5 Lehren aus „Schatz, ich habe den Index geschlagen!“

Wer sich fleißig online über Aktien informiert, kommt an dem Blog von Christian Thiel, grossmutters-sparstrumpf.de nicht vorbei. Ich durfte Christian vor ein paar Wochen kennenlernen und prompt fand ich vorgestern sein Buch „Schatz, ich habe den Index geschlagen!“: Wie ich auszog, die besten Aktien der Welt zu kaufen.“ (das erst am 16.02. erscheint) in meinem Briefkasten. Vielen Dank dafür, lieber Christian!

Ich habe mich natürlich sofort rangemacht und es in zwei „Lese-Sitzungen“ aufgesogen. Christian ist im wahren Leben Paar- und Single-Berater, was in einigen Kapiteln mitschwingt und dem Buch eine erfrischende Note verleiht, mit der man in einem Buch über Aktien nicht rechnet. Beispielsweise widmet Christian im Kapitel übers Eigenheim einige Absätze der Frage, was man macht, wenn die Trennung ins Haus steht (hö, hö) und die Immobilie daraufhin irgendwie aufgeteilt werden muss. Außerdem wird deutlich, dass Christian gerne seine Frau küsst – egal, ob er Gewinne oder Verluste einfährt.

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Aber nun zum eigentlichen Inhalt: Christian hat im Jahr 2015 den Index geschlagen. Und zwar nicht um 2 oder 3 Prozentchen, sondern um 47 Prozent! Wie er das gemacht hat? Ganz einfach: Er hat die besten Aktien der Welt gekauft!

1. Eine hohe Dividende macht noch lange keine gute Aktie.

Gleich am Anfang knöpft sich Christian einen Mythos vor, dem viele Anleger (sieht man schön in einigen Facebook-Gruppen) auf den Leim gehen: Unternehmen, die eine hohe Dividende ausschütten, sind gute Aktien! Anhand der Beispiele von Unternehmen A (was sich später als Daimler entpuppen wird) und dem dänischen Insulinhersteller Novo Nordisk skizziert Christian, dass hinter hohen Dividenden nicht zwangsläufig gute Aktien stecken.

Konkret: Daimler schüttet Jahr für Jahr 3 Prozent Dividende an seine Aktionäre aus und hat im Jahr 2015 keine sonderlich großen Kursgewinne verzeichnen können. Novo Nordisk zahlt 1,5 Prozent Dividende aus, hat aber einen Kurssprung um 21,3 Prozent aufs Parkett gelegt. Wenn du 10.000 Euro in Daimler investiert hättest, hättest du am Ende des ersten Jahres ein Plus von 300 Euro gemacht – durch die Dividenden. In Novo Nordisk-Aktien wären aus deinen 10.000 Euro ganze 12.280 Euro geworden (150 Dividenden plus 2130 Kursgewinn). Und das, obwohl Daimler eine doppelt so hohe Dividende zahlt wie Novo Nordisk. Welche war also die bessere Aktie, die mit der höheren oder der geringeren Dividende?

2. Aktienauswahl: Trends & Winterschlaf

„Eine Aktie ist eine Unternehmensbeteiligung.“ Diesen Satz liest man besonders zu Beginn ein paar Mal in dem Buch. Warum ist dieser Satz so entscheidend? Weil hinter jeder Aktie ein Unternehmen steckt. Und wie es dem Unternehmen in Zukunft gehen wird, wird über den Verlauf des Aktienkurses entscheiden. Daher verlässt sich Christian bei der Suche nach den besten Aktien der Welt nicht nur auf Charts oder Empfehlungen von Anderen, sondern betreibt Trendforschung und studiert Unternehmen.

Im Kapitel „Future Perfect“ geht Christian auf eine Reihe von Trends ein. Unter anderem das starke Wachstum der Mittelschicht, Sport, Reisen, kleine Computer (bspw. Smartphones), online vs. offline, bargeldloses Zahlen und Gesundheit. Besonders die drei letztgenannten Trends haben es ihm wohl angetan. Dann überlegte er (inspiriert von Warren Buffet) welchen fünf Unternehmen er so sehr vertraut, dass er auch bei einem zehnjährigen Winterschlaf keine Bedenken hätte, sie zu besitzen.

Seine five punches waren: Apple (Trend: Kleine Computer), Amazon (Online schlägt offline), Facebook (Online schlägt offline), MasterCard (bargeldloses Zahlen) und Novo Nordisk (Gesundheit). Beispiel Novo Nordisk: Die Menschen werden immer fettleibiger und erkranken daraufhin immer häufiger. Das ist ein Trend. Wer könnte davon profitieren? Richtig, ein Insulinhersteller.

3. WYSIATI

Warum investieren immer noch so wenige Deutsche in Aktien? Weil sie der festen Überzeugung sind, dass Aktien die meiste Zeit fallen und eine hochspekulative Anlageform darstellen. Kein Wunder, berichten doch Medien sehr viel häufiger über einen sinkenden als einen steigenden Kurs des DAX. Spiegel Online verkündete beispielsweise, dass in den drei Handelstagen nach dem Brexit-Votum der Briten an den Börsen der Welt 5 Billionen Dollar vernichtet wurden. So war es tatsächlich auch – außer, dass an der Börse kein Geld vernichtet wird, sondern lediglich Aktien ihren Eigentümer wechseln. Dass der DAX jedoch in den Wochen um den Brexit 7 Prozent Gewinn eingefahren hat, darüber berichtete natürlich niemand.

Und so festigt sich die Ansicht der Deutschen, dass Aktien meist fallen. Daniel Kahnemann nennt dies WYSIATI: What you see is all there is. „Spiegel Online sagt, 5 Billionen Dollar wurden vernichtet. Ich sag’s ja: Aktien fallen doch ständig nur. Die Dinger sind gefährlich!“. Gedanke zu Ende, Meinung gebildet (aufgrund einseitiger Informationen), Thema beendet. Keine 7 Prozent Gewinn eingestrichen.

4. My home is my castle – et mon ruine.

0,77 Prozent. So viel bzw. wenig Gewinn erzielen eigengenutzte Immobilien im Durchschnitt. „Wie? Aber ich habe doch das Haus meiner Eltern, das Mitte der 60er 30.000 Euro gekostet hat, neulich für 180.000 Euro verkauft. 150.000 Euro Gewinn! Das sind 3,65 Prozent pro Jahr!“. 3,65 Prozent. Klingt viel. Im Vergleich zu Aktien, die jedes Jahr durchschnittlich 8 – 10 Prozent einfahren, ist es jedoch wenig. Und es sind sogar in Wahrheit noch viel weniger als 3,65 Prozent.

Um die wahre Entwicklung zu sehen, musst du die Inflation sowie Instandhaltungskosten und Modernisierung abziehen. Laut Christians Taschenrechner hat die Inflation der letzten 50 Jahre schon mal 68.000 Euro deiner 150.000 Euro „Gewinn“ weggefuttert. Wenn dann noch das neue Dach, modernere Fenster und Sanitäranlagen (alles Dinge, die man durchaus innerhalb von 50 Jahren erneuert) mit weiteren 40.000 Euro zu Buche schlagen, bleiben effektiv noch 14.000 Euro. Das sind 0,77 Prozent. Herzlichen Glückwunsch! Ach ja, davon müssen noch Anschaffungskosten (Makler, Grundbucheintrag, Steuern etc.) abgezogen werden. Und schwupps laufen wir in eine negative Verzinsung.

5. Ein paar Fakten auf die Hand

Christian lässt im ganzen Buch stets interessante Fakten, Ansichten und Zahlen fallen. Hier sind meine Favoriten:

  • 0,77 Prozent: „Immobilien, Gold, Lebensversicherungen – alle diese beliebten Anlageformen bringen es tatsächlich etwas auf diese hässliche kleine Zahl.“
  • Luck und Skill sind, laut Warren Buffet, für den Erfolg an der Börse verantwortlich. Leider verwechseln die meisten Aktionäre Glück mit Können.
  • Die Bank gewinnt immer. Wenn du Bankprodukte kaufst oder wild mit Aktien handelst, gewinnt eine sicher: Die Bank. Wenn die Kurse fallen und du deine Aktien für 5 Euro pro Trade verkaufst, verlierst du Geld und die Bank verdient. Sie verdient immer.
  • Mindestens 95 Prozent aller Trader gehen pleite.
  • Mit dem CARG-Rechner kannst du die durchschnittliche Wachstumsrate (Compound Annual Growth Rate) einer Geldanlage berechnen.
  • Als die Immobilienblase platzte, machte der Bausektor in Irland ganze 25 Prozent des Bruttosozialproduktes aus, in Spanien 20 Prozent.
  • 9 Millionen Deutsche haben Aktien oder Aktienfonds – der Rest nicht.
  • In den USA sind erst 8 Prozent der Einkäufe Online-Einkäufe (hint: Potenzial bei Amazon).

Fazit

Das Buch „Schatz, ich habe den Index geschlagen!“: Wie ich auszog, die besten Aktien der Welt zu kaufen.“ von Christian Thiel ist sehr kurzweilig. Man hast das Gefühl mit dem Autor auf Reisen zu gehen: Man sitzt mit ihm und Gerd Kommer im Café in London, schlürft einen Latte mit einer Bekannten, die 600.000 Euro geerbt hat in Berlin, und quatscht mit Holger Grethe von Zendepot über Hobbytrader, die süchtig nach dem Kick sind. Und nebenbei lernt man viel über die Grundpfeiler für eine erfolgreiche Vermögensbildung.

Dabei beharrt Christian keineswegs auf seiner 5-Unternehmen-Buy&Hold-Strategie oder drängt sie den Leser*innen auf. Im Gegenteil: Er weiß sehr wohl, wie viel seiner 47 Prozent Outperformance gegenüber auf purem Glück basieren. Daher empfiehlt er auch ganz offen, sich bzgl. Altersvorsorge ausführlicher mit ETFs zu beschäftigen – besonders, wenn man (nicht wie Christian) Zeit und Lust hat vorab etliche Bücher und Berichte über ein Unternehmen zu lesen, um zu einer fundierten Investmententscheidung zu gelangen.

Also, wer interessiert daran ist, wie genau Christian den Index geschlagen hat, warum unsere Zukunft perfekt sein wird, wer Schuld am Anlagenotstand hat, wieso Buy-and-Hold siegt und warum Christian (im Gegensatz zu Warren Buffet) nie in Coca-Cola investieren würde, sollte sich dieses Buch gönnen!

Hier geht’s zum Buch

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