3000 Euro anlegen

3.000 Euro anlegen – so geht’s!

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3.000 Euro anlegen – aber wie?

In unserer Facebook-Gruppe (sorry dudes, women only) kam die Frage auf, wie man 3.000 Euro anlegen kann und welche Version des Weltportfolios sich dafür am besten eignet. Kurz zur Erläuterung: In meinem Ebook „Bali statt Bochum“ stelle ich 5 Varianten des Weltportfolios nach Gerd Kommer* dar. Zusätzlich zu dem Ebook erhält man eine Excel-Tabelle, in die man nur den zu investierenden Betrag eintragen braucht und als Ergebnis die Aufsplittung des Betrages in den verschiedenen Varianten erhält – von „umfangreich“ mit 9 ETFs bis „easy“ mit nur einem ETF.

Angenommen, du erhältst eine Erbschaft, einen Bonus auf der Arbeit oder Steuern zurück und hast 3.000 Euro auf der Tasche. Die Freude ist groß und du bist fest entschlossen, dieses Geld nicht zu verkonsumieren, sondern vernünftiger Weise anzulegen. Was tun?

1. Ist dein Notgroschen schon prall gefüllt?

Bevor du in Erwartung unsäglichen Reichtums das Börsenparkett stürmst, solltest du fix analysieren, wie es um deinen Notgroschen bestellt ist. Denn der Notgroschen ist immer das erste Behältnis, in dem dein Geldfluss gesammelt wird. Erst wenn das Notgroschen-Behältnis überläuft, geht es ans Investieren. Denn stell‘ dir vor, du investierst die 3.000 Euro, hast keine Notreserve und ein finanzieller Notfall tritt ein. Das kann sein: Jobverlust, teure Krankheit, kaputte Waschmaschine, Steuernachzahlungen etc. Du würdest keine andere Wahl haben als deine Investments zu verkaufen. Und zwar egal, wie der Kurs steht. Es kann also passieren, dass du zum Verlustkurs verkaufen musst weil die doofe Waschmaschine genau dann kaputt geht als deine ursprünglichen 3.000 Euro aktuell nur 2.200 Euro wert sind. Nicht so schön.

Daher: Wie viel Geld hast du als Notreserve bereits auf deinem Tagesgeldkonto geparkt?

  1. Was ist ein Tagesgeldkonto? / Ich habe noch kein Tagesgeldkonto –> Bitte hier entlang.
  2. Weiß ich nicht… –> Einloggen, nachschauen.
  3. Ein paar Hundert Euro –> Das reicht leider nicht. Deine 3.000 Euro sollten wohl direkt auf dein Tagesgeldkonto gehen.
  4. Genug, damit ich und alle von mir abhängigen Personen mindestens 3 Monate überleben können.  –> BINGO! Please proceed to the next level.

2. Was ist dein Ziel?

Notgroschen ist prall gefüllt wie eine Weihnachtsgans, die 3.000 Euro können investiert werden. An dieser Stelle ist es wichtig, zu überlegen, was du mit dem Investment erreichen möchtest. Denn deine Strategie hängt davon ab, ob du relativ kurzfristig aus 3.000 Euro 4.000 Euro machen möchtest oder du den Betrag langfristig für deine Altersvorsorge arbeiten lassen möchtest. Da du auf diesem Blog und nicht auf „wie-werde-ich-über-nacht-reich.de“ unterwegs bist, gehe ich von letzterem Ziel aus: 3.000 Euro anlegen, langfristige Vermehrung mit dem Ziel Altersvorsorge, vorzeitige Rente, finanzielle Unabhängigkeit. 

Damit haben wir auch gleich den nächsten Punkt abgehakt: Dein Anlagehorizont. Bei langfristigen Investments reden wir von mindestens 10 Jahren. Warum ist es sinnvoll Geld so lange investiert zu lassen? Weil so die Wahrscheinlichkeit steigt, dass deine Anlagen auch wirklich die Rendite erreichen, die zu erwarten ist. Welche Rendite du erwarten kannst, hängt stark von deiner Risikobereitschaft ab.

3. Wie viel Risiko kannst/möchtest du eingehen?

Bitte sag‘ jetzt nicht: ‚Ich bin Fallschirmspringerin, also eher der risikofreudige Typ.‘ Die Waghalsigkeit deiner Freizeitaktivitäten hat nichts mit deiner finanziellen Risikobereitschaft zu tun. Um deine Risikobereitschaft zu analysieren, solltest du folgende Punkte berücksichtigen:

Die Fähigkeit Risiko zu tragen

  • Wie hoch ist dein Startvermögen?
  • Wie hoch und wie sicher ist dein Einkommen?
  • Sind andere Menschen (Kinder, Eltern) von dir abhängig?
  • Hast du noch andere Vermögenswerte als Sicherheit (bspw. Immobilien)?

 

Die emotionale Bereitschaft Risiko zu tragen

  • Wie nervenstark und stressresistent bist du?
  • Denkst du, du hast genug Investmentwissen und fühlst dich wohl damit? (Dies erhöht die nervlich-emotionale Bereitschaft Risiko zu tragen, einfach weil du dich dann sicherer fühlst.)

Das klingt wenig greifbar, ich weiß. Und jetzt kommt der schwierige Teil: Diese weichen Faktoren in Zahlen zu gießen. Denn am Ende brauchst du eine prozentuale Aufteilung deiner 3.000 Euro in einen risikobehafteten und einen risikoarmen Anteil. Also so etwas wie 60/40 oder 20/80.

Um dir diese Entscheidung zu erleichtern, hier noch eine wichtige Info: Je mehr Rendite du einfahren möchtest, desto höher das Risiko und desto länger der notwendige Anlagehorizont. Die folgende Tabelle setzt diese Faktoren ins Verhältnis. Wenn du bspw. eine langfristige real erwartete Rendite pro Jahr von 5,5 Prozent erwirtschaften möchtest, müsstest du (in der Theorie) ein Verhältnis von 40/60 risikofreie zu risikobehaftete Anlagen wählen und mindestens 7 Jahre anhand des Weltportfolios investiert bleiben. Wenn du 100 Prozent auf Risiko gehst, kannst du nach mindestens 11 Jahren ca. über 7 Prozent erwarten. Wichtig: Es gibt kein richtig oder falsch. Du musst dir im Klaren sein, dass Investments mit Risiken einhergehen und für dich selbst entscheiden, mit wie viel Risiko du nachts gut schlafen kannst.

Risiko Kommer

 

4. Die geeignete Weltportfolio-Variante

Was das Weltportfolio ist und worin seine Vorteile liegen, kannst du hier nachlesen. Wie eingangs schon erwähnt, bekommst du beim Kauf meines Ebooks eine Excel-Tabelle mit dazu, die dir genau aufzeigt, mit wie viel Geld du in welchem Verhältnis in welche ETF-Kategorien (Asset Klassen) investieren kannst.

Da 3.000 Euro nicht soooo viel ist, eignet sich wohl aufgrund der Einfachheit die Variante des Weltportfolios, die aus maximal 3 ETFs besteht: Ein ETF auf Aktien aus entwickelten Märkten, ein ETF auf Aktien aus Schwellenländern und ein ETF auf kurzlaufende, deutsche Staatsanleihen. Alternative: Das Tagesgeldkonto (bspw. bei der Cortal Consors*). Am Beispiel 70/30 sähe das so aus: Bildschirmfoto 2017-08-05 um 12.59.26

 

5. Die passenden ETFs kaufen

Die Kriterien zur ETF-Auswahl kannst du hier (unter Punkt 5) erneut nachlesen. Wenn du deine 3 Wunsch-ETFs (oder auch nur 2 falls du dich für Tagesgeldkonto anstatt Staatsanleihen-ETFs entscheidest) bestimmt hast, geht es ans Kaufen. Dafür musst du wissen, welcher Anteil der 3.000 Euro in welchen ETF investiert werden muss damit dein Risikoniveau stimmt. Auch hier hilft dir erwähnte Excel-Tabelle weiter. Das Ergebnis mit beispielhaften (absolute keine Kaufempfehlung!) ETFs bei einer Risikoverteilung läge bei 70/30 risikobehaftet zu risikolos könnte so aussehen:

Bildschirmfoto 2017-08-05 um 15.38.08

Beim Kauf von ETFs und Aktien werden Gebühren an den Broker und an den Handelsplatz fällig. Der Broker erhebt eine feste Gebühr pro Transaktion sowie eine Orderprovision, die sich nach der Höhe des investierten Betrages richtet. Bei der Comdirect sind das bspw. 4,90 Euro pro Kauf/Verkauf sowie 0,25% Orderprovision. Dieses Geld möchten wir natürlich lieber anlegen anstatt es dem Broker zu geben.

Der Trick: Einen Sparplan über die entsprechende Summe einrichten und nur einmal ausführen lassen. Warum? Weil bei einem Sparplan in der Regel keine Broker-Gebühren anfallen. (Das Geld für den Handelsplatz wird immer fällig.)

Was du also tun kannst:

  1. Ein Depot eröffnen. Ich habe meine Depots bei der Comdirect* und bei OnVista*.
  2. Einen Sparplan einrichten, ihn einmal ausführen lassen und dann beenden oder auf kleinere Beträge anpassen.

Einziger kleiner Nachteil: Du musst ETFs aussuchen, die sparplanfähig sind. Sehr viele ETFs sind bspw. bei der Comdirect sparplanfähig, aber eben nicht alle. Ich habe ein weiteres Depot bei OnVista weil ich über diese beiden Broker alle meine Wunsch-ETFs im Sparplan abbilden kann. Also alles halb so wild.

Bei der Comdirect sähe das so aus:

  1. Einloggen und unter „Geldanlage“ den Punkt „Wertpapiersparplan“ ansteuern.
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  2. Gesamt-Sparrate eingeben. In unserem Fall: 3.000 Euro.
    Bildschirmfoto 2017-08-05 um 15.04.37
  3. Die WKNs deiner Wunsch-ETFs eintragen.
    Bildschirmfoto 2017-08-05 um 15.14.11
  4. Die Beträge pro ETF angeben (die kennst du aus der Excel-Tabelle).
    Bildschirmfoto 2017-08-05 um 15.15.24
  5. Noch einmal alles checken: WKNs, Bezeichnungen, Beträge, prozentuale Aufteilung. Wie du dem Screenshot entnehmen kannst, fallen für unseren Staatsanleihen-ETF leider 1,5% Orderprovision an. Alternative: Anderen sparplanfähigen ETF finden oder ab aufs Tagesgeldkonto damit.
    Bildschirmfoto 2017-08-05 um 15.16.11
  6. Letzte Schritte: Kaufintervall festlegen (spielt keine Rolle weil der Sparplan ja nur einmal ausführt werden soll), Kauftag bestimmen, Monat und Jahr des ersten Kaufs festlegen und ganz wichtig: Der letzten Kauf muss gleich dem ersten Kauf sein damit der Sparplan nur einmal ausgeführt wird.
    Bildschirmfoto 2017-08-05 um 15.17.05
  7. Mit einer TAN bestätigen und fertig.

6. Und danach?

Wenn dies dein erster Sparplan ist: Herzlichen Glückwunsch! Wenn du auf den Geschmack gekommen bist und weiterhin investieren möchtest, kannst du nach erfolgreicher Abwicklung deines einmaligen Sparplans, einfach die Beträge im Sparplan kostenfrei ändern. Wenn du bspw. 150 Euro monatlich investieren möchtest, brauchst du nur die 3 Beträge im Sparplan entsprechend ändern, das Kaufintervall auf „monatlich“ und den letzten Kauf auf unbestimmt setzen. Mit einer TAN bestätigen und fertig.

Fazit

Das Vorhaben „3.000 Euro anlegen“ ist eigentlich recht einfach erreicht: Risikobereitschaft ermitteln, Excel-Tabelle aus „Bali statt Bochum“ öffnen, Betrag eintragen und Teilbeträge ausrechnen lassen, ETFs raussuchen und einmaligen Sparplan ausführen. Ich möchte an dieser Stelle erneut darauf hinweisen, dass alle ETFs, die in diesem Artikel (und auch sonst wo auf meinem Blog) genannt werden, als Beispiele dienen. Dies sind nicht unbedingt die ETFs, in die ich investiere und ich weiß auch nicht, ob diese ETFs die richtigen für dich sind. Bitte mach‘ dir die Mühe den passenden ETF für dich zu recherchieren. Hilfestellung: In „Bali statt Bochum“ findest du eine Liste mit ca. 30 vorrecherchierten ETFs zur Übersicht.

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5 Kommentare
  1. Vera 2 Monaten ago
    Antworten

    Ein wunderbarer Artikel, und so einfach nachzuvollziehen.
    Leider akzeptiert die Comdirect wohl nicht mehr, dass beim Sparplan Kaufstart und Kaufende auf einem Termin liegen. Bei mir hat es mit der Einmaleinzahlung leider nicht geklappt.

    • Vera 2 Monaten ago
      Antworten

      Sorry, ich hatte vorher ein Kreuz zuviel gemacht …
      Jetzt hat´s geklappt.
      Danke nochmals Natascha für deinen wirklich sehr hilfreichen und inspirierenden Blog.
      Viele Grüße
      Vera

  2. Stefan 2 Monaten ago
    Antworten

    Klasse Artikel!

    Zum konkreten Kauf bevorzuge ich allerdings eine Variante, die sich bei mir besser bewährt hat, als ein kostenloser Sparplankauf: per Livetrading mit Kurslimit. Das Limit wird dabei so niedrig angegeben, das mindestens die Kaufgebühren (eher mehr) eingespart wird und die Gültigkeit der Order setze ich dabei auf ein bis zwei Wochen. Ggf. warte ich dann ein paar Tage auf die Ausführung. In Zeiten, die nicht gerade in ganz starken Aufwärtstrends liegen, klappt das aber (nahezu) immer.
    Bei Sparplänen habe ich leider oft die Erfahrung gemacht, dass die Käufe zu sehr ungünstigen Kursen (gerne auch mal zu Tageshöchstkursen) ausgeführt werden. Das kann dann leicht teurer werden als eine Sofortausführung incl. Gebühren.

    Beste Grüße

    Stefan

  3. leeroy Jenkins 3 Monaten ago
    Antworten

    1 zu 1 so gemacht vor einem Jahr sogar die selben ETFs 😀

  4. Geli 3 Monaten ago
    Antworten

    Liebe Natascha,

    vielen Dank für diesen Blogbeitrag! Genau so etwas habe ich gebraucht um jetzt entgültig mal loszulegen 🙂
    Der Artikel kommt auch passend zum Urlaubsgeld…

    Grüße vom Bodensee,

    Angelika

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