Keine Rentenversicherung mehr

Warum ich nicht mehr rentenversichert bin

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Meine Vorgeschichte zur Rürup Rentenversicherung

Mit der Gründung meiner Firma habe ich mich vor vier Jahren aufgrund der mickrigen Aussichten von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen und schloss ca. ein Jahr später eine Rürup-Rente ab. Warum? Weil ich mich von einer MLP-Maklerin dazu bequatschen und von den Steuervorteilen habe locken lassen. Ich war zu naiv und schlichtweg zu faul mich intensiver mit diesem Produkt auseinander zu setzen und es zu verstehen.

Wohlgefühlt habe ich mich mit dieser Versicherung jedoch nie. Erst nachdem die gleiche Maklerin versucht hatte mir eine ganze Reihe aktiver Aktienfonds zu verkaufen, habe ich auf mein Gefühl gehört, das mir sagte „Hier stimmt doch irgendetwas nicht…“ und die Verträge meiner Rürup-Rente genauer angesehen… 

Was ich in den Verträgen fand, war nicht ohne: Eine Beitragserhöhung um 900 Euro auf knackige 1.200 Euro pro Monat ab Dezember 2016. Davon hatte ich vorher noch nie gehört und war dementsprechend ziemlich schockiert. Ich hatte natürlich nicht vor monatlich 1.200 Euro zu leisten. Nach eingängigen Recherchen, auch mithilfe einer unabhängigen Honorarberaterin, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass dieser rasante Anstieg des monatlichen Beitrags zusätzlich mit einer Erhöhung der sogenannten Vertriebskosten einher ging. Konkret würde ich 18.000 Euro an Gebühren zahlen. Und zwar zusätzlich zu den bis dato schon gezahlten 4.000 Euro Gebühren. Folglich würden ganze 22.000 Euro meiner Beiträge nicht in die besparten Fonds fließen sondern hinten rum an die Maklerin in Form einer Provision ausgezahlt werden. Da kommt man sich ein wenig veralbert vor…

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Dieser Wahnsinn ist kein Argument gegen Riester und Rürup per se, denn sie fallen nur bei Vertragsabschlüssen über einen Provisionsmakler an. Dennoch finde ich solche Vorkommnisse bezeichnend für die ganze Branche: Sie ist höchstgradig intransparent. Und zwar mit voller Absicht.

Nach umfangreicher Prüfung und intensiver Auseinandersetzung mit dem Konzept der Rürup-Rente beschloss ich meinen laufenden Vertrag beitragsfrei zu stellen und somit keine weiteren Beiträge zu leisten. Die bereits gezahlten Beiträge und Gebühren habe ich für mich als Sunk Costs verbucht und bei der Entscheidungsfindung absichtlich außer Acht gelassen, um nicht auf diesen Denkfehler hereinzufallen.

Gründe gegen Riester und Rürup

Meine persönlichen Gründe gegen Rürup sind folgende:

  1. Begrenzte Verfügbarkeit: Wenn das Geld einmal bei dem Versicherer angekommen ist, habe ich keinerlei Verfügung darüber und muss auf die Auszahlungen im Rentenalter warten. Natürlich ist das genau der Sinn dahinter: Man wird quasi zu Disziplin gezwungen. Mir persönlich jedoch ist es wichtiger im Notfall oder auch einfach zum Vergnügen an mein Geld zu kommen. Es gehört schließlich mir.
  2. Schwache Renditen: Aufgrund der laufenden Gebühren, die man an den Versicherer zahlt, reduziert sich die reale Rendite, beispielsweise im Vergleich zu ETFs, die man selbst bespart, extrem.
  3. Fehlendes Vertrauen in die Politik: Ja, die Rürup-Beiträge sind steuerlich absetzbar, aber wer garantiert dies für die nächsten 35 Jahre, die ich noch bis zur Rente habe? Wenn dieser Bonus wegfällt, sehe ich kaum noch Vorteile einer Rürup-Rente. Überschüsse in der Entwicklung der Fonds sind natürlich durchaus möglich. Das waren sie bei Lebensversicherungen auch mal… Da ich keinerlei Einfluss darauf habe, was Wirtschaft und Politik treiben, würde ich mich deren Willkür wahllos aussetzen. Das ist für mich so ziemlich das Gegenteil von finanzieller Unabhängigkeit.
  4. Intransparenz: Ich habe mich durchaus einige Zeit mit dem Thema Riester/Rürup befasst und muss sagen, dass ich noch immer nicht das Gefühl habe, alles komplett zu verstehen. Und mich haben Lust und Motivation verlassen weitere Stunden meiner Zeit zu investieren, um am Ende wieder mehr Fragen als Antworten zu haben. Aufgrund fehlender Transparenz und der Komplexität der gesamten Thematik stehen Kosten und Nutzen einer weiteren Auseinandersetzung mit diesem Produkt für mich in keinem akzeptablen Verhältnis mehr.

Selber machen statt versichern

Ich habe für mich persönlich beschlossen mein Geld nur noch selbst anzulegen anstatt eine Versicherung damit zu beauftragen. Selbst eine „normale“ private Rentenversicherung mit voller Flexibilität (jedoch ohne Steuervorteil) lohnt sich rechnerisch nicht: Die garantierten Beiträge liegen schlichtweg unter dem, was ich hätte, wenn ich das Geld selbst investieren oder gar unter mein Kopfkissen legen würde. Daher: Selbst ist die Frau!

Meine Altersvorsorge besteht aus meinem ETF-Portfolio. Ich zahle monatlich ganz automatisch per ETF-Sparplan (bei der comdirect* und OnVista*) ca. ein Drittel meines Einkommens in eine Handvoll ETFs – breit diversifiziert und kostengünstig. Ich mache also das, was eine Versicherung auch machen würde: Ich investiere Geld am Aktienmarkt. Da ich es selbst mache, habe ich jedoch die volle Kontrolle, Transparenz und volle Verfügung über die Investments. Und ich muss niemanden dafür bezahlen diese Arbeit für mich zu übernehmen.

Zugegeben, diese Entscheidung fiel mir nicht leicht. Ich habe wochenlang hin und her überlegt. Denn ein gewisses Sicherheitsbedürfnis ist ja durchaus vorhanden. Letztendlich habe ich eine Entscheidung getroffen. Ob es die richtige war, werde ich eh nie erfahren weil ich nicht weiß, wie die alternative Realität ausgesehen hätte. Aber ich fühle mich mittlerweile sehr wohl damit und habe durchaus das Gefühl alles (soweit dies überhaupt geht) unter Kontrolle zu haben.

Nur die Mittelschicht macht sich Sorgen um die Rente

Während ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, verstand ich plötzlich, was es heißt der Mittelschicht anzugehören: Sorgen. Man macht sich ständig Sorgen. Angehörige der Mittelschicht quälen sich mit Fragen, wie: „Wird es fürs Alter reichen? Was, wenn die ganze Wirtschaft den Bach runtergeht und ich keine Versicherung habe? Wie soll ich so viel sparen?“.

Menschen, die in Armut leben, machen sich diese Sorgen nicht (dafür haben sie andere, schon klar), denn sie haben nichts zu verlieren und auch gar keine andere Wahl sich auf den Staat zu verlassen.

Reiche Menschen haben ihre Altersvorsorge bereits in der Tasche und machen sich eher Gedanken, wie sie ihre Millionen zu Milliarden machen. Diese Gedanken hätte ich auch gerne 😉 Daher meine Schlussfolgerung: Ich muss raus aus der Mittelschicht. Arm zu werden ist zwar definitiv einfacher als reich zu werden, aber, sagen wir mal, weniger reizvoll.

Daher mein Fazit: Ich muss einfach noch viel, viel mehr Geld verdienen und investieren damit ich mir diese Gedanken und Sorgen bald nicht mehr machen muss. Tschakka!

Bild oben: https://static.pexels.com/photos/26477/pexels-photo.jpg

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9 Kommentare
  1. Matthias 2 Wochen ago
    Antworten

    Hi Natascha,

    Du hast einen klasse lockeren, fast neckischen, Schreibstil. Sehr schön zu lesen. Die wichtigen Infos kommen quasi „so nebenbei“ bei mir an.

    Noch kurz zum sachlichen: Yep. Rürup hat mir mein MLP Berater damals auch versucht an zu drehen. Zum Glück war ich „von Haus aus“ schon mit etwas Wissen über Aktien und Anlage aus gestattet. Sonst wäre ich da auch voll rein getappt.

    Mein Plan ist derselbe wie Deiner. Selber anlegen und viel Geld verdienen 😀

    Die Gründe gegen Riester und Rürup kann man eigentlich so auf die meisten Anlageprodukte ausweiten, die von Versicherungen oder Banken aus gegeben werden.

    Einfach ist in dem Fall halt immer noch am Besten.

    Grüße

  2. Stefan 2 Monaten ago
    Antworten

    Ein wirklich toller Artikel. Auch ich habe nach 8 Jahren meine private Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht gekündigt. Leider werden es circa 1.000 € Verlust werden, weil der Rückkaufwert natürlich geringer ist.
    Gruß Stefan

    • Natascha 2 Monaten ago
      Antworten

      Hi Stefan,

      ja, ich habe damit auch ein bisschen Geld in den Sand gesetzt. Aber immer noch besser als weiteres Geld durch Untätigkeit zu verlieren.
      Ich erhalte oft Emails zu dem Thema. Die Tonalität ist oft „Aber jetzt habe ich ja schon XXXX Euro an Gebühren gezahlt. Das kann ich doch jetzt nicht einfach kündigen.“. Zack, Sunk-Cost-Denkfehler: Die Gebühren sind ja eh schon weg. Egal ob man den Vertrag kündigt oder weiterlaufen lässt. Lieber also jetzt einen Schlussstrich ziehen und nicht noch mehr Geld verbraten.
      Da hast du also alles richtig gemacht, würde ich sagen 😉

      Liebe Grüße
      Natascha

  3. Hallo Madame Moneypenny,

    dankeschön für diesen Artikel. Er spricht mir voll aus der Seele. Ich bin schon seit über 10 Jahren nicht mehr rentenversichert, weil ich das System einfach wahnsinnig finde. Abzocke pur. Für 100€ im Monat ca. 19.000 € einzahlen…..
    Und sicher??? das wissen wir doch schon lange, dass es das nicht ist. Ich bekomme vielleicht noch ein paar Euros, wenn ich dann in Rente gehe. Aber zum Leben reicht das nicht. Und diejenigen, die nach mir kommen, also noch ein klein wenig jünger sind, werden höchstwahrscheinlich sowieso nichts mehr bekommen.
    Also muss was Anderes her. Und da bin ich hier auf deinem Blog auf sehr interessante Dinge gestoßen.
    Herzlichen Dank dafür und liebe Grüße
    Barbara

    • Madame Moneypenny 3 Monaten ago
      Antworten

      Liebe Barbara,
      danke für deinen Kommentar und schön, dass mein Blog dir interessante Inhalte liefert.
      Ich sehe das genauso: „Also muss was anderes her.“ Sehr schön gesagt 🙂
      Viele Grüße
      Natascha

  4. Babette 7 Monaten ago
    Antworten

    Hallo Madame Moneypenny,

    danke für diesen mutigen Artikel. Ich bin in einer ähnlichen Situation, habe mir aus Bequemlichkeit eine Riester Rente von MLP aufschwatzen lassen und bin mittlerweile regelmäßig an dem Punkt, mich darüber zu ärgern, dass ich den monatlichen Riester Beitrag viel sinnvoller und in ETFs investieren könnte.
    Da mein Vertrag tatsächlich erst ein knappes Jahr alt ist, schrecke ich jedoch noch vor der Verrechnung mit den hohen Abschlusskosten zurück und erwäge, den Vertrag lieber stillzulegen statt radikal zu kündigen.
    Danke dir für deinen inspirierenden Artikel, ich bin der radikalen Kündigung wieder einen Schritt näher gekommen 😉

    P.S. ich finde es super, dass du als Frau einen Finanzblog nach dem Motto „Selbst ist die Frau“ betreibst, das halte ich für sehr wichtig, der Frauenwelt Mut zuzusprechen, dass man auch ohne akademische Vollprofi Ausbildung und ohne ein dickes Bankkonto investieren kann und auch sollte. So bin ich nun auch seit einigen Monaten bei meinen ersten Gehversuchen am Aktienmarkt.

    Liebe Grüße,
    Babette

    • Madame Moneypenny 7 Monaten ago
      Antworten

      Liebe Babette,

      danke für deinen Kommentar!

      Ja, da scheint MLP ganz groß drin zu sein 😉
      Soweit ich weiß, kann man die Verträge eh nicht kündigen sondern nur beitragsfrei stellen. So war es bei mir. Aus dem Vertrag an sich kommt man nicht raus und das eingezahlte Geld bekommt man auch erst mit Eintritt ins Rentenalter monatlich ausgezahlt.

      Wenn ich deine Argumentation mit der Verrechnung der hohen Abschlusskosten richtig verstanden habe, gehst du hier einem verheerenden Denkfehler auf den Leim: Sunk Costs. Investitionen aus der Vergangenheit dürfen nie die alleinige Rechtfertigung für weitere Investitionen sein. Die Abschlusskosten sind so oder so weg, egal, ob du weiter einzahlst oder nicht. Und mit jedem Monat, den du einzahlst, verschlimmerst du deine Situation ja sogar.

      Anderes Beispiel: Dein Auto ist kaputt, du lässt es für 500 Euro reparieren. Dann geht es wieder kaputt. Eine weitere Reparatur würde noch mal 700 Euro kosten und du weißt, dass die Kosten der Reparatur den eigentlichen Wert des Wagens übersteigen würden. Würdest du die zusätzlichen 700 Euro investieren nur weil du ja schon mal 500 Euro investiert hast und obwohl die Karre eigentlich Schrott ist? Hoffentlich nicht! Das gleiche tust du aber mit dieser Versicherung. Du willst sie eigentlich nicht haben, siehst den Vorteil nicht, bereust es sogar sie abgeschlossen zu haben. Da ist es nicht rational weiter Geld zum Fenster rauszuschmeißen nur weil du schon mal Geld zum Fenster rausgeschmissen hast. Die Abschlusskosten werden durch weitere Zahlungen ja nicht weniger sondern du steckst Monat für Monat weiter Geld in ein nicht lohnendes System. Du verlierst also mit jedem Monat Geld. Freiwillig. Weißt du, was ich meine?

      Wenn du in der Versicherung keinen lohnenden Vorteil für dich siehst, kann ich dir nur raten: Verbuche die Abschlusskosten auf dein „Lernen fürs Leben“ – Konto und sieh zu, dass du die Zahlungen so früh wie möglich stoppst.

      VG Natascha

      • Babette 7 Monaten ago
        Antworten

        Hallo Natascha,
        danke für diesen „Augen-öffnenden“ Moment. Ich habe heute tatsächlich mein Kündigungsschreiben für die Riesterrente dem Postboten in die Hand gedrückt. Wie du sagst, darf man sich bei Handlungsalternativen nicht von bereits getätigten Investitionen aus der Vergangenheit lenken lassen, da die Kosten eh nicht rückgängig gemacht werden können und es nun gilt, das beste aus der Situation – nur aus der Sicht des heutigen und zukünftigen Kosten/Nutzen Verhältnis – zu machen. Das mit dem Auto ist ein gutes Beispiel.
        Und wenn dann auch noch alle 2 Tage der MLP Berater anruft und mit säuselnder Stimme auf den AB spricht, macht das eine rational wirtschaftliche Entscheidung nicht unbedingt einfacher 😉 komischerweise plagen mich doch ein paar Schuldgefühle und ich habe das Bedürfnis, mich rechtfertigen zu müssen.
        Da wir gerade beim Thema Versicherungen sind, ich denke Haftpflicht und BU sind tatsächlich Versicherungen, die sich jeder zumuten sollte 😉 Zum Thema BU ein guter Artikel aus dem Handelsblatt:
        http://app.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge-versicherung/berufsunfaehigkeitsversicherung-wie-ein-versicherungsmakler-hadert/14676672.html?mwl=ok

        Einen schönen Abend und liebe Grüße,
        Babette

  5. Martin Reichelt 7 Monaten ago
    Antworten

    Schöner Beitrag. Mir ging es ähnlich mit meiner Riester. Diese habe ich mir damals kurz nach der Lehre aufschwatzen lassen. Das Ziel aus der Mittelschicht auszubrechen und wohlhabend zu werden sollte sich grundsätzlich jeder auf die Fahne schreiben. Denn nur mit solchen Zielen und dem Wunsch dahinter diese zu erreichen, wird man auch etwas ändern können. Wer dagegen sowas gar nciht erst versucht, bleibt immer da stehen, wo er gerade ist.
    Ich selber sage immer zu mir selbst das, egal in welcher Reichen Familie, es immer erst jemanden gegeben haben muss, der Risiken eingegangen ist und den Wille mehr aus sich zu machen. In keiner Reichen Familie war es so, das diese das Geld irgendwann einfach mal geschenkt bekommen haben. Es gab immer erst den einen, der etwas aufbaute um den Grundstock zu legen.

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