Nettovermögen - die einzig wichtige Kennzahl

Nettovermögen – die einzig relevante Kennzahl für dich

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Alle paar Monate, wenn es mich in den Fingern juckt, schnappe ich mir meine Nettovermögen-Excel-Tabelle und bringe sie auf den neuesten Stand, was die Entwicklungen der letzten Wochen angeht. So auch an diesem Wochenende als ich meine zusätzlichen Einnahmen dokumentiert habe. Alle Zahlen, die ich dort eintrage, dienen nur einem Zweck: Der Bestimmung meines Nettovermögens. Warum ich das so mache und warum ein Einkommensziel in meinen Augen zu kurz gedacht ist, erfährst du jetzt.

Was ist „Nettovermögen“ und wie berechne ich es?

Das Nettovermögen (englisch: net worth) ist die Differenz zwischen deinen Verbindlichkeiten, also Schulden, und deinen Vermögenswerten, also Dingen von Wert. Ein Studienkredit oder unbezahlte Rechnungen stehen auf der Verbindlichkeiten-Seite während Immobilien, Aktien, Gemälde, Unternehmen, Gold, Geld etc. auf die Vermögensseite gehören. Die Differenz aus beiden Seiten ist dein Nettovermögen.

Beispiel Nettovermögen:

Beispiel Nettovermögen

Die Person in diesem Beispiel besitzt Vermögenswerte im Wert von 165.000 Euro und Verbindlichkeiten im Wert von 15.000 Euro. Die Differenz, das Nettovermögen also, beträgt 150.000 Euro.

Wie du in der Tabelle siehst, gibt es Vermögenswerte, die risikolos sind (Cash, Versicherungen etc.) und solche, die risikobehaftet sind (Immobilien, Unternehmen etc.). Eine solche Übersicht kann natürlich nur eine Momentaufnahmen sein. Was deine Immobilie in 20 Jahren wert ist, oder ob es das Unternehmen, an dem du beteiligt bist, überhaupt noch gibt, kann niemand wissen. Für die Bewertung dieser Assets ziehst du folglich den aktuellen Stand heran, bspw. den aktuellen Verkaufswert deiner Immobilie (einfach Preise ähnlicher Objekte bei ImmoScout checken).

Übrigens: Statistisch gesehen besitzt jeder Haushalt in Deutschland mehr als 200.000 Euro Nettovermögen (Quelle: Manager Magazin). Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da einige sehr reiche Menschen diesen Durchschnitt nach oben ziehen. Die Deutsche Bundesbank hat mittels einer Befragung herausgefunden, dass fast drei Viertel der privaten Haushalte 2014 über ein Nettovermögen verfügten, das unter dem Durchschnitt liegt. Der Mittelwert liegt bei 60.400 Euro Nettovermögen.

Eine Excel-Vorlage für deinen Vermögens-Check findest du hier.

Warum ist das Nettovermögen so wichtig?

Beim Nettovermögen läuft alles zusammen, es ist die Basis jeder Finanzplanung. Was habe ich eigentlich? Wo stehe ich? Und vor allem: Wo will ich hin?

Viele Menschen berechnen ihren finanziellen Erfolg anhand ihres Gehalts. Doch das ist wenig aussagekräftig und daher keine gute Kennzahl für deine persönlichen Finanzen. Denn auch Menschen mit einem vergleichsweise hohen Gehalt können ganzheitlich betrachtet im Minus sein. Jemand, der 100.000 Euro verdient, kann hoch verschuldet sein und ein negatives Nettovermögen besitzen. Es kommt nicht darauf an, wie viel Geld man verdient, sondern wie viel man davon behält – und clever investiert, damit es mehr wird.

Gehalt oder sonstiges Einkommen ist in erster Linie Cash. Aber was wird aus dem Cash? Und: Was wird aus mir, wenn das Cash mal ausbleibt? Was habe ich dann noch an Werten, die mir Geld bringen können? Mit einem positiven Nettovermögen kann man Einkommen kreieren. Durch Miete, durch den Verkauf von Unternehmensanteilen, durch Rendite aus Aktieninvestments. Man hat Optionen. Mit einem negativen Nettovermögen, also immer dann, wenn die Schulden größer sind als die Vermögenswerte, hat man sehr wenige Optionen. Ein positives Nettovermögen ist die Grundlage jeder finanziellen Sicherheit.

Jemand mit einem hohen Gehalt hat nicht zwangsläufig finanzielle Sicherheit. Jemand mit einem hohen Nettovermögen schon.

Ziel: Erhöhung des Nettovermögens

Anhand des aktuellen Nettovermögens lassen sich wunderbar finanzielle Ziele festlegen. So ein Ziel könnte lauten: In 2017 mein Nettovermögen um 20 Prozent erhöhen. Natürlich spielen Einnahmen in diesem Konstrukt eine große Rolle. Daher habe ich ganz klare Ziele für zusätzliche Einnahmen für die nächsten Jahre festgelegt. Doch diese Einnahmen sind für mich nur Mittel zum Zweck. Ich generiere Einnahmen, um dieses Geld umzuschichten: In meine Unternehmen, ETFs oder andere Vermögenswerte, damit diese Systeme mehr aus dem Geld machen und mein Nettovermögen stetig wächst. Einnahmen sind das Futter für meine Vermögenswerte-Seite.

Was ich an einem Nettovermögenziel so mag, sind zwei Dinge:

1. Es weitet den Denkhorizont

Wenn du dich auf die Erhöhung deines Nettovermögens konzentrierst, hast du mehr Hebel für Wachstum. Mehr Geld zu verdienen ist nur eine Möglichkeit von mehreren und nur ein Zwischenziel für das große Ganze. Um dein Nettovermögen um 20.000 Euro zu erhöhen, musst du ja nicht zwangsläufig 20.000 Euro dazu verdienen. Du könntest auch 10.000 Euro deiner Schulden tilgen und noch 5.000 Euro mehr sparen und 5.000 Euro dazu verdienen. Du kommst automatisch in eine ganzheitliche Denkweise und betrachtest dein gesamtes Vermögen, anstatt nur dein Einkommen.

2. Es ist nachhaltig(er)

Wenn dein Ziel lautet: „In Q4 2017 20.000 Euro mehr zu verdienen“, ist das, meines Erachtens, zu kurz gedacht. Was passiert denn mit den zusätzlichen 20.000 Euro? Wenn du dir davon ein neues Auto kaufst, hast du erst einmal nicht viel gewonnen. Wenn dein Ziel hingegen lautet: „In Q4 2017 mein Nettovermögen um 20.000 Euro erhöhen“, ist das eine nachhaltige Zielformulierung, denn darin ist schon eine Steigerung deines Vermögens enthalten. 20.000 Euro verdienen und für 20.000 Euro ein Auto kaufen, ist bei dieser Zielsetzung nicht drin weil dieser Kauf nicht zu deiner Zielerreichung beiträgt. Im Gegenteil: Er würde dich weiter davon wegbringen.

Wie steigere ich mein Nettovermögen?

Hier ein paar Möglichkeiten, um dein Gesamtvermögen zu erhöhen:

  • einen neuen Vermögenswert aufbauen: Bspw. ein eigenes Business
  • dich an einem Unternehmen (bspw. Start-Up) beteiligen
  • Schuldenabbau
  • mehr Gehalt fordern / zusätzliche Einkommensquellen erschließen
  • mehr sparen und das gesparte Geld investieren
  • Geld von „risikolos“ in „risikobehaftet“ umschichten damit es sich vermehrt

Fazit

Die Kennzahl „Nettovermögen“ ist deswegen so wichtig, weil sie sich auf dein komplettes Vermögen anstatt ausschließlich auf deine Einnahmen bezieht. Einnahmen haben keinerlei Aussagekraft über deine finanzielle Situation. Ein hohes Gehalt heißt noch lange nicht, dass man finanzielle Sicherheit hat. Meine Empfehlung an dich: Ein paar Stunden Zeit nehmen und das eigene Nettovermögen ausrechnen. So hast du schwarz auf weiß, wie vermögend du bist. Noch nicht vermögend genug? Dann setze dir ein konkretes Ziel, das dein Nettovermögen betrifft und werde kreativ, was die Erreichung angeht. Versuche dir anzugewöhnen in Nettovermögen zu denken, nicht in Cash.

Foto: https://unsplash.com/@producteurslocaux

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6 Kommentare
  1. Lars Wrobbel 4 Tagen ago
    Antworten

    Hi Natascha,

    ich bin absolut deiner Meinung. Gerade für die Zielsetzung ist es immens wichtig, seine Zahlen zu kennen und diese auch richtig bewerten zu können.

    Viele Grüße

    Lars

  2. Hallo Natascha,

    ich gebe Dir recht, die Kennzahl ist der Schlüssel.
    Besonders, weil damit die Rendite berechnet werden kann, u. a. für Leverage.

    Allerdings gibt es wie immer einen Haken. Ist die Aussage des Nettovermögens gleich, wenn 2 Personen beide je 100.000 € haben, der eine aber 1 Mio. € Vermögenswerte und 900.000 € Kredite und der andere nur 100.000 € Vermögenswerte? Wie gut sind die Kredite? Wie ist die Rendite bei beiden?

    Deshalb glaube ich, dass das Nettovermögen eine gute erste Orientierung gibt. Ob jemand bei 100 €, 10.000 € oder 1 Mio. € liegt ist eine Aussage. Aber ob es eine lastenfreie selbstbewohnte Immobilie ist, ein fremdfinanziertes Mehrfamilienhaus oder ein Aktiendepot ist verändert das Bild meines Erachtens, weil die Liquidität ganz unterschiedlich ist. Und der Zeitpunkt, wann es sich verdoppelt…

    Grüße, Alex

  3. […] Madame Moneypenny zum Nettovermögen […]

  4. Marlies 1 Woche ago
    Antworten

    Schöner Artikel! Klingt nach etwas Aufwand, der sich aber lohnt. Nehme ich mir für den nächsten Regentag vor 😉

  5. Harald 1 Woche ago
    Antworten

    Hallo,
    ich finde die Idee das „Nettovermögen“ als Kennzahl zur Messung einer Performance zu benutzen tatsächlich richtig. Insbesondere für einen selbst als Person. Im unternehmerischen Bereich könnte man analog die Entwicklung des Eigenkapitals dazu verwenden. Im Prinzip ist das nichts anderes (Differenz zwischen Aktiva und Passiva).
    Was mich mal interessieren würde – Du schreibst hier im Blog ja auch unter anderem hin und wieder über dein eigenes Online-Geschäft. Wie wird dort eigentlich Performance gemessen? Es gibt dort mit Sicherheit auch einige interessante Kennzahlen die zu Rate gezogen wurden als der Anteilsverkauf stattfand. Natürlich nur wenn das nicht „geheim“ ist 🙂
    Viele Grüße,
    Harald

  6. Hey,
    super Artikel! Ich sehe es auch so. Ich trage alle Veränderungen in Portfolio Performance ein und kann dann dort immer sehen, wie es um mein Nettovermögen derzeit steht.

    Und auch finanzielle Jahres- oder Quartalsziele formuliere ich bezogen auf das Nettovermögen.

    Ich betrachte bei meinem Gehalt zudem nicht dessen Höhe als Errungenschaft, sondern die Höhe der Sparquote, also den Anteil, der nicht ausgegeben wird.

    Dadurch zwinge ich mich bei einer Gehaltserhöhung automatisch dazu, auch die Sparrate zu erhöhen und das kommt dann direkt dem Nettovermögen zu Gute.

    Schöne Grüße
    Tobias

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