woher kommen diese?

Die meiste Angst haben wir bekanntlich vor den Dingen, die wir nicht verstehen. Mangels Wissen verstehen die meisten Anleger leider nicht das zyklische Wesen des Aktienmarkts und kommen so nur schwer mit dessen unausweichlichen Wertschwankungen klar.

Dabei wird übersehen, dass Aktien langfristig die höchste Rendite aller Anlageklassen bieten. Nicht ohne Grund: Die Rendite ist ja nichts anderes als eine „Risikoprämie“ für das Aushalten genau dieses Auf und Abs an der Börse. Leider möchten das die meisten Privatanleger nicht aushalten bzw. sie versuchen es erst gar nicht.

4. Wie kann die Philosophie des Zen dabei helfen, diese Angst vor Aktien zu beseitigen, so dass man den Sprung wagt und tatsächlich investiert?

Zen steht für eine Form der Gelassenheit, die uns als Anleger nur gut tun kann: In erster Linie hilft es dabei, eine kritische Distanz zu unseren Gedanken herzustellen. Gemeint sind die unzähligen Gedanken, die uns von unseren „inneren Stimme“ rund um die Uhr vorsouffliert werden.

Wer nicht weiß, was damit gemeint ist, braucht sich einfach nur fünf Minuten in einen stillen Raum setzen. Und wird feststellen: Im Kopf ist es ganz schön laut.

Gedanken kommen und gehen. Je nach Naturell sind eine Menge dieser Gedanken sorgenvoller Natur und drehen sich um „Was-wäre-wenn- Situationen“, um ungelegte Eier also.

Menschen, die hauptsächlich von ihren Ängsten geleitet werden, tun sich schwer damit, überlegte Anlage-Entscheidungen zu treffen. Praktisch gesehen mündet dies nicht selten in blindem Aktionismus – an der Börse keine gute Idee.

Die Philosophie des Zen ist es, sorgenvolle Gedanken nicht zu verdrängen, sondern zu akzeptieren und dann loszulassen.

5. Was ist dein Rat an alle, die eigentlich gerne in Aktien investieren wollen, sich aber nicht so richtig trauen?

Um erfolgreich in Aktien zu investieren braucht es aus meiner Sicht zwei Dinge: zum einen etwas Wissen bzw. Know-How und zum anderen die richtige innere Haltung.

Beides ist gleichermaßen wichtig. Alles Wissen nützt nichts, wenn meine Einstellung zu Börseninvestments negativ ist. Andersherum ist es nicht damit getan, dass mein „Mindset“ in Sachen Aktienkauf stimmt. Ohne grundlegendes Know-How über die Börse, Anlagestrategien und Anlageprodukte wird das nichts.

Es sei denn, ich beauftrage einen Vermögensverwalter oder Finanzberater, der sich dann ums Portfolio kümmert. Ob der oder die einen guten Job macht, kann man jedoch nur beurteilen, wenn man zumindest die wichtigsten Zusammenhänge verstanden hat.

Wer diese Voraussetzung erfüllt, kann sich natürlich auch gleich selbst um den Vermögensaufbau kümmern. Das ist letztlich eine Frage des Geschmacks bzw. der Bequemlichkeit.

6. Kannst du uns abschließend noch ein paar Zen-Zitate mit auf den Weg geben, die uns helfen könnten?

Gerne, ich mag diese drei Zitate sehr …

Zitat 1:
Werde ich also gefragt, was Zen lehrt, so muss ich antworten, dass Zen nichts lehrt. Was immer für Lehren es im Zen gibt, sie kommen aus dem eigenen Inneren jedes einzelnen. Wir selbst sind unsere Lehrer; Zen weist nur den Weg. – Daisetz T. Suzuki

Zen ist frei von Dogmen, Mythen und Ritualen. Das macht es mir so sympathisch. Wer nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens sucht, findet sie am ehesten in der Beschäftigung mit sich selbst.

Zitat 2:
Das Geheimnis der Konzentration und des Erfolges bei jeder Art von Tätigkeit besteht darin, gerade nur so viel Kraft aufzuwenden, wie zur Erreichung eines bestimmten Resultats erforderlich ist.
– Alan Watts

Durch Passives Investieren lassen sich mit minimalem Aufwand überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen. Aktives Anlegen hingegen kostet Zeit, Geld und Nerven und lohnt sich nur für die wenigsten Anleger.

Zitat 3:
Welche Art von Leben ihr führt, ist nicht so wichtig. Das Allerwichtigste ist, dass ihr euch des Lebens freuen könnt, ohne euch von den Dingen irreführen zu lassen.
– Shunryu Suzuki

Nichts ist wichtiger als das Gefühl, ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Das muss nicht ausschließen, dass wir uns um unser Geld kümmern und Vermögen bilden. Aber wir sollten es mit Gelassenheit tun.

Über Holger

Holger Grethe bloggt und podcastet als Quereinsteiger über private Finanzen und unterstützt Menschen dabei, erfolgreich Vermögen in Eigenregie zu bilden. Wenn du auf einfache und gelassene Weise mehr aus deinem Geld machen willst, schaue doch mal auf zendepot.de vorbei.

Falls du dich näher über die Zen-Philosophie informieren willst um vielleicht sogar so deine Angst vor Aktien abzulegen, empfiehlt Holger übrigens das Buch Zen-Geist, Anfänger-Geist.

Foto: Claudia Zurlo Photography
http://claudia-zurlo.de/

2 Kommentare

  1. Tolles Interview!

    Von Holger bin ich ein großer Fan. Freut mich hier von ihm so Praxisnahe Tipps zu lesen.
    Habe mich bisher ehrlich gesagt noch nie dem Zen Thema gewidmet. Muss es definitiv nachholen. Danke für die Inspiration die man nicht auf einem Finanzblog erwartet :DD

    Natürlich bin ich auch dein Fan Natascha 🙂

    Gruß

    Christian

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