3 Finanzfehler, die du vermeiden solltest

3 Finanzfehler die du vermeiden solltest

Welche das genau sind, habe ich im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) verraten. Wir reden außerdem darüber, wie frau nicht auf fadenscheinige Finanzangebote im Internet hereinfällt, was sich in Politik und in der Schule bezüglich Finanzbildung ändern muss, über die Intransparenz vieler Versicherungen und was ich von Neo-Brokern halte.

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SZ: Du hast dir mit Madame Moneypenny in den letzten Jahren eine Plattform mit Tausenden von Anhängerinnen aufgebaut. Wie hast du es geschafft, dass dir so viele Menschen vertrauen, wenn es um Finanzen geht?

NW: Vor Kurzem haben wir auf Instagram die 150.000 Follower-Marke geknackt. Wir sprechen also eher von Hunderttausenden.

Wie wir das geschafft haben? Vor ungefähr 5 Jahren wusste ich selbst nicht genau, wohin mit dem Thema Finanzen und Versicherungen. Ich überlegte mir, was ich für meine Altersvorsorge tun kann. Gleichzeitig merkte ich, dass es meinen Freundinnen ähnlich ging. Auch sie hatten von dem Thema wenig Ahnung. Ich fing also an, mich mit dem Thema zu beschäftigen und startete meinen Blog. Von Anfang an war mir wichtig, dass jeder das Thema Finanzen versteht.

Parallel zum Blog startete ich die Facebook-Gruppe, damit die Frauen einen geschützten Raum zum Austausch haben. Danach kam mein E-Book, danach Instagram, usw. PR war definitiv ein großer Baustein in der Bekanntheit.

Sicherlich haben auch die lockere Sprache und mein Ansatz, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, viele Frauen angezogen. Ich selbst habe kein Finanzstudium und bin auch keine ausgebildete Finanzanalystin oder Beraterin. Unsere Message lautet eher: Ich habe es mir selbst angeeignet und ich helfe dir dabei, das auch zu tun. Unser Ansatz ist es, Frauen zu befähigen, selbst finanzielle Entscheidungen zu treffen.

SZ: Du gibst also keine konkreten Empfehlungen für Produkte?

NW: Nein. Wir stellen den Prozess und das Wissen zur Verfügung und zeigen die Vor-und Nachteile der verschiedenen Entscheidungsmöglichkeiten auf. Ich würde aber keiner Teilnehmerin sagen, welche der verschiedenen Möglichkeiten sie wählen sollte. Die Frauen erarbeiten sich das selbst.

SZ: Wieso habt ihr euch auf Frauen fokussiert?

NW: Das kam zum einen aus meiner eigenen Geschichte heraus. Ich fühlte mich in der typischen Männer-Finanzwelt nicht zugehörig. Genau deshalb wollten wir auch Themen wie Ausgleichszahlung, Teilzeitfalle, Ehegattensplitting, die vor allem Frauen beschäftigen, anbieten. Auch das Thema nachhaltiges Investieren ist Frauen wichtiger als Männer.

Wir wollen keinen durchschnittlichen Service für alle, sondern einen sehr guten, auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten, Service bieten.

SZ: Könnt ihr unter den Frauen festmachen, wer konkret eure Zielgruppe ist?

NW: Der Großteil der Frauen ist zwischen Anfang 30 und Mitte 40. Die Frauen stehen im Berufsleben, haben schon etwas Geld verdient und manche denken über die Familienplanung nach. Einige stehen vor dem Sprung in die Selbstständigkeit oder haben ihn schon gewagt.

Die Einkommensverhältnisse sind ganz unterschiedlich. Trotzdem ist für ein bestimmtes Klientel der Frauen Finanzen und Investments der nächste Schritt und für andere eben noch nicht. Wenn ich beispielsweise noch keinen Notgroschen angespart habe, sollte ich mich zunächst darum kümmern.

SZ: Man würde meinen, dass man sich mit Ende 20 bzw. Anfang 30 schon mit seinen Finanzen beschäftigt hat. Hast du das Gefühl, dass noch viel Aufholbedarf herrscht?

NW: Auf jeden Fall. Es gibt sehr viele Frauen, die schon versucht haben, sich damit zu beschäftigen. Sie haben ein Buch gelesen oder eine Versicherung abgeschlossen. Ich glaube, dass es nicht so sehr darum geht, dass sie nicht wissen, dass sie sich um ihre Finanzen kümmern sollten, sondern mehr um eine generelle Unsicherheit und Unwissenheit. Viele haben vielleicht etwas abgeschlossen, was sie nicht verstanden haben oder sich selbst darum gekümmert, aber ohne Konzept dahinter.

Viele Frauen haben sich also schon irgendwie mit ihren Finanzen beschäftigt – bei den wenigsten ist es allerdings auf einem gesunden Fundament aufgebaut.

SZ: Ihr gebt also das Wissen mit, damit die Frauen selbst finanziell unabhängig werden?

NW: Genau. Wir geben das Wissen und den Prozess mit. In unserem Mentoring-Programm sind das 7 Schritte. Es gibt außerdem Entscheidungshilfen, Vorlagen, Schablonen und Checklisten. Den Weg darf jede Teilnehmerin aber selber gehen.

SZ: Was kostet das Mentoring-Programm?

NW: Konkrete Preise kommunizieren wir nicht, da sie sich zwischendurch ändern. Auch die Preise, die im Internet kursieren sind meistens falsch. Es handelt sich um ein 8-Wochen-Programm mit 6 Coaches und einer sehr guten Betreuung. Dass es das nicht für 500 Euro gibt, ist denke ich klar.

SZ: Bekommt ihr Provision für bestimmte Produkte, wenn jemand etwas abschließt?

NW: Für die Produkte nicht. Die Frauen gehen aus unserem Mentoring mit dem Wissen über ihren Status Quo inkl. Rentenlücke, ihrer eigenen Risikobereitschaft, einem Finanzplan & einer klaren Strategie passend zu ihren finanziellen Zielen nach Hause. Sie zahlen also für das Wissen und die Betreuung bei der Umsetzung. Wir bieten allerdings verbesserte und vergünstigte Konditionen bei Depotanbietern an. Wenn Mentoring-Teilnehmerinnen bei diesen Banken ihr Depot eröffnen, bekommen wir ein paar Euro Provision.

Wir haben quasi mit allen Banken Kooperationen. Eine Bank ist vielleicht für jemanden der X Euro anlegen möchte besser, eine andere für jemanden der Y Euro anlegen. Das ist sehr individuell. Wir versuchen für unsere Kundinnen gute Konditionen heraus zu handeln. Dafür haben wir Kooperationen sowohl mit traditionellen Banken als auch mit Neo-Brokern.

SZ: Du machst das Ganze seit 5 Jahren. Hast du gemerkt, dass das Interesse sich mit seinen eigenen Finanzen zu beschäftigen in den letzten Jahren zugenommen hat?

NW: Definitiv. Da ich aber auch in meiner Bubble bin, ist meine Sichtweise sicherlich subjektiv. Die Frage ist, ob sich wirklich etwas verändert hat oder ob Menschen jetzt nur eine Anlaufstelle haben.

Youtube-Kanäle wie Finanzfluss oder Aktien mit Kopf sind zur reinen Wissensaneignung super. Allerdings fehlt ihnen das Element Coach. Ich kann also nicht schnell mal eine Frage stellen. Hier stößt das Medium an seine Grenzen.

Unser Learning aus den letzten Jahren ist: Das Wissen ist vorhanden. Es geht darum, die Frauen ins Machen zu bringen. Vom Anschauen von 100 Youtube-Videos habe ich noch keinen ETF-Sparplan angelegt oder meine Rentenlücke korrekt ausgerechnet. Wissensaneignung ist immer super, aber für die konkrete Umsetzung gibt es mein Mentoring-Programm, das frau durchlaufen kann – mit Betreuung und ein paar Arschtritten.

Zu viele Informationen sind übrigens auch nicht gut. Wenn ich mir 100 Youtube-Videos anschaue, kann es passieren, dass ich in eine Art Analysis Paralysis verfalle und überhaupt nicht mehr weiß, was zu tun ist.

SZ: Gibt es im Internet manchmal zu viele Informationen?

NW: Total. Oft es ist auch schwierig, herauszufinden, was für mich relevant ist und was nicht. Youtube und Instagram können auf jeden Fall dazu beitragen, dass Menschen mit dem Thema Finanzen noch überforderter sind und sich deshalb erst recht nicht damit beschäftigen oder doch wieder Finanzberater*innen vertrauen.

SZ: Findet dein Mentoring vor Ort statt?

NW: Das Mentoring-Programm findet komplett online statt. Es beinhaltet Videos, ein Workbook, eine Facebook-Gruppe und einen Live-Austausch per Zoom mit unseren Coaches. In diesen Sessions können individuelle Fragen geklärt, Glaubenssätze aufgelöst und sich Bestätigung geholt werden. Diese Sessions werden auch aufgenommen. So können Teilnehmerinnen, die es nicht schaffen, live dabei zu sein, sie sich später anschauen.

SZ: Auf welche Fallen kann ich bei Finanzen hereinfallen bzw. welche Fehler kann ich machen?

NW: Da würde ich 3 nennen:

1. Nicht zu wissen, was man tut

Ich glaube, dass die größte Falle ist, nicht zu wissen was man tut.

2. Zu viel oder zu wenig Risiko

Ein anderer großer Fehler ist es, zu viel oder zu wenig Risiko einzugehen. Wenn wir von Investitionen an der Börse in Aktien, ETFs, Immobilien oder Rohstoffe sprechen ist klar, dass damit ein gewisses Risiko einher geht. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie viel Risiko ich eingehen möchte/will/darf/muss. Hier passieren viele Fehler. Meistens, weil Menschen zu viel Risiko eingehen und dass oftmals ohne es zu wissen. Dann passiert das, was wir in der letzten Krise beobachten konnten: Die Kurse sinken, Menschen verkaufen, die Kurse sinken weiter, Menschen verkaufen weiter und verlieren Geld.

3. Ziel falsch oder gar nicht ausrechnen

Stichwort Altersarmut. Es reicht nicht 25 Euro monatlich in einen ETF einzusparen. Damit kann ich anfangen, aber es reicht nicht. Deshalb ist es wichtig auszurechnen, wie viel ich brauche. Wie viel muss ich investieren, damit meine Rente im Alter zum Leben ausreicht.

Beim Berechnen des Ziels passieren viele Fehler:

  • Menschen investieren einfach in irgendwas und denken, dass es schon hinkommen wird.
  • Menschen denken, dass die 50.000 Euro auf dem Konto ihre Rente seien.

Ein anderer klassischer Fehler ist:

  • Nicht breit genug zu streuen (Das gesamte Vermögen beispielsweise in die Lufthansa-Aktie zu stecken, ist keine gute Idee)

Merke: Immer so breit wie möglich streuen, so lange wie möglich halten und kostengünstig investieren.

Das sind gewissen Basics, die ich einfach wissen muss.

SZ: Hattest du es schon, dass Frauen auf heiße Börsentricks hereingefallen sind?

NW: Ja. Gerade hatten wir eine Anfrage einer Interessentin fürs Mentoring. Sie hatte sich mit Kryptowährungen richtig die Finger verbrannt. Sie investierte bei einer Offshore-Firma in den USA. Ich weiß nicht genau, wie viel sie investiert hat, aber sie hat alles verloren.

Bei Versprechungen wie: „50% Rendite in einem Jahr ohne jegliches Risiko“ sollte der gesunde Menschenverstand einsetzen.

Andere Klassiker sind, in einen Sparkassen-Fond zu investieren und nach ein paar Jahren zu merken, dass die Gebühren höher sind als die Erträge.

Oder ETFs auszusuchen, die dann doch nicht die Richtigen für die Person waren. Es gibt zum Beispiel auch ETFs, in denen nur ein paar Unternehmen sind und die nicht super breit gestreut sind.

SZ: Das ist vielleicht auch problematisch, dass Menschen denken, dass sie mit ETFs gar nichts falsch machen können.

NW: Total. Bei allem, wo ich eine Rendite rausbekomme, gibt es auch ein Risiko. Deswegen gibt es auf dem Sparbuch auch keine Rendite, weil du dort kein Risiko hast. ETFs haben ähnliche Risiken wie andere Börseninvestments. Es kommt auf die Art des ETFs an, wie breit gestreut er ist, usw. Und natürlich gehen ETFs auch in den roten Bereich. Die These ist, dass sie weniger, nicht so stark oder nicht so lange in den roten Bereich gehen wie andere Sachen und dass man immer noch die beste Rendite herausbekommt (auch in Krisen). Trotzdem kann das Depot auch mal rot sein. Und das muss man wissen.

SZ: Was würdest du beispielsweise der Frau mit der Kryptowährung raten? Worauf sollte man achten, um nicht auf fadenscheinige Angebote im Internet hereinzufallen?

NW: Das Verhältnis von Risiko und Rendite. Ich sollte immer überprüfen, ob Risiko und Rendite in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Die Rendite von Aktien weltweit gestreut lag in den letzten Jahren durchschnittlich bei 9 %.

Je höher die Rendite, desto höher das Risiko – ganz einfach. Wenn mir eine hohe Rendite mit null Risiko versprochen wird, funktioniert das einfach nicht. Woher soll die Rendite denn kommen? Aber dafür haben wir Menschen auch unsere Intuition. Unser Bauchgefühl weiß das meisten schon.

Welches Interesse verfolgen die Verkäufer*innen?

Es hilft auch zu schauen, wer mir das verkauft und was diese Person für ein Interesse hat. Versicherungsmaklerinnen werden ein gewisses Interesse haben, mir möglichst viele Versicherungen zu verkaufen, um Provision zu bekommen. Ich sollte also immer im Hinterkopf behalten, wer etwas davon hat, wenn ich etwas abschließe. Hier ist es wichtig, die richtigen Fragen zu stellen und auch die richtige Art von Beraterin auszuwählen. Da geht es konkret um den Unterschied zwischen Honorarberaterinnen und Provisionsmaklerinnen. Die einen bekommen eine Provision, die anderen nicht. Damit hat man die Interessensverhältnisse gut geklärt. Wenn jemand Provision dafür bekommt, je mehr er verkauft oder halt eben nicht. Wir raten zur Honorarberatung, auch wenn es davon in Deutschland leider nicht so viele gibt. Natürlich sind auch nicht alle Honorarberatungen super, da gibt es auch schwarze Schafe. Genauso wie es unter den Versicherungsmaklerinnen auch gute Beraterinnen gibt.

Bei der Honorarberatung am besten ein Kennenlerngespräch vereinbaren und auch dort die relevanten Fragen nach Kosten, ihrer Philosophie, wie sie ihr Geld verdienen usw. stellen

SZ: Gibt es Menschen, die leichter auf solche Fallen hereinfallen?

NW: Das ist schwer zu sagen. Frauen tendieren dazu, Finanzen verstehen zu wollen und auch ihre Hausaufgaben zu machen. Sie wollen es strukturieren und geregelt haben und sie haben kein Ego, das dazwischen funkt.

Immer wenn das Ego anspringt „jetzt kann ich endlich  erzählen, dass ich auch bei Krypto mitmache”, ist die Frage, für wen genau man das macht. Für sich selbst oder  für andere?

Ich glaube, dass Menschen, die etwas nach außen präsentieren und mitreden wollen, anfälliger dafür sind, in solche Produkte zu investieren, ohne sich vorher vernünftig informiert zu haben.

Kryptowährung kann schon super sein, aber man muss wissen, was man tut. Gerade in diesem Bereich sehe ich unglaublich viele Menschen auf den Zug aufspringen, weil es der neueste Trend ist.

SZ: Gibt es deiner Meinung nach genug Anlaufstellen in Deutschland, bei denen man sich informieren kann oder ist das ausbaufähig?

NW: Anlaufstellen im Sinne von verfügbaren Informationen – ja.

Ich würde aber nicht zu einer Verbraucherzentrale gehen, um die Verträge checken zu lassen. Vor ein paar Jahren riet ich noch dazu. Da bekam ich sehr viele negative Rückmeldungen, weil dort einfach seltenst Fachkräfte sitzen. Den Mitarbeiter*innen fehlt oft die Kompetenz oder sie sind nicht auf dem neuesten Stand, wenn es um Verträge und Anlageentscheidungen geht.

Trotzdem gibt es viele Anlaufstellen im Sinne von Informationsträgern. Es passiert gerade viel in den Medien. Über die Blogger haben wir auch schon gesprochen. Das sind meiner Meinung nach diejenigen, die die Aufklärungsarbeit leisten. Von Schule und Politik kommt de facto null. Die Politik sagt einfach nur, dass wir uns selber kümmern müssen und gibt uns die Riester-Rente. Danke für herzlich wenig bis nichts.

In Deutschland fehlt mir die Transparenz und der Verbraucherschutz bei manchen angebotenen Verträgen. Das grenzt meiner Meinung nach an Betrug. Gerade bei Versicherungen gibt es gewisse Kombi-Produkte, die man einfach nicht haben will, es macht keinen Sinn, dass es sie gibt und sie sind nicht gut.

Auch die Gebühren vieler Versicherungen sind immer noch viel zu intransparent. Etliche Teilnehmerinnen meines Mentoring-Programmes fragen bei ihren Versicherungen die genauen Kosten an und wie viel Geld genau sie haben werden, wenn sie in Rente gehen. Die Versicherungen melden sich dann einfach nicht zurück. Das geht nicht. Das ist maßlos intransparent.

ETFs sind dagegen super transparent, die kann sich jeder selber aussuchen. Das kann jeder online selber machen. Dafür brauche ich keine Maklerinnen oder Beraterinnen.

SZ: Was hältst du von Neo-Brokern?

NW: Das sehe ich zweiseitig. Die Idee, super schnell und mit sehr wenig Kosten handeln und investieren zu können, finde ich super. Die technische Hürde ist sehr tief, das ist klasse.

Auf der anderen Seite verleitet es natürlich auch dazu, mal eben schnell in der U-Bahn etwas zu machen, von dem ich vielleicht nicht viel Ahnung habe. Der Wissensbaustein über den wir schon gesprochen haben, fehlt und es wird wild drauf los gehandelt. Das ist dann leider oft das Rezept zum Scheitern. Umso blöder, wenn man bedenkt, dass die Mission der Neo-Broker ganz ähnlich wie unsere ist: Börse & Aktien zugänglicher, leichter und transparenter zu machen. Und mehr junge Menschen an die Börse zu bringen, um Vermögen aufzubauen. Wenn das nach hinten losgeht, weil es zu überstürzt und nicht durchdacht war, dann bewirken wir genau das Gegenteil damit.

SZ: Was müsste sich im Bildungssystem ändern?

NW: Finanzen sind nur ein Thema. Themen wie Mindset, Selfcare, Grenzen setzen, aber eben auch Finanzen finden nicht statt. De facto lernen die Kids heutzutage nicht, wie Geld funktioniert und wie man damit umgeht. Dass Geld etwas Gutes und nichts Böses ist.

Zu lernen:

  • Was brauche ich eigentlich?
  • Wie rechne ich aus, wie ich mit meinem Geld hinkomme?
  • Wie lege ich ein Budget fest?
  • Wie führe ich ein Haushaltsbuch?
  • Was mache ich eigentlich mit meinem Taschengeld?

Diese Basics kennen viele Erwachsene übrigens auch nicht.

Außerdem ist es wichtig, den Unterschied zwischen Geld ausgeben und Geld investieren, zu kennen.

  • Wie vermehre ich mein Geld?
  • Wie lege ich es schlau an?
  • Wie spare ich Geld?
  • Wofür gebe ich gerne Geld aus und wofür nicht?
  • Wann spare ich es lieber?

Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche schon viel früher achtsame Geldentscheidungen treffen können. Kinder sollten auch den Unterschied zwischen guten und schlechten Schulden lernen.

SZ: Es ist immer noch oft mit einem Stigma verbunden, dass man knauserig ist, wenn man Geld spart.

NW: Das wird schnell mit Geiz in Verbindung gebracht. Sparsamkeit und Geiz ist aber ein Unterschied. Man kann sparsam sein und trotzdem nicht geizig.

SZ: Gibt es eine Regel, wie lange ich mich informieren sollte, bevor ich tätig werde?

NW: Das kommt sehr darauf an, wie intensiv man es betreibt. Wenn man alles in 4 Wochen Vollzeit paukt, kann man das sicherlich schaffen. Unser Mentoring-Programm geht 8 Wochen, ist aber nicht Vollzeit. Bei uns sind es 5-8 Stunden pro Woche, je nachdem wie intensiv man es machen möchte und wie viel Vorwissen man hat.

Ich habe in den letzten Jahren aber auch gelernt, dass es ein Prozess ist. Es hat sehr viel mit Selbstreflexion, Mindset und Glaubenssätzen zu tun. Da etwas zu verändern braucht Zeit.

Wenn ich mit Glaubenssätzen aufgewachsen bin, wie:

  • „Alle Reichen sind schlecht/geizig/böse” oder
  • „Man kann nur durch Unehrlichkeit reich werden.”

und ich diese Einstellung 30 Jahre mit mir herumgetragen habe, ändere ich sie nicht innerhalb von 5 Minuten. Das ist es Prozess. Das Thema Mindset macht bei uns im Programm allein schon eine Woche aus.

Man muss das Thema Finanzen aber auch nicht zwei Jahre lang studieren. Wir wollen keinen Diplomabschluss haben, sondern einen Plan für unseren Vermögensaufbau aufstellen. Das kann man in ein paar Wochen gut hinbekommen.

Auch wenn grundsätzlich ‚Je schneller, desto besser gilt‘, sollte man eine Balance finden. Wenn ich es zu schnell mache und mir dabei ein Fehler unterläuft, dann nützt mir der Zinseszinseffekt auch nichts, wenn ich dann am Ende mit Verlust verkaufen muss.

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