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5 Gründe warum du dein Geld für Erlebnisse anstatt für Dinge ausgeben solltest

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In meinem letzten Artikel „Wann du weniger sparen solltest“ bin ich flüchtig auf den Punkt eingegangen, dass man sein Geld besser für Erlebnisse als materielle Güter ausgeben sollte, um glücklich(er) zu sein. Wie das Universum so spielt, wird dieser Aspekt in der aktuellen Psychologie Heute angerissen, die ich manchmal lese, um über den Tellerrand zu schauen. (Das Titelthema der Ausgabe ist Geduld. Aber der Artikel dazu war mir zu lang.) Unter der Überschrift „Die Erinnerung an ein schönes Erlebnis bleibt“ wurde ein Interview mit dem Psychologen Professor Thomas Gilovich veröffentlicht, dessen Inhalt ich in diesem Artikel in komprimierter Form wiedergebe. Gilovich erforscht seit ca. 15 Jahren, ob uns Erfahrungen glücklicher machen als materielle Güter. Die Antwort darauf kennen wir: Ja. Aber warum?

1. Die teure Macht der Gewöhnung

Du kennst das mit Sicherheit auch: Du freust dich auf deinen neuen Fernseher, dein neues Bücherregal oder den neuen Geschirrspüler. Das Ding trifft endlich ein, du bist völlig aus dem Häuschen. Und irgendwann (laut Wissenschaft nach ca. 3 Monaten) hast du dich an den neuen Gegenstand gewöhnt. Der Fernseher ist nichts besonderes mehr, das Bücherregal nimmst du gar nicht mehr richtig war und das iPhone ist eigentlich schon wieder alt. So geht es mir jedenfalls oft. Also muss schnell etwas neues her, um uns wieder für ein paar Monate glücklich zu machen. Ein teures und ineffektives Vorgehen. Gilovich hat dazu herausgefunden: „Während man sich an materiellen Konsum gewöhnt und immer mehr braucht, gilt das für Erfahrungen nicht.“ Aber von dem Fernseher habe ich doch viel länger etwas als von einem Wochenendtrip nach Rom, der nach 2 Tagen wieder vorbei ist. Der Fernseher bleibt ein paar Jahre bei mir! Das stimmt zwar im materiellen, aber nicht im psychologischen Sinne. Denn in der Tendenz sind Erfahrungen resistenter gegen Gewöhnung als Dinge und machen so langfristig zufriedener. Das neue Bücherregal sieht man nicht mehr, während die Erinnerung an ein schönes Erlebnis dagegen bleibt.

2. Stärkung der Identität

Dein letzter Urlaub, ein netter Kinoabend und der Geburtstag von Oma sind alle ein Teil von dir. Du hast diese Erlebnisse erlebt. Sie gehören zu deiner Vergangenheit und somit zu dir. Dein Fernseher wohl kaum. Den hast du gekauft und jetzt steht er im Wohnzimmer. Du nutzt ihn wahrscheinlich jeden Tag, aber er ist kein Teil von dir. „Erfahrungen dagegen sind wirklich ein Teil von uns. Letztlich sind wir die Summe unserer Erfahrungen. […] Sie verändern und bereichern uns, und das bleibt so lange man lebt.“ Wenn du also in Erfahrungen investierst, investierst du in dich selbst. Mein Lieblingsstichwort: Humankapital!

3. Soziale Verbundenheit

Soziale Kontakte machen uns Menschen (in der Regel) glücklich. Gerade in Zeiten von Facebook-‚Freundschaften‘ gewinnen ‚echte‘ soziale Kontakte immer mehr an Wichtigkeit damit wir nicht vor unseren Bildschirmen vereinsamen. Das Schöne an Erlebnissen ist, dass viele von Natur aus sozial sind. Zum Tennisspielen brauchst du eine Partnerin oder einen Partner. In den Urlaub fährt man meist mit Familie, Freunden, Kollegen oder dem Sportteam. Außerdem schaffen Erlebnisse eher ein Zugehörigkeitsgefühl als materielle Gegenstände. Wenn ich weiß, dass du ebenfalls in Italien warst, haben wir eine Gemeinsamkeit. Ich fühle mich mehr mit dir verbunden als wenn ich wüsste, dass du das gleiche Bücherregal hast. Plus: Wir würden über unsere Urlaube in Italien sprechen. Über die Berge, die Pizza und wie die Italiener Auto fahren…

4. Keine Vergleiche mit anderen

Wer hat das neueste iPhone, den größten Fernseher und das schickste Auto? Solche Vergleiche, bei denen sich keiner so richtig wohlfühlt, spielen, wenn es um Erfahrungen geht, eine geringere Rolle als bei Dingen. Während wir materielle Dinge daran messen, was andere haben, bewerten wir Erfahrungen eher aus sich heraus. Dein Kollege hat die 5-Sterne-Kreuzfahrt gemacht währen du in Italien auf einer Berghütte warst? Egal, denn man kann es nicht vergleichen. Für ihn ist eine Kreuzfahrt das tollste Erlebnis und für dich die Berghütte. Und alle sind auf ihre Art happy.

5. Wahre Vorfreude

Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigt: Auf ein Erlebnis zu warten, etwa den Urlaub oder ein Konzert, ist mit mehr Glücksgefühlen verbunden als die Wartezeit auf ein materielles Gut. Mehr noch: Während wir das Warten auf eine Erfahrung als angenehm und aufregend empfinden, fühlen wir beim Warten auf die neue Flimmerkiste oder das neue Auto eher nervöse Ungeduld. (Vielleicht sollte ich den Artikel zum Titelthema doch noch lesen…)

Fazit

Interview und Artikel raten nicht dazu jeglichem Konsum abzuschwören und wie ein Mönch zu leben. Aber wir alle haben begrenzte Mittel und müssen uns manchmal zwischen Dingen und Erfahrungen entscheiden. Wenn du zweifelst, ob du dein Geld besser in ein neues Möbelstück oder einen Ausflug investieren sollst, bedeutet das, dass du dir unsicher bist weil beide Optionen wahrscheinlich nah beieinander liegen. Und dann mag es, laut Forschung, eine gute Idee sein, dich für das Erlebnis zu entscheiden. Also viel Spaß!

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4 Kommentare
  1. Stefan Stulle 2 Monaten ago
    Antworten

    Da hast du recht, von schönen Erlebnissen, wie einem tollen Urlaub oder ein Konzert usw. zehrt man noch sehr lange Zeit.
    Allerdings freue ich mich seit 24 Jahren jeden Tag (!) über meinen Geschirrspüler. Hab als Kind Abwasch und Abtrocknen gehasst wie die Pest.

    • Natascha 2 Monaten ago
      Antworten

      Oh ja, ein Geschirrspüler ist auch bei mir nicht mehr wegzudenken. Spülen zählt also nicht als erfüllendes Erlebnis 😉

  2. Ex-Studentin 2 Monaten ago
    Antworten

    Huhu Natascha,
    mir ist letztens bewusst geworden, wie wichtig soziale Kontakte sind. Nicht nur Erinnerungen, sondern gemeinsame Erlebnisse. Manche Momente kann man auch alleine genießen, z.B. in der Natur oder ein gemütlicher Abend mit der Lieblingsserie. Aber dennoch sind die Erinnerungen mit anderen Gold Wert. So ganz von meinem Materialismus komme ich trotzdem nicht ab: Da mich viele Gegenstände bereits viele Jahre begleiten, habe ich eine emotionale Bindung zu diesen Sachen bzw. ich verbinde dadurch automatisch auch Erinnerungen. Dinge, die ich täglich nutze, will ich ebenfalls nicht missen.

    • Natascha 2 Monaten ago
      Antworten

      Hi Jenny,
      sehe ich genauso. Ganz ohne materielle Güter könnte ich auch nicht.
      Vor meinem Umzug habe ich einige Sachen weggegeben und verkauft, die einen gewissen emotionalen Wert hatten. Das habe ich im Nachhinein bereut. Ich denke, die Kombination macht es am Ende des Tages aus.
      Liebe Grüße!

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