Das 3-Konten-Modell

Wer in einer Partnerschaft lebt, kann mit dem sogenannten 3-Konten-Modell die eigenen und eben auch die gemeinsamen Geldangelegenheiten klar regeln. Denn bei aller Liebe: Streit darüber, wer von beiden Partner*innen jetzt öfter das Klopapier kauft, das muss doch nicht sein. Gleichzeitig sollte man aber auch in der noch so engsten Beziehung finanziell unabhängig bleiben können. Deshalb, liebe Liebenden, lest ihr hier, wie das 3-Konten-Modell funktioniert.

Jetzt gibt es vielleicht Menschen da draußen, die meinen, Geld spiele in der Liebe keine Rolle. Das trifft möglicherweise bei Teenies in den ersten Wochen akuter Verliebtheit zu. Ansonsten halte ich es für geradezu fahrlässig, wenn erwachsene Menschen in einer ernsthaften Partnerschaft nicht über ihre Finanzen sprechen und dementsprechend handeln. Über Geld sollte in einer Partnerschaft unbedingt gesprochen werden. Was du tun kannst, wenn dein*e Partner*in sich nicht für Finanzen interessiert, kannst du hier nachlesen.

Das erfahrt ihr in diesem Artikel

Warum überhaupt ein Gemeinschaftskonto?

Spätestens beim Zusammenziehen, also ab dem Zeitpunkt, wenn man einen gemeinsamen Haushalt führt, kann ein Konto zusammen mit dem Partner sinnvoll sein. Mit diesem können beide Partner*innen alle geteilten Ausgaben wie zum Beispiel Lebensmitteleinkäufe erledigen. Das nervige Ausklamüsern von Rechnungen und die Frage, wer wann was bezahlt hat, fällt also weg.

Noch wichtiger wird ein gemeinsames Konto in der Ehe und wenn ein Kind unterwegs ist, denn der kleine Schreihals kostet richtig Geld. Plötzlich ist ein Paar dann eben auch in der Rolle der Eltern und muss für das gemeinsame Kind finanzielle Entscheidungen treffen. Heutzutage versuchen moderne Paare, sich in der Familie gleichberechtigt um die Erziehung der Kids zu kümmern und arbeiten zu gehen.

Früher war die Rollenverteilung da schon ziemlich klar festgelegt: Vati ging malochen und Mutti musste zu Hause bleiben und den Haushalt schmeißen. Das Problem: Frauen hatten damals oft nicht mal ein eigenes Konto. Um die Finanzen kümmerte sich ausschließlich der Herr im Haus. Wenn sie Glück hatten, bekamen sie von ihren Gatten ein Taschengeld. Im Klartext: Frauen waren früher komplett von ihren Ehemännern finanziell abhängig.

So funktioniert das 3-Konten-Modell

Im Jahr 2022 haben wir solche Verhältnisse in Partnerschaften glücklicherweise schon viel, viel seltener – aber es gibt sie immer noch erschreckend häufig. Mit dem 3-Konten-Modell sollten Frauen gegensteuern.

Und das funktioniert so:

Die kompletten Einnahmen der Partner*innen wandern auf das Gemeinschaftskonto. Davon werden alle Ausgaben, die die Gemeinschaft betreffen, bezahlt. Hierzu zählen beispielsweise Miete, Lebensmittel, Auto, gemeinsame Urlaube und alles, was die Kinder betrifft.

Das Geld, was dann übrig ist, wird 50/50 auf die eigenen Konten überwiesen. Damit können nun beide machen, was sie wollen. Kurztrip mit den Mädels, Kletterausrüstung, Altersvorsorge, Zigaretten und so weiter. Was jede(r) mit diesem Geld macht, hat den anderen nichts anzugehen.

Um das Ganze noch anschaulicher zu machen, zeige ich euch an diesem Beispiel, wie das Ganze in der Praxis aussieht:

Das monatliche Einkommen von Partner*in 1 beträgt 1.600 Euro, das von Partner*in 2 3.200 Euro. Die monatlichen Haushaltsausgaben liegen bei 1.800 Euro.


Ziehen wir nun die monatlichen Haushaltsausgaben von 1.800 Euro von den 4.800 Euro Gesamteinkommen ab, bleiben 3.000 Euro übrig. Diese werden 50/50 auf die Konten der jeweiligen Partner*innen überwiesen.

Partner*in 1 hat noch 1.500 Euro zur Verfügung.
→ Partner*in 2 hat noch 1.500 Euro zur Verfügung.

Ist 50/50 nicht unfair?

Das liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Ich persönlich finde 50/50 auf lange Sicht nicht unfair, denn ich gehe davon aus, dass sich das über die Jahre ausgleicht. Mal verdient sie mehr, weil er noch studiert, dann verdient er mehr, weil sie länger in Elternzeit ist als er. Außerdem finde ich, dass Partner*innen auch für einander sorgen sollten. Aber das ist nur meine Vorstellung. Wenn ihr 50/50 unfair findet, müsstet ihr hierfür eine Lösung finden, die für euch passt. Das Kontenmodell funktioniert dennoch.

Alternative Variante des 3-Konten-Modells

Es gibt natürlich eine Vielzahl von Varianten des 3-Konten-Modells. So kann sich zum Beispiele jede*r Partner*in erstmal ihr oder sein Einkommen aufs eigene Konto überweisen lassen und von dort dann eine Überweisung auf das gemeinsame Konto ausführen. Wie hoch der Betrag ist, könnt ihr miteinander vereinbaren. Um diese Variante umzusetzen, geht ihr wie folgt vor:

  • Die gemeinsamen monatlichen Ausgaben berechnen
  • Entscheiden, wie ihr diese aufteilt (50/50 oder prozentual nach Einkommen)

Schauen wir uns auch hierzu ein Beispiel an:

Partner*in 1 verdient monatlich 2.500 Euro
Partner*in 2 verdient monatlich 3.000 Euro.

Die monatlichen Gemeinschaftsausgaben liegen bei 1.500 Euro. Die Partner*innen entscheiden sich für eine 50/50 Aufteilung der Kosten und überweisen das Geld jeweils auf das Gemeinschaftskonto.

→ Partner*in 1 hat danach noch 1.750 Euro zur Verfügung
→ Partner*in 2 hat danach noch 2.250 Euro zur Verfügung

Die Ausgestaltung ist im Detail nicht super entscheidend. Es geht in erster Linie darum, in einer Partnerschaft gemeinsame Kosten mit einem gemeinsamen Konto zu bestreiten, also ein Konto zusammen mit dem Partner oder der Partnerin zu haben, gleichzeitig aber als Einzelne*r weiterhin über einen eigenen Geldbetrag zu verfügen, mit dem man einfach machen kann, was man will, ohne dass der Partner oder die Partnerin reinredet. Und genau das finde ich an dem Kontenmodell so toll. Ich habe schon öfter erlebt, dass sie die Augen verdreht, wenn er sich etwas “Teures” vom gemeinsamen Geld gekauft hat (oder auch andersrum). Streitpotenzial. Muss ja nicht sein.

Mit dem Recht, mit dem eigenen Geld zu wirtschaften, kommt natürlich auch die Verantwortung. Beide müssen sich mit ihrem Geld beschäftigen. Die Frau eben auch. If you know what I mean.

Das 4-Konten-Modell

So wie es beim 3-Konten-Modell verschiedene Varianten gibt, so gibt es auch die Möglichkeit, das Kontenmodell auf vier Konten zu erweitern. Dann nämlich, wenn ihr euch als Paar dazu entscheidet, gemeinsam zu sparen. Dann eröffnet ihr zu den 3 Konten (wie oben beschrieben) noch ein 4. Konto, auf das ihr eure vorher vereinbarten Sparbeträge einzahlt. Gemeinsame Sparziele in einer Partnerschaft können zum Beispiel sein:

  • der nächste gemeinsame Urlaub
  • Möbel für die gemeinsame Wohnung
  • Anzahlung für eine Immobilie

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3-Konten-Modell gemeinsam entscheiden

Um jegliches Streitpotenzial zu vermeiden, ist es weiterhin wichtig, dass die Partner*innen zusammen entscheiden, was genau mit dem Gemeinschaftskonto passiert. Es muss geklärt werden, wie hoch die Fixkosten (Miete usw.) sind, wie viel Geld man monatlich verfuttern möchte, aber auch wie viel Geld für Urlaube oder besondere Anschaffungen gespart werden soll. Setzt euch zusammen und klärt, was euch als Person wichtig ist und was eure finanziellen Ziele sind. Und eben auch, was euch als Paar wichtig ist und was eure gemeinsamen Ziele sind. Ein toller Urlaub, ein Haus, finanzielle Freiheit und so weiter. Daraus ergeben sich dann im besten Fall Budgets für die einzelnen Ausgabeposten, die ihr gemeinsam einhalten solltet.

Wenn der Plan für das Gemeinschaftskonto steht, können als nächstes Daueraufträge immer zum ersten Tag des Monats eingerichtet werden. Heißt beim 3-Konten-Modell: Die vereinbarten „Taschengelder“ für die Partner*innen alleine jeweils an Tag X auf deren Einzelkonten automatisiert überweisen zu lassen. Wichtig ist dann, dass ihr daran denkt, die Haushaltsausgaben auch wirklich vom gemeinsamen Konto zu bezahlen. Am leichtesten funktioniert das, wenn ihr mit Karte zahlt, denn dann müsst ihr nur daran denken, diese immer dabei zu haben.

Was, wenn die Partner*innen unterschiedliche Sparziele haben?

Dann könnt ihr das 3-Konten-Modell trotzdem nutzen. Denn wie bereits oben beschrieben, wird das Geld, das nach Bezahlen der gemeinsamen Ausgaben übrig ist, wieder 50/50 auf die Partner*innen aufgeteilt. Über dieses Geld können die Partner*innen dann frei verfügen. Wenn Partner*in 1 also nur 10 % des Einkommens sparen möchte und Partner*in 2 lieber 30 %, so ist das dank des 3-Konten-Modells möglich. Wichtig ist nur, dass ihr euch einig seid, was unter die gemeinsamen Ausgaben fällt und diese zuvor bezahlt wurden.

Fazit

Liebe, Vertrauen, Spaß – alles essentiell für eine Partnerschaft. Aber die kann manchmal schneller wieder vorbei sein als man denkt. Und auch wenn man tatsächlich für immer und ewig zu einem Liebesklumpen verschmilzt: In beiden Fällen ist ein gewisser Grad von finanzieller Unabhängigkeit unerlässlich.

Mit dem 3-Konten-Modell kann man in einer Beziehung, einer Ehe oder in einer Familie die Finanzen gemeinsam planen und es vereinfacht schlichtweg den Alltag. Gleichzeitig aber behalten die Partner*innen immer ein Stück Freiheit. Vor allem wenn beide in Gelddingen unterschiedlich ticken, was Konsum angeht, kann das 3-Konten-Modell vielleicht sogar dem ein oder anderen Beziehungskrach vorbeugen.

Häufige Fragen zum 3-Konten-Modell

Für wen ist das 3-Konten-Modell – und für wen nicht?

Das 3-Konten-Modell eignet sich grundsätzlich für alle Paare. Spätestens wenn ihr als Paar in einem gemeinsamen Haushalt lebt und somit gemeinsame Ausgaben habt, macht das 3-Konten-Modell sehr viel Sinn. Auch wenn ihr verheiratet seid, ist es super, denn es erlaubt euch, getrennte Konten in der Ehe zu haben und trotzdem ein Konto zusammen mit dem Partner oder der Partnerin zu besitzen. Wenn Kinder im Spiel sind, ist dieses Kontenmodell allemal zu empfehlen.

Welche Bank eignet sich für das 3-Konten-Modell?

Das.ist.total.egal. Wurscht. Wenn ihr euch für eine Bank entscheidet, achte allerdings darauf, welche Kosten für euch anfallen und welche Leistungen enthalten sind. Es gibt viele Girokonten, die kostenlos sind. Ob ihr die 3 Konten bei einer Bank habt oder nicht, spielt übrigens auch keine Rolle.

Gemeinsames Konto Ehe: Funktioniert das 3-Konten-Modell?

Als verheiratetes Paar nutzt ihr sicherlich ein gemeinsames Konto in der Ehe. Und das 3-Konten-Modell eignet sich natürlich auch super, wenn ihr verheiratet seid. Denn so habt ihr weiterhin auch getrennte Konten in der Ehe. Wenn ihr mehr zum Thema Finanzen in der Ehe erfahren wollt, hört euch unbedingt meinen Moneytalk “Vermögen in der Ehe” an.

Macht es Sinn, ein Haushaltsbuch zu führen, wenn wir das 3-Konten-Modell verwenden?

Auf jeden Fall. Egal, ob ihr das 3-Konten-Modell nutzt oder nicht, ein Haushaltsbuch zu führen, ist immer eine gute Idee. Es erlaubt euch als Paar, eure gemeinsamen Ausgaben zu überprüfen, zu checken, ob alles nach Plan läuft und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Mittlerweile gibt es bei vielen Konten automatische Reportings, bei denen ihr ganz einfach sehen könnt, wofür ihr Geld ausgegeben habt. Wenn ihr also alle gemeinsamen Ausgaben mit Karte zahlt, könnt ihr euch am Ende des Monats den Report gemeinsam anschauen.

Funktioniert das 3-Konten-Modell auch, wenn ein*e Partner*in selbstständig ist?

Das Kontenmodell funktioniert weiterhin, allerdings müsst ihr einige Dinge beachten. Denn bei Selbstständigen ist das Einkommen Brutto, während es bei Angestellten Netto ist. Bei Selbstständigen entstehen gewisse Kosten im Nachhinein, die vorab geschätzt und abgezogen werden sollten, bevor das Einkommen (oder ein % davon) auf das gemeinsame Konto überwiesen wird, wie beispielsweise:

  • Steuersatz pro Monat
  • Rentenversicherung
  • Rücklagen für Krankheit & Ausfälle

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