Das richtige Mindset entscheidet

5 Lehren aus dem Buch „Mindset“

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Da in allerlei Literatur zum Thema Persönlichkeitsentwicklung oft von „Mindset“ die Rede ist und ich in letzter Zeit öfter in anderen Quellen über Carol Dweck und ihre Arbeit gestolpert bin, war es einfach an der Zeit ihr Buch „Mindset: The New Psychology of Success*“ zu lesen. Es war soagr höchste Zeit, denn nach den ersten Seiten war ich bereits hin und weg. Es kommt nicht oft vor, dass ich eine Whatsapp-Nachricht an Freunde und Familie mit einer „dringenden“ Buchempfehlung verschicke, doch in diesem Fall konnte ich nicht anders. Was macht dieses Buch so speziell und empfehlenswert? Es zeigt uns schonungslos auf, in welchen Mustern wir denken und warum manche Menschen mehr lernen und daher erfolgreicher sind (Uni, Sport, Beruf, Erziehung etc.) als andere. 

1. Es gibt zwei Mindsets: „Fixed“ und „growth“

Dweck hat erforscht, dass es nur zwei Mindsets gibt: Das fixed Mindset und das growth Mindset.

„Believing that your qualities are carved in stone – the fixed mindset – creates an urgency to prove yourself over and over“.  Menschen mit einem fixed Mindset denken in Labels: Ich bin schlau, ich bin dumm, ich bin schön, ich habe kein Talent. Alles dreht sich um den Status Quo, den es zu verteidigen oder zu akzeptieren gilt. Es gibt keinen Raum für Verbesserungen und viel Angst vor dem Versagen, was Menschen hindert Herausforderungen anzunehmen. Denn, wenn ich gerade das Label „schlau“ erhalten habe, ich aber nun eine Herausforderung annehmen würde, die dieses Label gefährdet, lass‘ ich es lieber bleiben. Falls ich versage, bekomme ich ein anderes Label, das ich nicht wieder los werde: Versager. Ich bleibe also lieber schlau in meiner Komfortzone als ein Risiko einzugehen und zu lernen.

„The growth mindset is based on the belief that your basic qualities are things you can cultivate through efforts„. Dem gegenüber steht das growth Mindset, das besagt, dass jede Eigenschaft erlernt und man sich stets verbessern kann. Status Quo und Talent bestimmen nicht unser Potenzial im Leben, sondern mit Einsatz und Arbeit kann man stets lernen und sich verbessern. Es gibt nicht „Ich bin dumm“, sondern „Ich weiß das noch nicht also lerne ich es jetzt.“

2. In welchem Mindset steckst du?

Ein kurzer Selbsttest: Angenommen du hattest einen richtig doofen Tag: Du gehst in eine Vorlesung, die sehr wichtig für dich ist und die du sehr magst. Die Professorin gibt dir dein Paper zurück: Eine 3. Du bist sehr enttäuscht. Am gleichen Abend, auf dem Weg nach Hause, siehst du, dass du dir auch noch einen Strafzettel eingefangen hast. Jetzt bist du richtig frustriert und rufst deine beste Freundin an, um ihr dein Leid zu klagen. Doch sie wimmelt dich einfach ab.

Was würdest du denken? Wie würdest du dich fühlen? Was würdest du tun?

a)  „Ich würde mich abgelehnt fühlen.“ „Ich bin eine Idiotin.“ „Das Leben ist unfair und alle Anstrengungen sind nutzlos.“ „Alle sind besser als ich.“ „Nie passiert mir etwas Gutes.“  „Ich würde nicht mehr so viel Aufwand in dieses Seminar oder generell mein Studium stecken. Es bringt ja nichts.“ „Die blöde Kuh mag mich einfach nicht.“ „Schokolade futtern und weinen.“ „Tja, was soll ich tun? Nichts.“

Das wäre typisch für ein fixed Mindset: Sich be- oder verurteilen, die Schuld bei anderen suchen und lieber nicht erneut ein Risiko eingehen.

b) „Ich würde mich mehr anstrengen, das nächste Mal darauf achten, wo ich parke und meine Freundin fragen, was mit ihr los ist.“ „Die 3 zeigt mir, dass ich noch nicht gut genug bin und mehr tun muss.“ „Ich würde die Professorin um Feedback bitten damit ich sehe, was ich falsch gemacht habe.“

Growth mindset: Nicht urteilen, verstecken und akzeptieren sondern aktiv arbeiten, damit es das nächste Mal besser klappt.

3. Das fixed Mindset ist gefährlich

Folgendes Experiment wurde durchgeführt, um die Auswirkungen von fixed und growth Mindsets zu erforschen. Einer Gruppe von Kindern im Schulalter wurden IQ-Fragen gestellt. Alle hatten recht gute Ergebnisse. Nun wurde die Gruppe in zwei Teilgruppen untergeteilt. Die eine Gruppe erhielt Lob in Sinne des fixed Mindsets „Wow, du hast fast alle Fragen richtig beantwortet. Du bist super schlau!„. Die andere wurde anhand des growth Mindsets gelobt „Wow, du hast fast alle Fragen richtig beantwortet. Du musst dich echt angestrengt und hart gearbeitet haben! Klasse!“. Merkst du den Unterschied? Die einen bekommen gesagt, dass sie gut waren aufgrund ihrer Intelligenz (fixes Label), die anderen aufgrund ihres Einsatzes (kein Label; zu ändern).

Dann bekamen beide Gruppen wesentlich schwierigere Aufgaben. Und dort zeigten sich die Auswirkungen der unterschiedlichen Mindsets: Die fixed Kinder wollten die Herausforderung nicht annehmen, aus der sie hätten lernen können. Es hat ihnen keinen Spaß mehr gemacht. Klar: Denn wenn Erfolg bedeutet, dass ich schlau bin, bedeutet eventueller Misserfolg, dass ich dumm bin. Die growth Kids liebten die schwierigeren Aufgaben weil sie sich dort mehr anstrengen und lernen konnten. Sie brauchten ja auch keine Angst haben ihr Schlau-Label zu verlieren – sie hatten ja gar kein bekommen.

Jetzt der Clue: Allen Kindern wurde danach gesagt, dass Kindern in der Nebenklasse die gleiche Aufgabe gestellt werden würde und diese bestimmt gerne die Probleme wüssten, die es gab. Die Kinder schrieben also ihr Tipps auf ein Blatt Papier. Außerdem sollten sie ihre persönliches Testergebnis auf das Blatt schreiben. Das Resultat: fast 40% der Kinder, die in ein fixed Mindset gebracht wurden, schrieben ein besseres Ergebnis auf als sie eigentlich hatten. Sie logen. Denn Imperfektion ist eine Schande.

Richtig alarmierend wird es, wenn man sich vor Augen führt, was passiert ist: Das Team um Dweck nahm eine Gruppe normaler Kinder und machte sie zu Lügner*innen weil es ihnen sagte, dass sie schlau seien.

4. Positive und negative Labels sind problematisch

Wie du im Punkt 3 bereits erkannt hast, ist es sehr leicht Menschen in eines der beiden Mindsets zu bringen. Mit nur einem Satz, einem Lob, einer Tatsachenbehauptung ist es geschehen. Es geht sogar noch schneller und subtiler. Immer, wenn Mitglieder einer stereotypisierten Gruppe an ihre negativen „Eigenschaften“ erinnert werden, rutschen sie ins fixed Mindset. Es wurde erforscht, dass alles, was uns direkt vor einem Test, indem wir laut Stereotypen schlecht sein sollen, daran erinnert schwarz oder weiblich zu sein, unsere Testergebnisse stark verschlechtert. Vorurteil: Frauen sind schlecht in Mathe. Bei deiner Matheklausur sollst du oben dein Geschlecht ankreuzen? Herzlichen Glückwunsch und willkommen im fixed Mindset. Du wirst in dieser Klausur unter deinen Möglichkeiten bleiben. Du wirst unterbewusst so mit dem Label „Frau = schlecht in Mathe“ beschäftigt sein, dass dir die Energie für den eigentlichen Test fehlen wird.

Im fixed Mindset sind sowohl positive als auch negative Labels problematisch: Wenn du ein positives Label erhalten hast, hast du Angst es zu verlieren und wenn du ein negatives Label inne hast, hast du Angst es könnte stimmen.

5. Jede kann ins growth Mindset wechseln

Keine Panik: Es gibt Wege, wie du dich ins growth Mindset begeben kannst. Die Grundvoraussetzung hast du nun schon: Du weißt, dass es diese beiden Mindsets gibt und, dass du vielleicht lieber im growth Mindest unterwegs sein möchtest. Ab jetzt wird jedes Mal, wenn jemand Dinge sagt wie „Du bist brillant.“ oder „Ich bin echt ein Idiot!“ deine fixed Mindset Alarmglocke schrillen.

Es gilt: Üben, üben, üben. Damit kannst du direkt mal anfangen: Stell dir vor, du bist der festen Überzeugung, du hättest eine Beförderung samt Gehaltserhöhung verdient. Der Job, den du momentan ausführst, ist eigentlich unter deinem Niveau. Du gehörst nach oben zu den Big Girls n Boys. Deiner Chefin gefällt deine Einstellung nicht. Sie gibt den Job jemand anderem und bei den Gehaltserhöhungen wirst du ebenfalls nicht berücksichtigt. Wie fühlst du dich, was denkst du, was tust du?

Fazit zum Buch Mindset: The New Psychology of Success*

Das war jetzt ein ganz schöner Ritt durch diese komplexe Thematik. Ein Schwerpunkt wird im Buch auf (wie in Punkt 3 angerissen) das richtige Loben von Kindern, Mitarbeitern, Sportlern etc. gelegt. Für alle Eltern, Lehrer*innen, Trainer*innen, Coaches und Chef*innen also ein absolutes Muss.

Ich kann mich nur wiederholen: Ich halte dieses Buch für mehr als essentiell für alle, die sich besser verstehen und weiterentwickeln wollen. Beschäftigt euch mit euren Gedanken und Gefühlen und lernt sie in eine produktive Richtung zu lenken. Wir müssen unsere Gedanken kontrollieren damit unsere Gedanken nicht uns kontrollieren. 

In diesem Sinne: Hier geht’s zum Buch*

Foto oben: https://pixabay.com/de/abstrakt-soft-fokus-l%C3%B6wenzahn-1342498/

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8 Kommentare
  1. Ex-Studentin 10 Monaten ago
    Antworten

    Danke für den Buchtipp! Kommt auf meine Wunschliste. Wobei mich letzteres Beispiel nachdenklich macht. Was wäre die angemessene Reaktion? Ich hätte gesagt: Nicht aktzeptieren und das Glück in einer anderen Firma versuchen. Es kann 2 Gründe für die Situaion geben: Entweder man überschätzt sich selbst oder die Chefin hat die falsche Sichtweise.

    • Madame Moneypenny 10 Monaten ago
      Antworten

      Die nach dem Growth-Mindset empfohlene Reaktion wäre die Chefin zu fragen, wie man sich verbessern kann. Was ihr fehlt, was sie gut und was sie verbesserungswürdig findet. Fragen, was die Kollegen, die befördert wurden, eventuell besser machen als ich. Feedback holen, das Fehlerverhalten in erster Linien bei sich selber suchen bevor man anderen die Schuld gibt (die Chefin, die einen eh nicht leiden kann, den Kollegen, der sich hochgeschlafen hat etc.) und bereit sein zu lernen.

      • Ex-Studentin 10 Monaten ago
        Antworten

        Irgendwie ist das Szenario für mich nicht zufrieden stellend. Man sollte den Wert seiner Leistung kennen und es gibt tatsächlich Chefs, die Ausreden finden. An sich habe ich in meinem Beruf keine Nachteile als Frau empfunden, bekomme aber immer mehr mit, wie Frauen bei ihren Gehaltsvorstellungen mit „Ich kann einfach nicht mehr zahlen“ abgespeist werden, obwohl männliche Kollegen ihre Forderungen durchsetzen können. Männer ziehen Kündigungen aus Gehaltsgründen/Karrieregründen eher durch als Frauen und das wissen Chefs.

  2. Christian 10 Monaten ago
    Antworten

    Hallo Natascha,

    hatte dieses Buch bisher noch nie auf dem Schirm. Danke für diese tolle Zusammenfassung, werde es mir auch besorgen freue mich schon darauf.

    Muss ehrlich sagen das ich mich generell auch zum growth Mindset zuordne. Allerdings erwische ich mich manchmal an solchen extremen Tagen leicht abrutschen, hier muss ich definitiv noch etwas daran arbeiten.

    Gruß

    Christian

  3. denkfabrik 10 Monaten ago
    Antworten

    fixed und growth mindset, spannend! Beim Selbsttest bin ich auf der growth Seite – juhu!
    Mich würde mal interessieren wie du deine Bücher liest. Machst du dir nebenbei Notizen, schreibst du deine Beiträge und greifst heraus was dir noch als Kernpunkt in Erinnerung ist, oder denkst du viel über einzelne Passagen nach und notierst sie?

    LG
    Johannes

    • Madame Moneypenny 10 Monaten ago
      Antworten

      Hi Johannes,

      ich lese immer mit Textmarker und Wunderlist-App bewaffnet.
      Wichtige/spannende Passagen werden im Buch markiert und Kandidaten für meine „5-Lehren-aus“-Artikel landen inkl. Seitenzahl in der Wunderlist.
      That’s it 🙂

      Machst du es ähnlich?

      Liebe Grüße
      Natascha

      • denkfabrik 10 Monaten ago
        Antworten

        Ok, du liest also meistens/immer analog?
        Ja, ich mach es auch so. Typisches Exzerpieren, nur ohne Wunderlist 🙂

        LG
        Johannes

        • Madame Moneypenny 10 Monaten ago
          Antworten

          Ja, alles analog damit ich drin rum malen kann 🙂

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